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Freiwilligendienst wird in Dresden zur Erfolgsgeschichte

Freiwilligendienst wird in Dresden zur Erfolgsgeschichte

Über 398 Männer und Frauen leisten in Dresden Bundesfreiwilligendienst. Einer von ihnen ist der 42-jährige Detlef Beckmann. Seit September vorigen Jahres ist er als "Bufdi" im DRK-Pflegeheim in Pieschen im Einsatz.

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Zwischen dem 42-jährigen Detlef Beckmann und der 92-jährigen Hildegard Stiehler hat sich in den vergangenen Monaten ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Die Seniorin ist froh, dass sie immer jemanden an ihrer Seite hat, mit dem sie reden kann oder der ihr hilft.

Quelle: Carola Fritzsche

Von Stephan hönigschmid

Doch wie kam es dazu, dass er sich in seinem Alter für den Freiwilligendienst gemeldet hat? "Ich habe vorher in der Gastronomie gearbeitet, bis ich plötzlich krank wurde und die Kündigung bekam", erzählt Beckmann. Doch trotz der Niedergeschlagenheit über die Arbeitslosigkeit, war er der Meinung, dass dieser Einschnitt auch eine Chance für sein weiteres Leben sein könnte:

"Da ich mich schon immer für soziale Berufe interessiert habe, dachte ich mir: Jetzt machst du etwas Richtiges und meldete mich im Pieschener DRK-Heim." Die Kontaktaufnahme fiel dem 42-Jährigen nicht schwer, weil er schon vor seinem Ausscheiden aus der Gastronomie mit den Verantwortlichen des Altenpflegeheims gesprochen hatte. "Herr Beckmann kam immer mal wieder vorbei, weil er aus seinem Beruf raus wollte und an einer Ausbildung zum Altenpfleger interessiert war. Wir haben ihm dann nahe gelegt, dass der Bundesfreiwilligendienst ein guter Einstieg sein könnte", erzählt Pflegedienstleiter Jörg Gasch.

Dass Detlef Beckmann in seinem fortgeschrittenen Alter als Bufdi kein Einzelfall ist, beweist ein Blick auf die sachsenweiten Zahlen. Nach Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben sind 64 Prozent der Freiwilligen in Sachsen über 27 Jahre. Auch beim Dresdner DRK liegt der Altersschnitt bei etwa 35 Jahren. Aus diesem Grund kommen die heutigen Bufdis auch aus anderen Motiven in die Dienststellen als die früheren Zivis, die meist Anfang 20 waren.

"Leute wie Herr Beckmann nutzen den Freiwilligendienst als Findungsphase, um neue Wege zu gehen", betont Heimleiterin Barbara Fleck. Obwohl der Dienst, der für mindestens sechs und höchstens 18 Monate geleistet werden kann, freiwillig ist, gibt es in dem Pieschener Heim bisher keine Fluktuation. Das freut nicht zuletzt Heimbewohner wie die 92-jährige Hildegard Stiehler: "Herr Beckmann ist ein guter Kollege. Es ist schön, wenn man mal jemanden zum Reden hat, oder der einem hilft, wenn man etwas braucht", so Stiehler. Neben den persönlichen Gesprächen und Botengängen gehört es außerdem zu den Aufgaben von Detlef Beckmann, das Heimpersonal bei der Pflege zu unterstützen. Für seinen Einsatz kommt er nach eigenen Angaben zusammen mit allen Zuschüssen auf knapp 400 Euro und ist zudem sozial- und krankenversichert. Neben dem Pflegebereich kümmern sich die Bufdis in dem DRK-Heim um die Haustechnik oder arbeiten in der Küche.

Unabhängig vom Einsatzgebiet steht jedoch eines fest: Die Bufdis haben die Zivis erfolgreich abgelöst. Und die Nachfrage scheint nicht nur in dem DRK-Heim immer weiter zu steigen. Nachdem der Start des Freiwilligendienstes zunächst etwas holprig war, meldeten sich in den vergangenen Monaten immer mehr Interessenten bei den sozialen Trägern. "Ab September gingen die Bewerberzahlen sprunghaft nach oben", berichtet Timm Meike, Bereichsleiter bürgerschaftliches Engagement bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen.

In Dresden leisten bei der AWO derzeit 18 Bufdis ihren Dienst. 27 Stellen stehen insgesamt zur Verfügung. Beim DRK sind neun von 15 Bufdi-Stellen belegt. Und auch in der Dresdner Stadtverwaltung sind die Freiwilligen im Einsatz. Statt den früheren 70 Zivis verrichten hier derzeit 31 Bufdis in den kommunalen Einrichtungen unter anderem Hausmeisterarbeiten oder sind als Betreuer in Förderschulen tätig.

Finanziell gibt es bei den Einsatzstellen keine großen Unterschiede. Die meisten zahlen um die 300 Euro Taschengeld und eine Pauschale für Essen und Verpflegung. Obwohl in Dresden noch Bufdi-Plätze frei sind, könnten sie bald knapp werden.

Von den bundesweit 35 000 zur Verfügung stehenden Verträgen sind bereits 29 418 vergeben. "Die Verbände haben uns mitgeteilt, dass sie davon ausgehen, dass es derzeit etwa 60 000 Interessenten für den Freiwilligendienst in Deutschland gibt", sagt Katja Laubinger, Sprecherin im Bundesfamilienministerium. Die Aufstockung der Plätze sei jedoch Sache des Gesetzgebers. Auf jeden Fall habe man mittlerweile ein ähnliches Niveau wie bei den Zivis erreicht: "Im Schnitt hatten wir 90 000 Zivis. Wenn man berücksichtigt, dass in Kürze alle 35 000 Bufdi-Plätze vergeben sind und noch einmal 41 000 Plätze beim Freiwilligen Sozialen Jahr hinzukommen, bewegen wir uns bald in einer vergleichbaren Größenordnung", so Laubinger.

Fernab dieser abstrakten Zahlen sind es vor Ort die scheinbar unbedeutenden Dinge, die den Dienst so attraktiv machen: "Es ist der schönste Dank, wenn man von den älteren Leuten angelächelt wird", beschreibt Detlef Beckmann seine Erfahrungen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2012

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