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Fromme Kritiker derGlobalisierung: Dresdner Micha-Initiative klärt über die Weltwirtschaft auf

Fromme Kritiker derGlobalisierung: Dresdner Micha-Initiative klärt über die Weltwirtschaft auf

Ein munteres Stühlerücken beginnt im Gemeinderaum. Aufgabe: Mit 15 Teilnehmern und ebenso vielen Stühlen die ganze Welt darstellen. Auf fünf Rückenlehnen kleben Zettel mit dem Namen jeweils eines der Kontinente.

"Wie, denkt ihr, ist das Bruttoinlandsprodukt verteilt?", fragt die junge Frau, die als Spielleiterin agiert. Auf die fünf unterschiedlich großen Inseln von Sitzgelegenheiten muss sich anschließend die dazu gehörige Bevölkerung verteilen. Asien hat's am schwersten: Neun Leute quetschen sich auf drei Stühle. Auf seinen vier Stühlen für Nordamerika könnte sich der einzelne junge Mann hingegen bequem langlegen. "Nehmt's mit, dieses Gefühl", sagt die junge Frau. Dann werden die Reihen wieder geordnet.

Der Kreis Junger Erwachsener der evangelischen Kirchgemeinde Dresden-Leubnitz-Neuostra hat zum Abend mit der Micha-Initiative eingeladen. 25 Gemeindemitglieder sind erschienen, die meisten um die 20 Jahre alt, fast die Hälfte Frauen. Die fünf Referenten und Helfer sind nur wenig älter. 2010 haben sie die Dresdner Regionalgruppe der Micha-Initiative gegründet. Eine weltweite Kampagne von Christen, die etwas gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit tun möchte.

"Mein Nächster, das ist auch der Minenarbeiter im Kongo", sagt Claudia Eifler, 34, eine von ihnen. "Dass ich zufällig in Deutschland geboren bin, ist ein Geschenk. Da kann ich doch aber keine Mauer um mich bauen." Uwe Gottschald war in Kambodscha, Brasilien, Argentinien. "Dort habe ich gemerkt, dass unsere Hilfe langfristig nichts verändert", erzählt der 27-Jährige. Um aktiv zu werden, hat er sich bewusst für die Micha-Initiative entschieden. Hier nämlich könne er den Einsatz für globale Gerechtigkeit mit seinem Glauben, einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus verbinden, erklärt er. "Wir können uns engagieren und eine Menge machen. Aber es liegt eben nicht alles in unserer Hand."

Die Micha-Initiative gehört zur Evangelischen Allianz, zum eher evangelikal-frommen Segment des christlichen Glaubensspektrums also. Der Bezug auf die Bibel ist für die Mitglieder nicht Zutat, sondern Fundament. Uwe Gottschald erinnert daran, dass es in mehr als 2000 Versen im Alten und Neuen Testament um Armut und Gerechtigkeit geht. Deutlich werde gesagt, dass religiöse Rituale und Gottesdienst allein nicht reichten, sondern man auch praktisch etwas gegen Ungerechtigkeit in der Welt tun müsse.

Tiefe Frömmigkeit und aufklärerische Globalisierungskritik - diese Verbindung mache sie für Kirchgemeinden attraktiv, meinen die Micha-Aktivisten. Anders als u.a. attac-Vertreter könnten sie auf Anhieb eine gemeinsame Sprache finden. Vorträge und Workshops in Gemeinden zu halten, betrachten sie als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Wenn sich mehr Christen für globale Gerechtigkeit engagierten, wäre schon viel gewonnen, sagen sie.

Mit der Postkartenaktion "Licht ins Dunkel" haben sie zum Beispiel 2012 EU-Politiker aufgefordert, für mehr Transparenz im globalen Rohstoffhandel zu sorgen. Jetzt wollen sie einen Brief an Hersteller von Mobiltelefonen schreiben. Sie in die Verantwortung dafür nehmen, woher ihre Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen die gefördert werden. Wie unmenschlich es da zugeht, zeigen sie an diesem Abend in einem Videofilm. Zu sehen ist, wie Menschen im Kongo das seltene Erz Coltan aus der Tiefe brechen. Tantal wird daraus gewonnen, wegen seiner Hitze- und Korrosionsbeständigkeit unersetzlicher Bestandteil jedes Mobiltelefons. Um die Einnahmen aus den Minen führen Rebellentruppen einen blutigen Bürgerkrieg. So wird der Rohstoffreichtum für die Menschen dort zum Fluch. Tomas Gärtner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.02.2013

Gärtner, Tomas

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