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Gagfah setzt auf die "Boomtown" Dresden

Gagfah setzt auf die "Boomtown" Dresden

Nach der überraschenden Wende im Verkaufspoker um die Gagfah stellt sich nun die Frage, wie es mit den knapp 38.000 Wohnungen in Dresden weitergeht. Der Immobilienriese hatte am späten Montagabend in einer an Börsianer adressierten "Adhoc"-Mitteilung angekündigt, sich doch nicht von seinen Dresdner Beständen trennen zu wollen, obwohl es laut Vorstand Stephen Charlton lukrative Angebote gegeben hat.

Warum änderte die Gagfah so plötzlich ihre Meinung?

Wie so oft hängt es am lieben Geld. Denn den Kauf der Dresdner Woba im Jahr 2006 finanzierte der börsennotierte Konzern über Kredite. Während sich die Stadt dank dieses Deals auf einen Schlag all ihrer Schulden entledigte, schiebt die Gagfah seitdem einen riesigen Schuldenberg vor sich her, der aktuell reichlich eine Milliarde Euro umfasst. Da der laufende Kredit in drei Monaten ausläuft und sich die Gespräche mit Banken bislang schwierig gestalteten, schaute sich das Wohnungsunternehmen nach einem Käufer um, wobei die Häuser in Dresden fast ein Viertel des gesamten Portfolios der Gagfah ausmachen. Im Zuge solch eines Verkaufs im großen Stil hätten die Woba-Nachfolger wertvolles Tafelsilber aus der Hand geben müssen. Da sich nun kurz vor Ablauf des Kredits doch noch eine Bank fand, die bereit ist, das Geld für die Begleichung der Schulden zu leihen, blies die Gagfah die Verkaufsverhandlungen umgehend ab.

Hier sind große Summen im Spiel, was versprechen sich die Bankiers davon?

Unbestätigten Berichten zufolge ist die "Bank of America" als Geldgeber eingesprungen. Gagfah-Sprecher Dirk Schmitt wollte dies gestern weder bestätigen noch dementieren. Ausschlaggebend ist mit Sicherheit die Tatsache, dass Dresden eine boomende Stadt ist, sozusagen der "Leuchtturm des Ostens". Von der wachsenden Einwohnerzahl und der starken Wirtschaft profitieren nicht zuletzt Immobilienfirmen. Börsennotierte Unternehmen wie die Gagfah müssen immer die Renditeerwartungen ihrer Anleger im Blick haben und die werden am ehesten erfüllt, wenn sehr viele Wohnungen vermietet sind. In Analystenkreisen gilt Dresden angesichts des immer geringeren Leerstandes schon länger als sicheres Pflaster. "Wir sind zuversichtlich, dass Dresden eine großartige Zukunft bevorsteht", unterstrich auch Stephen Charlton im Gespräch mit den DNN. Der Nicht-Verkauf der Woba-Wohnungen sei im "langfristigen Interesse des Unternehmens".

Kommen da nicht die Bedürfnisse der Mieter viel zu kurz?

Nach Angaben von Martina Pansa, der Regionalverantwortlichen der Gagfah in Dresden, wird der Konzern innerhalb der nächsten fünf Jahre über 100 Millionen Euro in seinen hiesigen Wohnungsbestand investieren, deutlich mehr als bisher. Darüber hinaus will das Unternehmen versuchen, die Mieter bei den Betriebskosten zu entlasten, etwa indem Heizkörper installiert werden, die mit Blick auf die individuellen Verbrauchsgewohnheiten "intelligent" arbeiten. Fakt ist aber auch, dass die Gagfah ihr Image in Dresden überhaupt erst einmal aufpolieren muss, wenn es ihr wirklich um ein dauerhaftes Bekenntnis geht. Denn bislang eilt ihr vor allem der Ruf voraus, in den Wohnungen nur das Allernötigste zu machen, dafür aber bei den Mieten das Maximale abzuschöpfen. "Die Gagfah hat Vertrauen verspielt. Es kann zurückgewonnen werden, wenn die Wohnungsbestände intensiv gepflegt, Quartiersmanager in größeren Wohngebieten eingesetzt und Interessen der Mieter tatsächlich berücksichtigt werden", meint Grünen-Stadtrat Thomas Löser.

Was wird aus der Sozialcharta?

Die gilt bis zum Jahr 2021, hätte allerdings auch im Falle eines Weiterverkaufs durch den neuen Eigentümer nicht einfach ausgehebelt werden können. Die Charta deckelt unter anderem Mieterhöhungen und garantiert älteren Menschen ein lebenslanges Wohnrecht. Petra Becker, die Geschäftsführerin des Dresdner Mietervereins, sieht in der Entscheidung der Gagfah aber viele andere Vorteile für die Mieter: "Ein Verkauf ist immer mit gewissen Unwägbarkeiten verbunden. Das beginnt schon beim Ansprechpartner auf Seiten des Vermieters und reicht über die Verwaltungspraxis und die Instandhaltung der Gebäude und Wohnungen bis hin zur Regelung bereits vorgetragener Mieteranliegen", erklärt sie.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2013

Stephan, Christoph

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