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Gegen drohendes Aus der Geburtenbegleitung: Hebammen und Familien protestieren in Dresden

Gegen drohendes Aus der Geburtenbegleitung: Hebammen und Familien protestieren in Dresden

Rund 2500 Hebammen, Mütter, Väter und Kinder haben am Sonnabendvormittag in Dresden gegen das drohende Ende der Geburtsbegleitung durch Hebammen protestiert.

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Mit Kind und Kegel zogen die Demonstranten durch Dresdens Innenstadt.

Quelle: Tanja Tröger

Mit Transparenten, Trillerpfeifen, Rasseln und Tröten zogen sie vom Neumarkt zum Theaterplatz. Die Demonstranten forderten die Politik auf, sich für Hebammen und Familien einzusetzen.

Das Problem: Die Kosten für die Haftpflichtversicherung der Hebammen sind in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen. Derzeit liegen sie bei rund 5000 Euro pro Jahr. Um rentabel zu wirtschaften, müssten Hebammen sehr viele Frauen bei der Geburt begleiten – was wiederum zu Lasten der Betreuungsqualität ginge. Zahlreiche freiberufliche Hebammen geben deshalb die eigentliche Geburtshilfe auf. Konstanze Thelen-Jordan beispielsweise betreut Frauen nur noch vor und nach der Geburt. Als vor etwa fünf Jahren die Haftpflichtkosten auf einen vierstelligen Betrag stiegen, sei sie aus der Geburtshilfe ausgestiegen, erzählt sie. Zwar muss sie auch jetzt Haftpflichtprämien zahlen, kommt aber mit etwa 300 Euro pro Jahr relativ günstig weg.

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Für das Recht auf selbstbestimmtes Gebären und bezahlbare Haftpflichtversicherungen demonstrierten etwa 2500 Dresdner.

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Nun hat auch noch der letzte Hebammen-Versicherer angekündigt, Ende Juni 2015 aus der Haftpflicht auszusteigen. Da die Hebammen jedoch verpflichtet sind, sich zu versichern, stehen sie vor dem Ende ihres Berufes. Konstanze Thelen-Jordan trägt deshalb zwei strangulierte Störche vor sich her. „Die Existenz von allen Hebammen ist absolut gefährdet“, sagt sie.

Massenabfertigung in großen Geburtszentren statt individueller Betreuung

Auch etlichen kleinen Geburtsstationen in Krankenhäusern droht die Schließung. Bundesweit hat das im vergangenen Jahr etwa 20 Kliniken betroffen, darunter die in Radebeul. Rund 400 werdende Mütter pro Jahr müssen nun weite Wege in Kauf nehmen und nach Meißen oder Dresden ausweichen, sagt Anne Weidlich von der Initiative „Elternprotest“, die den Demozug organisiert hat. Doch gerade in Dresden, das sich selbst rühmt, Geburtenhauptstadt zu sein, haben die Hebammen schon alle Hände voll zu tun.

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Hunderte Mütter protestierten für Wahlfreiheit bei der Geburt und für eine bezahlbare Regelung der Hebammen-Haftpflicht.

Quelle: Tanja Tröger

Zukünftig werden es sich nur noch große Kliniken leisten können, eine Geburtenstation zu unterhalten. Das schränke jedoch die gesetzlich verankerte Wahlfreiheit des Geburtsortes und das Recht auf selbstbestimmtes Gebären enorm ein, so Weidlich. „Darauf haben wir Anspruch. Ich will das für mich und ich will das für meine Kinder“, ruft die Organisatorin in die Menge und erntet tosenden Beifall. „Wenn Politiker Gesetze erlassen, dass Geburten versichert werden müssen, dann sollen sie sich gefälligst auch darum kümmern, dass es Versicherungen gibt und dass sie bezahlbar sind!“

Auf das fundierte Wissen und den seelischen Beistand von Hebammen möchte auch Simone nicht verzichten – nicht nur, weil sie die Geburt ihres ersten Kindes vor zwei Jahren als sehr positiv erlebt hat und sich im Bühlauer Geburtshaus bestens aufgehoben fühlte. Noch wichtiger sei ihr die Unterstützung ihrer Hebamme in den vergangenen Wochen gewesen, erzählt sie leise, während ihr die Tränen die Wangen hinunterlaufen. Simones zweite Schwangerschaft endete mit einer Fehlgeburt. Erst die Hebamme machte sie darauf aufmerksam, dass sie das verstorbene Baby dennoch auf natürlichem Weg zur Welt bringen könne – eine sogenannte „kleine Geburt“. Nun trägt Simone ein Armband mit einem Stern, sodass sie ihr „Sternenkind“ stets bei sich hat, und läuft mit Mann und Nachwuchs im Demozug mit.

ttr

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