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Förderverein sucht Sponsor für den Wiederaufbau des Turmes der Dresdner Lukaskirche

Förderverein sucht Sponsor für den Wiederaufbau des Turmes der Dresdner Lukaskirche

So etwa muss es damals, im Februar 1945, passiert sein. "Die Kirche hat gebrannt", sagt Jens Christian Giese. Die enorme Hitze habe die Stahlkonstruktion des Hauptturmes weich werden lassen.

Dresden.

Bis die sich nach links neigte. "Richtung Osten". Der 47-jährige Bauingenieur tritt ein paar Schritte zurück, hebt die linke Hand und lässt sie in einem Viertelkreis herabsinken. "Sie hat sich weggebogen. Dabei hat sie den Seitenturm erwischt."

Imposant, nachgerade himmelstürmend dürfte sie einmal ausgesehen haben, die evangelisch-lutherische Lukaskirche in der Dresdner Südvorstadt, ein Bau im Stil der deutschen Renaissance, entworfen von dem Leipziger Architekten Georg Weidenbach. 1904, ein Jahr nach ihrer Errichtung, notierte Pfarrer Kühn geradezu schwärmerisch: "In der Mitte der Vorderfront erhebt sich, nur wenig aus dem Bauwerke heraustretend, der kräftig emporstrebende, auf starken Mauern ruhende Turm, vom Sockel bis zur Spitze 83 m hoch." Und fuhr fort: "Der fein durchgearbeitete, mit einer Galerie versehene, in eine lange Spitze auslaufende Helm ist in Eisen konstruiert und mit Kupfer gedeckt; an ihm vier steinerne Giebel mit Zifferblättern, auf seiner Spitze ein 1,40 m hoher, vergoldeter Hahn."

Seit 70 Jahren ist der Turm ein Stumpf, nur noch reichlich halb so hoch wie einst. Nach dem Umbau von 1959 bis 1972 wurde die Kirche auch als Tonstudio für Schallplattenaufnahmen bekannt. Die Lage abseits aller verkehrsreichen Straßen gereichte ihr zum Standortvorteil. Namhafte Dirigenten leiteten die aufgezeichneten Konzerte mit Staatskapelle und Philharmonie, Karl Böhm etwa oder Herbert von Karajan. Bis heute kennen viele die Kirche, im Inneren mit schallschluckenden Platten drapiert, vor allem als Konzertsaal.

Jens Christian Giese ist Vorsitzender eines Fördervereins. 2002 gegründet, haben sich die etwa 70 Mitglieder vorgenommen, den Turm wieder in einstiger Größe errichten zu lassen. Und nicht nur das. "Wir haben uns auch die Erhaltung von Kirchgebäude und Gemeindehaus insgesamt auf die Fahnen geschrieben", sagt Giese. Erst im Frühsommer haben Handwerker das Dach des Hauptschiffes repariert - im Auftrag des Fördervereins.

Bauingenieurin Regine Ortlepp hatte 2001 die Maße der Turmhaube aus einer historischen Fotografie rekonstruiert, denn alle Bauzeichnungen waren 1945 verbrannt. Was die Wiedererrichtung anbelangt, gelten die Mitglieder des Vereins als kulturelle Visionäre. "Wir wissen aber, das braucht Zeit", meint Giese. Jetzt jedoch wollen sie wissen, wie ihre Vision zu verwirklichen ist. Deshalb haben sie eine umfassende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Drei Teile umfasst sie. Los geht es ganz unten. Diese Woche haben Mitarbeiter einer Dresdner Ingenieursgesellschaft für Geotechnik mit einer Tiefenbohrung begonnen. Sie untersuchen, wie der Baugrund beschaffen ist und wie tief die Fundamente reichen. "Bevor wir uns an den Kopf wagen können, geht es an die Füße", meint Jens Christian Giese. Ein weiterer Ingenieur prüft die Statik, die Standfestigkeit des Bauwerks. Ein dritter schließlich rechnet aus, was alles zusammen kosten würde.

Rund 11.000 Euro gibt der Förderverein für die Untersuchungen aus. Bis Jahresende sollen die Ergebnisse stehen. Hieb- und stichfest müssen die sein. "Damit wir klar sagen können, dass es technisch möglich ist." Der Hauptgrund: "Wir suchen Sponsoren." Und die brauchten Klarheit darüber, was an Geld nötig sei. "Erst wenn wir Förderer haben, können wir einen Bauantrag stellen." Teile der Machbarkeitsstudie seien dann, wenn es soweit ist, auch in der Baugenehmigung verwendbar.

Die Zeit drängt. 2011 hatten Alpinisten Schutznetze an den oberen Stumpfenden des Hauptturmes und des kaputten Nebenturmes anbringen müssen, nachdem ein Stein herabgefallen war. In etwa einem Jahr läuft die Genehmigung für die Schutznetze aus.

Wie spät es ist, kann man jetzt schon ablesen. Noch nicht an einstiger Stelle, oben am Turm, vorerst nur auf einer großen Tafel, die der Förderverein unten vor der Kirche aufgestellt hat. Für die Nachbildung dieses Zifferblatts mit Zeigern hat Giese Bögen mit Pauspapier auf die abgeblätterte Farbe des Originals gelegt und die ursprünglichen römischen Zahlen der untersten Schicht rekonstruiert. "Wenige Jahre nach Fertigstellung waren aus unerfindlichen Gründen arabische Ziffern darüber gemalt worden."

Ein Teil des alten Zifferblatts haben sie im Vorraum aufgestellt. Es ist vom Rost eines Jahrhunderts überzogen, unten liegen ebenso rostige Uhrengewichte. Texte und Bilder informieren Besucher darüber, was der Förderverein vorhat. Seit Jahren sammeln die Mitglieder Spenden, verkaufen Fotos, Graphiken und veranstalten Benefizkonzerten. Inzwischen sind fast 160.000 Euro zusammengekommen. Das jedoch reicht noch nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2015

Tomas Gärtner

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