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Gaslaternen verschwinden aus Dresden

Kampf gegen die Norm Gaslaternen verschwinden aus Dresden

In Laubegast stehen Gaslaternen nicht mehr unter Denkmalschutz und sollen ersetzt werden. Der Ortsbeirat Leuben wehrt sich dagegen und will einen Teil erhalten. Das Problem: Eine Norm verhindert authentischen Ersatz.

Kandelaber mit Gasleuchten gibt es in Dresden immer seltener.
 

Quelle: ANJA SCHNEIDER

Dresden.  Gaslaternen prägen mit ihrem mild schimmerndem Licht seit fast 200 Jahren das Bild vieler Straßenzüge in Dresden. Doch seit der Stadtrat 1996 einen Beschluss zur Umrüstung auf elektrische Beleuchtung fasste, verringert sich die Zahl der historischen Laternen stetig. Von einst 9300 Gasleuchten sind nur noch rund 1400 erhalten. Etwa 1000 Exemplare stehen in den Stadtteilen Blasewitz, Strießen, Pieschen, Trachenberge und Löbtau unter Denkmalschutz. Den übrigen 400 geht es sukzessive an den Kragen. Zu dunkel, zu ineffizient und nicht konform mit den Klimazielen der Stadt, heißt es aus dem zuständigen Straßen- und Tiefbauamt.

Deshalb stimmte der Stadtrat im vergangenen Jahr für eine Ablösung der Gasbeleuchtung in mehreren Straßenzügen Laubegasts durch die sogenannte Mastaufsatzlampe „Beta“. Eigens dafür befreite man die Gaslampen dort vom Denkmalschutz. Das stieß wiederum bei vielen Anwohnern, die um ihr historisches Straßenbild besorgt sind, auf Unverständnis. Andere hingegen begrüßten den Wechsel auf die lichtstärkere und energieeffizientere Elektrolampe „Beta“.

Nachdem bereits der Kärntner Weg sowie Teile der Burgenlandstraße, Brünner Straße und Hermann-Seidel-Straße umgerüstet wurden, stemmte sich nun der Ortsbeirat Leuben in seiner Sitzung am Mittwoch gegen einen weiteren Rückbau der Gaslaternen – zumindest in einem Teil des vorgesehenen Gebietes. Nach einer emotionalen, aber sachlichen Diskussion mit Falk Müller vom Straßen- und Tiefbauamt wurde das Kernproblem deutlich: Es gibt derzeit keinen authentischen Ersatz. Schuld daran ist eine DIN, welche die notwendige Helligkeit einer Straßenbeleuchtung regelt. Die Leuchte „Beta“ entspricht zwar dieser Norm, würde aber für ein Verschwinden der verbliebenen historischen Kandelaber in den Straßen Laubegasts sorgen. Neue, elektrische Kandelaber könnten das Problem lösen. Doch diese sind teurer als die „Beta“ und bräuchten eine LED-Leuchte, um das exakte Lichtspektrum einer Gaslaterne zu imitieren.

„Es gibt derzeit keine Möglichkeit, eine Aufsatzlampe mit LED zu betreiben, die die DIN erfüllt“, erklärt Falk Müller. Solche Lampen werden allerdings schon auf der Brühlschen Terrasse oder Städten wie Berlin oder Leipzig verwendet – um alte Gaslaternen zu ersetzen. „Die Brühlsche Terrasse untersteht dem Freistaat und muss sich nicht an der DIN für den Straßenverkehr orientieren“, so Müller. In Berlin und Leipzig hingegen gilt eine Ausnahmeregelungen, um die betreffenden Straßenzüge von der Norm zu befreien.

Laut Müller gebe es solche Fälle natürlich auch in Dresden. Beispielsweise sind denkmalgeschützte Straßenzüge oder Altbestand wie in Laubegast von der Regel ausgenommen. „Aber sobald wir eine neue Lichtanlage bauen oder eine bestehende verändern, müssen wir uns an die DIN halten. Deshalb ist eine Lösung mit LED-Kandelabern derzeit undenkbar“, erklärte Müller am Mittwochabend vor dem Leubener Ortsbeirat.

Doch dieses Argument zeigte wenig Wirkung. Die Ortsbeiräte führten an, dass die Stadt ohnehin durch die seit Jahren praktizierte Nachtabschaltung vielerorts gegen die DIN verstoße. Deshalb sei auch eine Ausnahmeregelung bei LED-Kandelabern denkbar. Außerdem sei nicht abzusehen, wie schnell sich die LED-Technologie weiterentwickelt und ob eine DIN-konforme Lösung vielleicht doch bald in greifbare Nähe rücken könnte. Deshalb sei es unklug, mehrere zehntausend Euro Elektrolampen in den drei Straßenbereichen zu installieren, die nicht dem historischen Vorbild entsprechen.

So entschieden sich die Leubener Ortsbeiräte nahezu einstimmig, die Umrüstung auf der Tauerntraße vorerst aufzuschieben, bis eine entsprechende LED-Variante mit Kandelabern vorhanden ist. Auf der Hermann-Seidel-Straße und der Troppauer Straße hingegen stimmten die Ortsbeiräte der Installation der „Beta“-Leuchte zu, um mehr Lichts ins Dunkel zu bringen. In beiden Straßenzügen stehen bereits „Beta“-Lampen, die werden nun einheitlich ergänzt. Jedoch bestehen die Ortsbeiräte auch hier auf eine LED-Lösung. Ob dies zeitnah geschehen wird, ist unklar. Laut Falk Müller vom Straßen- und Tiefbauamt gibt es auch für „Beta“-Lampen noch keine hundertprozentig zufriedenstellende LED-Lösung. Zudem fordern die Ortsbeiräte für bessere Lichtverhältnisse generell die Leuchtkraft der vorhandenen Gaslaternen von bisher gedrosselten 75 Prozent wieder auf 100 Prozent zu erhöhen und fehlende Kandelaber zu ersetzen.

Ortsbeirat Matteo Böhme (FDP) wird dem Bauausschuss in den kommenden Wochen die Empfehlung des Ortsbeirates vorstellen. Man geht im Ortsamtsbereich davon aus, dass der Bauausschuss auf die Anliegen eingehen wird.

Von Sebastian Burkhardt

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