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Flutopfer: Gärtner Jens Berthold und Biobäuerin Ines Franz schauen optimistisch nach vorn

Flutopfer: Gärtner Jens Berthold und Biobäuerin Ines Franz schauen optimistisch nach vorn

Jens Berthold kann schon wieder lächeln. Der Inhaber des Gartenbaubetriebes Berthold in Gohlis zeigt uns zufrieden seine Gewächshäuser, in denen es über und über blüht.

Vor reichlich einem halben Jahr stand hier noch braune Brühe.

Die Elbe hatte die knapp drei Hektar große Gärtnerei nahezu komplett überflutet. "Nur die Grundstückseinfahrt war nicht betroffen. An der tiefsten Stelle des Geländes stand das Wasser Anfang Juni etwa drei Meter hoch", so der Gärtner. Zudem dauerte es bis Mitte August, bis sich das Wasser vom Gärtnereigelände komplett wieder zurückgezogen hatte bzw. versickert war. "Bis Dezember haben wir immer noch gebaut, geräumt und sauber gemacht." Die Sommerblumenproduktion war futsch, 60 000 Töpfe verloren. Auf "etwas über 100 000 Euro" beziffert der Gärtnereiinhaber den durch das Hochwasser entstandenen Schaden, aber alles ist noch nicht zusammengerechnet.

Schnelle Unterstützung von vielen Seiten

Trotzdem blickt Jens Berthold optimistisch in die Zukunft. Denn über fehlende Hilfe und Unterstützung kann er sich nicht beklagen. "Viele, nicht nur aus der Verwandtschaft und Bekanntschaft, sondern auch Fremde, haben uns beim Reinigen und Aufräumen unter die Arme gegriffen. Ein großes Dankeschön an alle Helfer. Schreiben Sie das unbedingt", diktiert er mir in den Block. Er hat sich jedoch bei seinen Unterstützern vor Weihnachten mit einer kleinen Feier bedankt.

Auch über seine Versicherung kann er nur Gutes berichten. "Wir standen noch im Wasser, da kam der Vertreter meiner Gartenbauversicherung schon mit einem Scheck vorbei", ist Berthold über die schnelle Hilfe froh. "Durch das Kurzarbeitergeld, was wir beantragen konnten, musste ich meine Leute nicht entlassen. Ich habe die staatliche Soforthilfe bekommen, wurde durch die berufsständische Spendenaktion 'Gärtner helfen Gärtnern' der Ernst-Schröder-Stiftung unterstützt, bekam von Privatleuten kleine Geldspenden", zählt Berthold weiter auf. Das Gesamtpaket machte es ihm möglich, schon ab Ende Juli auf einem kleinen Teil seines Gartenlandes wieder die ersten Chrysanthemenbüsche zu kultivieren. Auch Weihnachtssterne konnte er schon wieder liefern. Und jetzt legt die Gärtnerei mit Primeln und Stiefmütterchen so richtig los. Die ersten Primeln sind schon lange an den Großhandel raus.

"Wir haben ganz gut die Kurve gekriegt", resümiert der Gärtnereichef. Und er ist froh, dass nun Gohlis endlich einen Damm bekommt. "Wenn der steht, sind wir geschützt."

Tatsächlich wird am Flutschutz derzeit schon kräftig gebaut. Und zwar genau hinter dem Dreiseithof des Biobauernhofes von Ines Franz. Nachdenklich blickt sie auf das riesige Betonbauwerk, das zwischen ihrem Grundstück und der Elbwiese gerade entsteht. "Hier wird eine mobil zu verschließende Lücke in der Mauer gelassen, damit die Kühe auf die Wiesen getrieben werden können", erklärt die Biobäuerin. Und dass die Mauer eine Bruchsteinoptik bekommt, was das Riesenbauwerk so wenige Meter von den Häusern entfernt optisch ansprechender machen soll. "Die Mauer ist im Grunde das kleinere Übel", findet Ines Franz. "Denn sie wird zumindest den Bauernhof bei Hochwasser künftig trocken halten."

Sechs von ihren sieben Hektar Land werden im Falle eines solchen Hochwassers wie im Juni jedoch auch in Zukunft überschwemmt. "Deshalb würde ich gerne in flutsicherer Lage Land pachten", so die Biobäuerin. "Aber keiner gibt etwas her", seufzt sie.

Ist das erste Gemüse geerntet, öffnet der Hofladen wieder

Dennoch blickt auch Ines Franz, die von Anfang Juni 2013 bis Ende Februar dieses Jahres keine Einnahmen hat, nach vorn. "Als das Hochwasser zurückging, kamen hier so viele Helfer, dass wir einige sogar wieder wegschicken mussten. Und Spenden haben wir bekommen", freut sie sich über die Solidarität. Dass sie am Ende etwa 80 Prozent des entstandenen Schadens ersetzt bekommt, bezeichnet sie als "großes Glück. Damit kann man gut leben". Auch wenn gegenwärtig für die Beantragung der Mittel noch viel Schriftkram zu erledigen sei, Saatgut, Jungpflanzen und Mitarbeiterlohn erst einmal vorfinanziert werden müssen, startet die Biobäuerin Anfang März zunächst mit Salat, Radieschen und Kohlrabi im Foliezelt und als nächstes mit Möhren, Zwiebeln, Kohl, Sellerie und Kartoffeln in die neue Saison. "Wir sind mit unserem Biogemüse in Dresden bekannt. Die Leute fragen nach unseren Produkten." Sobald das erste Gemüse geerntet wird, öffnet auch der Hofladen wieder.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.02.2014

Catrin Steinbach

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