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GHND zeigt Bauschmuck des alten Narrenhäusels

Wiederaufbau-Projekt GHND zeigt Bauschmuck des alten Narrenhäusels

Ächzen und Stöhnen am Freitagvormittag im Pavillon der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHNM). Mehrere Männer brauchte es, um historischen Bauschmuck des Narrenhäusels zu präsentieren.

Dresden. Kollektives Ächzen und Stöhnen am Freitagvormittag im Pavillon der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHNM). Mehrere Männer brauchte es, um den „wieder aufgetauchten“ historischen Bauschmuck des Narrenhäusels zu präsentieren: einen schmiedeeisernen Ausleger mit Gaststätten-Schild, der am Gebäude angebracht war, ein fast metergroßes Stadtwappen, das an der elbzugewandten Hausfront hing, und einige Gitter, die wahrscheinlich zu einem der Balkone gehörten. „Wir haben heute früh gewuchtet“, erzählte GHNM-Vorstand Torsten Kulke. Vom städtischen Lapidarium in der Zionskirche brachten sie die massiven Teile in den Pavillon am Pirnaischen Platz. Dort sollen Besucher sie in den kommenden Wochen betrachten können. Einen offiziellen Vertrag mit der Stadt gibt es dafür allerdings noch nicht.

Die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden präsentiert die Fundstücke des alten Narrenhäusels

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Laut Kulke wurden die Schmuckelemente kürzlich im Lapidarium wiederentdeckt. Dort sind Teile abgerissener oder zerstörter Gebäude Dresdens eingelagert. Die Stücke sind jedoch alle ordnungsgemäß inventarisiert, sodass sich die „Wiederentdeckung“ lediglich auf den tatsächlichen Lagerungsort im Lapidarium bezieht. „Wir hatten eine Ahnung, dass es die Teile gibt“, so Kulke. „Aber bei einem Rundgang durch die Zionskirche waren sie auf den ersten Blick nicht sichtbar. Sie waren sehr versteckt – ob bewusst oder unbewusst – und stark verdreckt.“ Die in den 1930er Jahren angebrachten Zierelemente sind auch nicht ganz vollständig: „Dem Wappen fehlt der Löwe, der müsste nachproduziert werden“, kündigte Kulke an.

Visualisierung Narrenhäusel, GHND

Quelle:

Diese Nachproduktion würde interessant, wenn das 1950 abgerissene Narrenhäusel tatsächlich wieder aufgebaut würde, also so, wie es die Pläne der GHNM und des Bauunternehmens Max Wiessner vorsehen. „Die jetzt aufgetauchten Stücke legitimieren die Rekonstruktion des Narrenhäusels“, ist Kulke überzeugt. Laut der 1982 verabschiedeten „Erklärung von Dresden“ der Internationalen Denkmalschutzvereinigung Icomos zum Wiederaufbau kriegszerstörter Denkmale sind dafür ein hoher ideeller Wert des Gebäudes, eine ausführliche Dokumentation und eben überlieferte Bauteile nötig.

Mehr als 4000 Dresdner für Wiederaufbau

Das Narrenhäusel hatte sich der Hofnarr Joseph Fröhlich 1755 als Wohngebäude errichten lassen. Später wurde es aufgestockt und in den 1930er Jahren noch einmal ein wenig umgestaltet, damit es als Gaststätte dienen konnte. 1945 brannte das Gebäude aus. Die Ruine stand fünf Jahre lang leer und wurde schließlich 1950 abgerissen. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt will das Narrenhäusel originalgetreu wieder aufbauen lassen, weil es sich ihrer Ansicht nach um ein städtebaulich wichtiges Gebäude handelt, das den Eingang zur Neustadt prägt. Die rund drei Millionen Euro teure Rekonstruktion will die Dresdner Baufirma Max Wiessner übernehmen. Der Investor plant im Unter- und Erdgeschoss Gastronomie, in der ersten Etage Büro- und in der zweiten Wohnräume. Unters Dach könnte der jeweils amtierende Dresdner Stadtschreiber ziehen. Auch der heutige Darsteller des Hofnarrs Fröhlich soll eine „Amtsstube“ bekommen.

Das Hochwasser-Risiko für das Narrenhäusel sei „händelbar“, schätzt Bauingenieur Frank Wiessner. Entweder statte man Unter- und Erdgeschoss mit Flutschutz aus oder baue die beiden Geschosse komplett flutbar. Hofnarr Fröhlich alias Matthias Christian Schanzenbach sprang ihm zur Seite: „Das ist in meiner Zeit genauso gewesen. Wir haben einfach Fenster und Türen aufgemacht und dann ist die Brühe durchgelaufen. Allerdings hatten wir noch keinen Kärcher – wir haben hinterher noch von Hand geputzt.“

Für den Wiederaufbau des Narrenhäusels hat die GHNM inzwischen rund 6000 Unterschriften gesammelt, etwa 4200 davon von Dresdnern. Noch bis zum 5. Dezember wird die Unterschriftenaktion fortgesetzt.

ttr

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