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Frank Lotter, Leiter der 138. Oberschule Dresden: „Jeder glaubt, mitreden zu können“

Welttag des Lehrers am 5. Oktober Frank Lotter, Leiter der 138. Oberschule Dresden: „Jeder glaubt, mitreden zu können“

Seit vier Jahren leitet Frank Lotter die 138. Oberschule in Dresden-Gorbitz. Der 55-jährige gebürtige Torgauer hat in Leipzig Mathe und Physik auf Lehramt studiert, 17 Jahre an der 128. Mittelschule in Reick unterrichtet und sechs Jahre am Sächsischen Bildungsinstitut gearbeitet, bevor er wieder an die Schule gewechselt ist.

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Frank Lotter leitet die 138. Oberschule.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Seit vier Jahren leitet Frank Lotter die 138. Oberschule in Gorbitz. Der 55-jährige gebürtige Torgauer hat in Leipzig Mathe und Physik auf Lehramt studiert, 17 Jahre an der 128. Mittelschule in Reick unterrichtet und sechs Jahre am Sächsischen Bildungsinstitut gearbeitet, bevor er wieder an die Schule gewechselt ist.

Warum sind Sie Lehrer geworden, warum später Schulleiter?

Weil der Lehrerberuf zu den schönsten gehört, die es überhaupt gibt. Man ist bis zum Berufsende mit jungen Menschen zusammen, kann sie ein Stück ihres Lebens begleiten, ihre Entwicklung mit beeinflussen. Das ist das Spannende daran. Man lernt viel von seinen Schülern – und wenn es Vokabeln sind, die im neuen Sprachgebrauch existieren, ohne dass sie schon in irgendeinem Duden stehen. Und Schulleiter bin ich geworden, weil mir die Schüler gefehlt haben in den sechs Jahren am Bildungsinstitut. Ich wollte in die Schule zurück und das, was ich in dieser Zeit in der Verwaltung gelernt hatte, als Schulleiter nutzen. Den Schritt bereut habe ich nie. Ich habe eher darüber nachgedacht, warum ich es nicht schon eher gemacht habe.

Warum sind Sie Leiter einer Oberschule geworden?

Ich habe mir gesagt: Schuster, bleib bei deinem Leisten und mich ganz bewusst für die Gorbitzer Schule entschieden. Ich habe 17 Jahre an der 128. Mittelschule in Reick unterrichtet. Ich wusste also, was auf mich zukommt.

In welchen Situationen haben Sie in Ihrem Beruf Glücksmomente?

Wenn ich auf meiner allmorgendlichen Runde durchs Schulhaus auf gut gelaunte Schüler und Lehrer treffe. Manche Kinder sind schon früh um 7 Uhr da. Und wenn Schüler in Mathe etwas verstanden haben und beginnen, sich für das Fach zu interessieren. Mathe ist ja eigentlich ein Gebiet, das ganze Generationen von Schülern nicht wirklich mögen.

In welchen Momenten haben Sie bereut, Lehrer geworden zu sein?

Das habe ich nie bereut, zu keiner Zeit. Es gibt natürlich die eine oder andere Schwierigkeit. Ich erinnere mich an Schüler, die partout nicht gewillt waren, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Da kann ich mich als Lehrer anstrengen, wie ich will. Da lässt sich nicht viel machen. Als Schulleiter bekomme ich nicht immer die Lehrer in der Fächerkombination, die ich brauche. Auch da sind mir die Hände gebunden. Wenn der Markt leer gefegt ist, habe ich keine Chance.

Was ist Ihre Lebensmaxime?

Das ist einfach zu sagen. Mein Glas ist immer halb voll.

Gibt es etwas, was Sie von Ihren Schülern lernen?

Das sind so viele Kleinigkeiten. Eine Bemerkung, über die ich dann nachdenke. Und ich habe von meinen Schülern gelernt, ein bisschen ruhiger, gelassener zu werden. Das war ich nicht immer.

Wie sind Sie als Lehrer? Wie würden Sie Ihren Unterrichtsstil beschreiben?

Ein ehemaliger Schüler hat mal zu mir gesagt: Bei dir wussten wir immer, woran wir sind. Du hast uns die Grenzen gezeigt und gesagt, was passiert, wenn wir sie überschreiten. Und da haben wir uns sicher gefühlt. Der Schüler ist jetzt mittlerweile 39. Aber ich denke, daran hat sich nichts geändert. Ich kenne das auch aus meiner eigenen Schulzeit so. Die Lehrer, die so waren, die habe ich geachtet und bei denen hat der Unterricht Spaß gemacht.

Im September hat die Aktive Schulen Dresden eröffnet. Dort bestimmen die Schüler, was sie wann wo lernen möchten. Was halten Sie von diesem pädagogischen Ansatz?

Zunächst: Wenn ich mein Kind dorthin gebe, muss ich wissen, dass es dort wie an einigen anderen Schulen in freier Trägerschaft auch gar keinen Abschluss machen kann. Die Schüler kommen dann als Schulfremde zu uns und legen hier die Prüfungen ab. Die Schüler bestimmen zu lassen, was sie lernen wollen, ist ein interessanter Gedanke. Ich bin der Meinung, dass unsere Lehrpläne noch immer vollgestopft sind mit statischem Wissen. Da fehlt die Vorbereitung auf den Beruf, auf ein Leben nach der Schule. Deshalb schicken wir schon unsere 8. Klassen zur Potenzialanalyse. Sie schauen sich verschiedene Berufe an, damit sie dann zielgerichtet Praktika machen können. Unsere Schüler sind ja die, die später in einem mittelständischen Unternehmen arbeiten werden und das Bruttosozialprodukt erwirtschaften sollen.

Alle wollen Gymnasiallehramt studieren, kaum einer möchte an die Oberschule. Wie erklären Sie sich das?

Meiner Meinung nach sind Ursachen schon gleich nach 1990 en mit dem Begriff Mittelschule gelegt worden. Die Gymnasien sind als die erstrebenswerte Schulart hervorgehoben worden. Abgesehen davon haben die Studenten für Lehramt Mittelschule nur selten während ihrer Schulzeit eine Oberschule von innen gesehen. An unserer Schule haben schon einige künftige Gymnasiallehrer Praktika gemacht. Und ich habe noch keinen erlebt, der schlecht darüber gesprochen hat.

Gesetzt den Fall, Sie wären Kultusminister, wie würden Sie die Oberschule attraktiver machen?

Die Schulart galt lange als unattraktiv. Es wird viele Jahre dauern, um sie so zu etablieren, dass sie angeschlossen ist an das Handwerk, an den Handel, an die Dienstleistungen - also an den Mittelstand. So weit ich das in der ersten Novellierung gesehen habe, ist das im neuen Schulgesetz nicht so wirklich herausgekommen. Wir müssen der Oberschule, ebenso wie der Grundschule übrigens, deutlich mehr Beachtung schenken. Und was die Verbeamtung von Lehrern angeht, sollte nach 27 Jahren Wende endlich mal eine bundesweite Einheitlichkeit da sein.

Verdient der Lehrerberuf mehr Anerkennung, als ihm jetzt zuteil wird?

Ich glaube, jeder muss in seinem Beruf dafür kämpfen, dass er Anerkennung bekommt. In der Schule ist es wie im Fußballstadion. Jeder war irgendwann mal in der Schule und glaubt, dass er mitreden kann, es besser weiß als diejenigen, die das tagtäglich in Profession tun. Das ist unsere Crux.

Von Katrin Richter

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