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Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt zum Tag der deutschen Einheit

Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt zum Tag der deutschen Einheit

Dunkel ist es über Deutschland. Nicht düster. Es geht auf Mitternacht zu. Mondlicht fällt auf den Nachttisch. Verwandelter Ort. Einst lagen dort nur Bücher, tickte sich der Wecker durch die Nacht.

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Sebastian Feydt Frauenkirchenpfarrer Stiftung Frauenkirche Dresden

Heute strahlt mich ein Mobiltelefon an. An Schlaf ist nicht zu denken. Und an Deutschland?

Nebenan weint ein Kind. Kann auch nicht schlafen. Sehnt sich nach der Mutter. Wie Heinrich Heine: "Denk' ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht- Die Jahre kommen und vergehen! Seit ich die Mutter nicht gesehen." Verdichteter Schmerz. Worte, die noch immer Sprache prägen. Meine Mutter-Sprache. Und ich bin ans Vater-Land gemahnt: Denk an Deutschland!

Noch will das Weinen nebenan nicht weichen. Aber Gott sei Dank! Solche kindlichen Regungen gehören wieder zu uns. Das Leben in Deutschland ist die Liebe wert. Mancherorts mehr als anderswo.

Zum Beispiel Dresden. Deutschlands Stadt der Kinder. Hier traut man sich. Nicht gleich bis vor den Altar. Aber Kinder, die traut man sich zu. Und nicht nur wegen der guten Lebensverhältnisse. So wichtig sie sind: Es braucht mehr. Vertrauen ist gefragt. Zutrauen in die Zukunft. Denk' ich an Deutschland in der Nacht - bin ich auf Vertrauen bedacht.

Das Weinen nebenan ist verstummt. Frieden ist eingekehrt. Konnte ich das Schlaflied nur nicht hören? Der Mond ist aufgegangen. Bescheint er die segnende Hand auf dem Kopf des Kindes? Diese vertraute Geste. Jahrtausende alt. Geschichte von Generationen aus einer Hand. Göttlicher Moment. Alles ist gut. Vertrauen wächst. So glaube ich.

Denk' ich an Deutschland in der Nacht - bin ich auf den Glauben bedacht.

Vor dem Haus sind Stimmen zu hören. Die Jugend kommt. Oder geht sie? Um zu feiern. Wo sind sie zu Hause zwischen Kommen und Gehen? Fremde Heimat Deutschland. Zweiundzwanzig Jahre jung. Ein Land in seiner Jugend. Längst volljährig. Dennoch halb stark. Vernetzt, aber oft allein. Ein Abbild für Jugend eben. Generation Daumen. Überall unterwegs. Daheim im Netz. 3.10. - wann, bitte? 1989/90 ist Geschichte. Letztes Jahrhundert. So schläft Erinnerung friedlich ein. Das kann nicht gut sein. Denk' ich an Deutschland in der Nacht, bin ich auf unsere Geschichte bedacht.

Noch ist es dunkel. Das Mondlicht ist gewandert. Bescheint die Stadt, das Land.

In der Ferne malt sich die Kuppel der Frauenkirche an den Horizont. Zeichen vereinter Kraft. Wie hat Martin Walser unter dieser Kuppel empfunden: "Deutschland hat Glück gehabt- Denk' ich an Deutschland in der Nacht, schlaf' ich weiter bis halb acht." Guter Morgen, Deutschland!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.10.2012

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