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Friedrichstädter Chefarzt hilft in Dresden Blinden mit einem Mikrochip unter der Netzhaut

Blitze statt Dunkelheit Friedrichstädter Chefarzt hilft in Dresden Blinden mit einem Mikrochip unter der Netzhaut

Ein Chip unter der Netzhaut, der Blinden Seheindrücke zurückgibt: Dr. Helmut Sachs, seit 2008 Chefarzt der Augenklinik am Städtischen Klinikum Dresden-Friedrichstadt ist, implantierte vor elf Jahren als erster Operateur weltweit einen entsprechenden Mikrochip.

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Dr. Helmut Sachs.
 

Quelle: Carola Fritzsche

Dresden.  „Ein Chip unter der Netzhaut, der Blinden Seheindrücke zurückgibt – 1995 haben alle gedacht, das kann nicht gehen. Jeder hat gesagt, dass kann nicht funktionieren. Also hatten wir die Möglichkeit, bisher unbeschrittene Wege zu gehen“, erinnert sich Dr. Helmut Sachs. Der Privatdozent, der seit 2008 Chefarzt der Augenklinik am Städtischen Klinikum Dresden-Friedrichstadt ist, hat experimentiert, die bislang geltenden Grenzen in der Augenchirurgie überschritten und so manche Expertenmeinung berichtigt. Vor elf Jahren implantierte er als erster Operateur weltweit einen entsprechenden Mikrochip. Nur 50 Personen auf dem Globus besitzen heute dieses Implantat, 15 von ihnen hat Dr. Sachs selbst operiert.

 Drei Mal drei Millimeter ist der Chip groß, 1500 Elektroden fassend – ein kleines Wunderwerk der Technik. Einfallendes Licht wird von Photodioden aufgefangen und in elektronische Signale umgewandelt. Der Strom dafür kommt von einem externen Gerät, der Empfänger sitzt hinter dem Ohr unter der Haut. Soweit zur Technik, der „wahnsinnig schwere Teil der Angelegenheit“, wie es der Privatdozent ausdrückt, war die Operationsmethode. Zehn Jahre experimentierten er und sein Team daran, bis ihm der Eingriff erstmals gelang. Weltweit setzen Augenärzte jetzt auf seine Expertise. „Wir können eine rudimentäre Sehfähigkeit wieder herstellen, mit der man sich im alltäglichen Leben orientieren kann“, fasst Dr. Sachs zusammen.

 Allen Betroffenen kann der Chefarzt mit der Methode allerdings nicht helfen. „Für von Geburt an erblindete Menschen oder solche, die durch Verletzungen, Netzhautablösungen oder Umstände, die die gesamte Netzhaut zerstören, ihr Augenlicht verloren haben, kommt der Eingriff nicht in Frage. Er eignet sich einzig für Netzhautdegenerationen.“ Und damit auch für Frank Herrmann. Der 54-Jährige leidet unter der Augenkrankheit Retinitis pigmentosa – die Sehzellen (Photorezeptoren) in der Netzhaut, die das Licht wahrnehmen, sind zerstört. Schon als Kind war er kurzsichtig und nachtblind. Seit rund zehn Jahren ist die Welt um ihn herum komplett schwarz. Bis zum 16. März dieses Jahres, an diesem Tag fand die Implantation statt, in einer achtstündigen Operation.

 Und das Gefühl danach? „Ein Aha-Effekt“, wie Frank Herrmann sagt. Dort, wo vorher Dunkelheit war, kann er nun große und kleine Gegenstände wahrnehmen, auch wenn er die Formen nicht erkennen kann. „Es ist ein anderes, abgehackteres Sehen, wie Blitze, auch wenn es dem gleichkommt, was wir gelernt haben. Herr Herrmann hat ein wenig mehr erwartet, aber er hatte eine besonders schwierige Netzhautsituation“, erklärt der Chefarzt. Wie das Bild auf einem sehr grieseligen Schwarz-Weiß-Fernseher bei einem alten Stummfilm – so könne sich ein Sehender die Eindrücke vorstellen.

 Regelmäßig kommt Frank Herrmann in die Friedrichstädter Klinik, um seine Fortschritte dokumentieren zu lassen. In Tests muss er dabei etwa helle Gegenstände, zum Beispiel Teller, Tassen und Besteck, auf einem schwarzen Untergrund erkennen. Diese Untersuchungen sollen es möglich machen, die Operationsergebnisse weltweit vergleichen zu können. Bei einem Viertel der Implantierten seien die Erfolge gut – die Patienten können sogar Gesichter erkennen –, bei zwei weiteren Vierteln spricht Dr. Sachs von akzeptablen Ergebnissen. Bei dem Rest allerdings hat sich keine Besserung eingestellt. „Wir wissen bislang nicht, warum“, sagt der Privatdozent.

 Fünf bis zehn Jahre ist die Lebenserwartung der derzeit verwendeten Chipart, dann muss er möglicherweise ausgewechselt werden. Eine enorme Verbesserung im Vergleich zur Anfangszeit. „Die Umfeldbedingungen im Auge sind extrem aggressiv, die Elektronik muss deshalb besonders gut geschützt werden. Zu Beginn mussten wir bereits nach einem Jahr auswechseln“, so der Chefarzt.

Am Ziel angekommen sind Dr. Sachs und sein Team aber noch lange nicht. „Schauen wir mal, wie weit wir in 20 Jahren sind. Wir sind auf dem Weg. Es ist eine langsame, aber geradlinige Entwicklung. Das Thema ist natürlich besonders prestigeträchtig. Es greift schließlich das Biblische ’Blinde zum Sehen bringen’ auf. Dass wir hier in Friedrichstadt überhaupt mitspielen, ist ungewöhnlich, zumal sonst nur Einrichtungen wie die Universität Tübingen oder die Universität Oxford beteiligt sind , so Dr. Sachs. Momentan spielen sie nicht nur mit, sie haben die Nase mit ganz vorn.

Von Christin Grödel

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