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GHND-Chef Torsten Kulke: „Wir führen einen Häuserkampf“

Interview GHND-Chef Torsten Kulke: „Wir führen einen Häuserkampf“

Der Investor präsentiert neue Entwürfe zum Palais Riesch, die Gesellschaft Historischer Neumarkt will abwarten. Ihr Vorsitzender Torsten Kulke wirft der Stadtplanung vor, jedem Investor hinterherzurennen, statt die eigenen Vorgaben von A bis Z durchzuziehen und die Kontrolle wahrzunehmen.

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Touristenmagnet: Blick auf den Dresdner Neumarkt.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.. Am Mittwoch stellen zehn Architekturbüros ihre ersten Vorstellungen für die Fassade des „Palais Riesch“ am Neumarkt vor. Der Investor CG Gruppe AG hatte einen neuen Wettbewerb ausgelobt, nachdem ein erster, moderner Entwurf heftig kritisiert worden war. Im DNN-interview erklärt Torsten Kulke, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden, warum er die Rekonstruktion historischer Fassaden fordert.

Frage: Wann ist aus Ihrer Sicht der Neumarkt fertig?

Torsten Kulke: Die Hälfte ist fertiggestellt. Ein Drittel ist in Planung, einiges noch offen. Das Hotel Stadt Rom ist offen, das Quartier VII/1 auch, V/1 ebenso. Es wird noch eine Weile dauern.

Es läuft im Moment nicht so, wie es sich die Gesellschaft Historischer Neumarkt vorstellt. Warum?

Wie wir uns das vorstellen? Das ist ja keine Meinung der Gesellschaft, das haben die Dresdner so entschieden. 1995 hat die Stadtplanung gemeinsam mit der Architektenkammer eine Gestaltungssatzung erarbeiten wollen, daraus ist dann das Gestaltungskonzept geworden. Das ist für uns die Arbeitsgrundlage. Die meisten Grundstücke am Neumarkt haben der öffentlichen Hand gehört. Die Stadt hatte und hat die Hoheit darüber, was dort gebaut wurde oder wird. 2002 haben wir 63 338 Unterschriften von Dresdnern gesammelt, die sich zum historischen Neumarkt bekannt haben – auf der Grundlage des Gestaltungskonzepts. Davon weicht die Stadt permanent ab. Wir führen hier einen regelrechten Häuserkampf, müssen der Stadt jedes einzelne Haus abringen, obwohl es Stadtratsbeschlüsse dazu gibt.

Woran liegt das?

Man hat einfach nicht begriffen, welche Chance die Stadt mit dem Neumarkt hat. Ich war gerade erst in Florenz. Dort haben die Handelnden verstanden, dass Florenz nicht nur den Florentinern gehört. Sondern dass Touristen aus aller Welt in die Stadt strömen und dabei viel Geld dort lassen. Weil Florenz Architektur und Kunst bewahrt. In Dresden sichert der Tourismus 28 000 Arbeitsplätze. Wenn wir uns die sozialen und kulturellen Wohltaten dieser Stadt auch in Zukunft unter veränderten Bedingungen leisten wollen, sollten wir den Tourismus ausbauen. Das ist kein Selbstläufer. Die Stadt steht im harten internationalen Wettbewerb. Der Dresdner Neumarkt kann Ausgangspunkt sein für ein attraktives Dresden. Dann kann ich aber nicht jedem Investor hinterherlaufen, sondern muss mein Konzept von A bis Z durchziehen und Kontrolle wahrnehmen.

Ihnen wird mitunter Realitätsferne vorgeworfen. Beispiel Chiapponisches Haus: Das war früher ein Reihenhaus, jetzt steht es an der Ecke. Mit dieser Funktion könne es gar nicht rekonstruiert werden, heißt es. Was entgegnen Sie?

Das haben wir 2011 beim erneuten Stadtratsbeschluss des Gestaltungskonzepts noch noch nicht gewusst? Da steht die Rekonstruktion des Chiapponischen Hauses noch in der Konzeption. Und jetzt, nach viereinhalb Jahren, hat sich alles geändert? Das Problem mit dem Eckhaus ist für mich kein Argument. Die historische Fassade in der Frauenstraße sollte kommen. Man hätte ein Werkstattverfahren zur Gestaltung der Brandmauer machen sollen.

Was halten Sie von dem Argument, dass in den Quartieren am Kulturpalast modern gebaut werden sollte, um den Bruch nicht zu groß werden zu lassen hin zur modernen Architektur?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Sonst wird doch auch immer mit Brüchen und Kontrasten seitens der Stadtplanung argumentiert. Warum soll das ausgerechnet in der Nähe des Kulturpalasts nicht funktionieren? Dieses Argument führt dann dazu, dass das Chiapponische Haus gestrichen wird und im Quartier V/1 Flachdächer geplant werden.

Sie fordern die historische Fassade am Palais Riesch, in dem früher Kutschen und Pferde untergebracht waren. Hat Investor Christoph Gröner nicht Recht, wenn er eine Rekonstruktion als Lüge bezeichnet?

Das Palais Hoym und das Palais Riesch bilden einen Komplex. Dort haben entscheidende Dinge stattgefunden. Ich erinnere an Robert Schumann und die Gesellschaft „Harmonie“. Das funktioniert eigentlich nur als gesamte Anlage und hat nicht nur musikhistorische, sondern auch städtebauliche Bedeutung. Ich kann nicht nachvollziehen, dass das „Riesch“ nicht rekonstruiert werden soll.

Vielleicht, weil ein Gebäude entstehen würde, das sich nicht sinnvoll nutzen lässt?

Dem Investor war bekannt, worauf er sich einlässt. Er hat gesagt: Wenn die Dresdner das historische Riesch wollen, dann baut er es. Egal, ob 300 Quadratmeter Nutzfläche fehlen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Dresdner das „Riesch“ wollen. Bei dem neuen Wettbewerb, den der Investor initiiert hat, halte ich mich bewusst zurück. Da müssen wir abwarten, was kommt. Erst dann können wir die Entwürfe bewerten.

Muss es für Sie das historische „Riesch“ sein? Oder können Sie auch mit einer anderen guten Fassade leben?

Ich bin gespannt, was die zehn beteiligten Büros zustande bringen. Vielleicht ist ja etwas ganz Großartiges dabei. Aber das stelle ich mir schwierig vor. Die Fassade des „Riesch“ ist so ausgereift, so stimmig in ihren Proportionen. Da wird es schwer, das zu toppen. Die zeitgenössische Architektur hat nicht unbedingt bewiesen, dass sie so etwas hinbekommt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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So sah das Palais Riesch aus.

Der erste moderne Entwurf fiel durch. Der Investor startete ein zweites Werkstattverfahren und forderte zehn Architekturbüros auf, Vorschläge für die Fassade des Palais Riesch am Neumarkt zu entwerfen. Dabei sollte ein Kompromiss aus historisch und modern gefunden werden. Am 2. Juni wird der ausgewählte Entwurf öffentlich vorgestellt.

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