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„Game of Thrones“-Vortrag im Militärhistorischen Museum Dresden

Der Sog von Macht und Intrigen „Game of Thrones“-Vortrag im Militärhistorischen Museum Dresden

„Game of Thrones“ ist die derzeit erfolgreichste TV-Serie. Intrigen, Fantasy und blutige Schlachten ziehen Millionen von Zuschauern in ihren Bann. Prof. Dr. Lars Koch von der TU Dresden erklärt, warum das mittelalterliche Fantasy-Epos eigentlich hochaktuelle politische und soziale Konflikte und Themen der Gegenwart aufwirft.

Die Karten für den „Game of Thrones“-Vortrag am Donnerstag im Militärhistorischen Museum waren bereits seit Wochen vergriffen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Ritter, Drachen, Eunuchen, Lords, Könige und Mätressen – „Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“ ist eine der wohl erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten. Mit rund fünf Millionen Dollar Produktionskosten pro Folge mit Sicherheit auch die kostspieligste. Das komplexe Fantasy-Epos, das auf den Romanvorlagen von George R.R. Martin basiert, spielt in einer fiktiven, an das mittelalterliche Europa angelehnten Welt. Sowohl Intrigen und politische Machtkämpfe als auch gesellschaftliche und religiöse Motive ziehen seit der Erstausstrahlung im Jahre 2011 mehrere Millionen Zuschauer in ihren Bann.

Die Romanadaption des US-amerikanischen Senders HBO wird von der Kritik gefeiert. Auch in der Wissenschaft wird „Games of Thrones“ als populäres Phantasma des Mittelalters untersucht. Schon oft forschten Wissenschaftler, wie viel Mittelalter in der Serie steckt. Denn ebenso wie in den Rosenkriegen des 15. Jahrhunderts, dem blutigen Zwist zwischen den englischen Adelshäusern York und Lancaster, bekriegen sich in der Serie die sieben Königreiche des Kontinentes Westeros untereinander, alle mit dem gleichen Ziel, den Eisernen Thron zu besteigen und damit die Oberhand über die sieben Königreiche zu gewinnen. Blutige Machtkämpfe, Intrigen und Affären sind an der Tagesordnung.

Einer, der sich ebenfalls wissenschaftlich mit dem „Game of Thrones“-Kosmos beschäftigt, ist der Medienwissenschaftler Lars Koch, Professor für Medienwissenschaften und Neuere deutsche Literatur an der TU Dresden. Sein Vortrag am Donnerstag im Militärhistorischen Museum „Game of Thrones: Macht Gewalt und Heroismus“ hat bereits vor Monaten in den sozialen Netzwerken Wellen geschlagen. Mehrere Tausende haben allein bei Facebook ihr Interesse bekundet. Die kostenfreien Karten waren bereits nach sieben Minuten vergriffen.

Koch sieht in der Serie nicht nur die Parallelen zum mittelalterlichen Europa, sondern kann vielmehr eine gesellschaftliche Selbstbeschreibung unserer westlichen Gegenwart ablesen. „Die Serie spielt in einer vormodernen Welt, gespickt mit Anspielungen auf das Altertum, Mittelalter und die frühe Neuzeit“, so Koch. „Die Erzählungen entspringen aber allesamt unserer US-amerikanischen und europäischen Gegenwart.“ Nach Kochs Erkenntnissen werde die Politik in „Games of Thrones“ mittels eines überschaubaren Figurenensembles personalisiert. So zieht er Parallelen zwischen den fiktiven Adelsgeschlechtern Lennister, Tyrell und Baratheon und den amerikanischen Präsidentenfamilien Kennedy, Bush und Clinton. Ebenso findet der Medienwissenschaftler konkrete Bezüge zu religiösem Fanatismus. So ist es seiner Meinung nach kein Zufall, dass die „Sparrows“, eine religiöse Bewegung mit fanatischen Zügen, wie Franziskanermönche daherkommen und ihr Oberhaupt (rein zufällig?) aussieht wie Papst Franziskus. „Das Spielen mit Vertrautheit“ nennt es Lars Koch. Darüber hinaus erklärt Koch in seinem Vortrag die Legitimation für Macht, politische Ambivalenzen, Gender-Trouble, wo in der Serie latenter Rassismus zu erkennen sei und warum die „Nachtwache“ funktioniert wie ein AfD-Stammtisch. Letzteres wurde nur am Rande bemerkt und wahrlich nur scherzhaft gemeint.

Die Serie, so der Ausgangspunkt seiner Überlegung, fungiert als eine Parallelwelt, in der hochaktuelle Fragen symbolisch durchgespielt und emotional aufgeladen werden. „Game of Thrones“ erzählt damit nur sehr beschränkt von einer weit zurückliegenden Vergangenheit, verrät den Zuschauern aber viel über politische und soziale Konflikte der Gegenwart.

Der Vortrag „Game of Thrones: Macht Gewalt und Heroismus“ ist ein wahrer Genuss für Fans der Serie – aber eben auch nur für diese. In einer Diskussionsrunde konnten die Zuhörer Fragen stellen und Anregungen äußern, wobei auch einige wilde Theorien über den bisher unbekannten Ausgang der Serie in den Raum geworfen wurden.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für alle, die für die Veranstaltung am Donnerstag keine Sitzkarten ergattern konnten: Der Vortrag wird am 10. Juni bei der Langen Nacht der Wissenschaften nachgeholt. Höchstwahrscheinlich auch angereichert mit neuen Fakten, denn die neue und mittlerweile sechste Staffel von „Game of Thrones“ startet am 24. April.

Von Juliane Weigt

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