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Frauen auf Dresdens Straßenschilder: Historikerinnen protestieren gegen die Diskriminierung auf dem Stadtplan

Frauen auf Dresdens Straßenschilder: Historikerinnen protestieren gegen die Diskriminierung auf dem Stadtplan

Dresdens Straßen werden von Männern beherrscht. Ob Beethoven, Bismarck oder Böll - wenn es jemand auf ein Straßenschild schafft, dann ist er in der Regel männlich.

"Auf Dresdens Stadtplan gibt es über 900 Männernamen, aber nur rund 100 Frauennamen", moniert Nicole Schönherr-Trenkmann vom Frauenstadtarchiv. Um dieses Missverhältnis zu ändern, setzt sich die Historikerin in der kommunalen Arbeitsgruppe "Straßennamen" für das weibliche Geschlecht ein.

"Wir haben aktuell nur die Möglichkeit, im Zuge von Neubenennungen weibliche Namen zu unterstützen", sagt Schönherr-Trenkmann. Doch so viele neue Straßen werden nicht mehr gebaut. So ist es zwei Jahre her, dass mit dem Friederike-Serre-Weg in Reick ein Frauenname dazugekommen ist. Am besten aufgestellt mit 20 Frauennamen gegenüber 142 Männernamen ist der Stadtteil Prohlis. Zweistellig ist die Anzahl nur noch in der Altstadt und der Neustadt mit 21 und 17 Frauennamen. In allen anderen Stadtteilen ist weiße Weiblichkeit auf blauem Grund äußerst spärlich vertreten. Und am Stadtrand - Weixdorf, Schönfeld-Weißig, Langebrück, Mobschatz, Schönborn, Gompitz und Altfranken - herrscht zwischen Wald- und Flurbezeichnungen das pure Patriarchat.

Dies ist nicht im Sinne der Geschlechterdemokratie, finden die Frauenstadtarchivarinnen. Sicher seien Frauen früher im politischen und wissenschaftlichen Leben weniger vertreten gewesen, nur sei das heute nicht mehr der Fall, sagt Bettina Melzer. "Wir wollen die Lebensleistung von Frauen sichtbar machen", betont die 58-jährige Autorin. Dies sei am besten mit einer Straßenbenennung zu erreichen, denn hier erfahre die Person eine alltäglich sichtbare Würdigung. "Dadurch gelingt die Identifikation einer ganzen Stadt mit dieser Persönlichkeit", begründet Melzer das Engagement des Frauenstadtarchivs. Und die Warteliste mit weiblicher Dresdner Prominenz ist lang, auf ihr steht auch die berühmte Schauspielerin Antonia Dietrich.

Auf Grund von Eingemeindungen haben in Dresden über hundert Straßen Doppelgänger. Bergstraße, Liegauer Straße, Radeberger Straße, Schillerstraße, August-Bebel-Straße und Talstraße zum Beispiel gibt es in dreifacher Ausführung. Gartenstraße, Hauptstraße und Wiesenweg kommen sogar vier Mal im Adressverzeichnis vor. Verwechslungen sind programmiert. Deshalb sollte auf Initiative der Dresdner FDP 2009 eine Umbenennungswelle durch die Stadt rollen. Auf Drängen der SPD wurde sie von den Kommunalpolitikern im vergangenen Jahr wieder gekippt. Neben Kostengründen wollte man Anwohnern nicht zumuten, sich von historisch gewachsenen Identitäten zu verabschieden.

Aus Sicht des Frauenstadtarchivs ist die Umbenennung doppelter Straßennamen der einzig sinnvolle Weg, um mit mehr Frauennamen Gleichberechtigung auf dem Stadtplan zu erzielen. Statt drei August-Bebel-Straßen zu haben, könnte eine gut nach der Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters bezeichnet werden, schlägt Schönherr-Trenkmann vor. Auch genüge eine Gerhart-Hauptmann-Straße, die Dresdner Sopranistin Georgine Schubert wäre für die zweite eine viel schönere Alternative. Sicher, so eine Straßenumbenennung sei teuer und mit bürokratischem Aufwand verbunden, gibt die 38-Jährige zu. Doch das ist zu kurz gedacht. Nicht nur dass Dopplungen verwirren - "nur mit einer Umbenennung bekommen wir mehr Weiblichkeit ins Stadtbild".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.08.2013

Arndt, Madeleine

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