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Freiwillige Helfer errichten Fluthilfe-Zentrum am Dresdner Glücksgas-Stadion

Freiwillige Helfer errichten Fluthilfe-Zentrum am Dresdner Glücksgas-Stadion

Im Dresdner Glückgas-Stadion haben freiwillige Helfer seit Freitag ein „Fluthilfe-Zentrum“ eingerichtet. Unabhängig von den Plänen der Stadt wollen die Freiwilligen dort eine eigene Versorgungsstruktur für Fluthelfer-Opfer und Helfer einrichten.

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Am Samstag gingen zahlreiche private Spenden bei der Initiative ein.

Quelle: Stephan Lohse

„Unsere Initiative ist aus verschiedenen Facebook-Seiten entstanden“, berichtet Alexander Bernstein, der am Samstag zusammen mit sechs anderen Helfern im Presse-Arbeitsraum des Stadions sitzt. Im Sekundentakt erreichen Facebook-Nachrichten und Anrufe den Raum. Person A bietet Essen, Person B bittet um Getränke, Baumarkt C hat gerade Pumpen vorrätig, die abgeholt werden können.

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Im Fluthilfe-Zentrum im Glücksgas-Stadion werden zahlreiche Spenden abgegeben und koordiniert.

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„Es geht vieles noch durcheinander“, gibt Bernstein zu. „Wir sind kein professioneller Krisenstab.“ Mitarbeiter widersprechen einander. Stress und Müdigkeit sind vielen anzusehen. „Drei Stunden Schlaf sind Luxus“, gibt eine der Mitarbeiterinnen zu. Trotzdem verteidigt Bernstein die private Initiative. Die Kommunikation und die Zusammenarbeit seien deutlich besser gewesen als die Bemühungen der offiziellen Stellen. Das im Internet entstandene Netzwerk, mit dessen Hilfe Tausende Dresdner zu den Einsatzorten gelotst wurden, soll jetzt auch für das Aufräumen genutzt werden.

Im Gegensatz zu den öffentlichen Stellen ist das private Netzwerk frei in seinen Entscheidungen. Laut Bernstein werde die Zusammenarbeit mit der Stadt gesucht, vor allem beim Austausch von Informationen. Ein anderer Mitarbeiter verrät aber: „Wir weigern uns, mit staatlichen Stellen zusammenzuarbeiten.“ Die Bundeswehr würde Hilfsgüter nur noch nach Norddeutschland bringen, die Entscheidungen der Stadt seien nicht nachvollziehbar.

Tatsächlich schwingt bei Gesprächen mit einigen Helfern ein gewisser Stolz mit, auch ohne offizielle Krisenstäbe viel getan zu haben. Diese Initiative wollen sich manche jetzt nicht mehr wegnehmen lassen. Auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) lobte den Einsatz der Fluthelfer. Die Organisation via Facebook sei eine „neue Qualität gegenüber 2002“.

Von einem „Anpacken 2.0“ sprach der Minister am Samstag. Das Engagement, das so ganz anders als die Arbeit der offiziellen Katastrophenstäbe funktioniert, sei eine willkommene Ergänzung. Der Katastrophenschutz müsse darüber nachdenken, wie diese Helfer integriert und genutzt werden können. Bisher entstandene Probleme seien gut gelöst worden, so Ulbig, der aber keine Doppelstrukturen möchte. „Da muss man sich genau angucken und entsprechend reagieren“, sagte er.

Am Stadion gibt es auch ohne offizielle Bescheinigungen Hilfe. Die Hierarchien sind flach. Angst, dass nicht von der Flut Betroffene das ausnutzen, haben die Macher aber nicht. „Wir setzen auf Vertrauen und Ehrlichkeit“, so Bernstein. Hätten die Helfer Zweifel, dann ließen sie sich den Ausweis zeigen.

Hilfsgüter kommen jedenfalls genug an. Am Samstagvorvomittag liefert ein Auto nach dem anderen Waren an. Möbel, Lebensmittel, Kleidung, selbst Elektrogeräte sind da. „Wir sind Dynamo-Fans und fast jede Woche in Dresden“, berichtet Kerstin Meseck, die mit einem Kofferraum voller Sonnencreme und Feuchtigkeitstücher aus Hoyerswerda nach Dresden gefahren ist. „Jetzt wollen wir auch mal was zurück geben.“

„Woran es mangelt, sind Arbeitsgeräte, also Pumpen oder Schaufeln“, sagt Bernstein. „Daran arbeiten wir momentan.“ Kleidung und Möbel seien dagegen wohl jetzt schon fast zu viel da. Für das, was kein Flutopfer will, sollen daher Kontakte zu Kleiderkammer oder Tafeln gesucht werden. „Wir wollen die Hilfsbereitschaft der Leute dann weiterleiten“, sagt Bernstein.

Zudem soll das Engagement der Leute für das Aufräumen nach der Flut genutzt werden. Wie lange das funktioniert, wollte sich auch Alexander Bernstein nicht festlegen. So mancher muss spätestens am Montag wieder arbeiten. Zudem sind alle Helfer erschöpft. „Die Leute sind am Limit“, sagt er. „Wir machen weiter, so lange wir durchhalten.“

Stephan Lohse

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