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Flüchtlingsambulanz in Dresden: Dienst fern des Normalen

Krankenversorgung von Flüchtlingen Flüchtlingsambulanz in Dresden: Dienst fern des Normalen

Sachsens erste Flüchtlingsambulanz liegt in Dresden und ist ein Modellprojekt. Täglich kommen bis zu 70 Patienten in die Ambulanz. Bald soll über ihre Zukunft entschieden werden. Doch noch läuft nicht alles glatt.

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Die Flüchtlingsambulanz war die erste in Sachsen. Leipzig folgte, bald soll auch eine in Chemnitz entstehen.

Quelle: dpa

Dresden. Ein junger Mann humpelt durch die Tür, kann den rechten Fuß nicht aufsetzen. Eine junge Frau stützt ihn. „Er hat sich verletzt und muss geröntgt werden“, sagt sie. Eine Krankenkassenkarte habe der Flüchtling aber noch nicht. Das wiederum, sagt da die Helferin, sei hier nicht das Problem. Denn eigentlich ist der Mann hier richtig, in der Dresdner Flüchtlingsambulanz. Gehen muss der junge Asylsuchende trotzdem wieder. „Wir haben niemanden, der röntgen darf“, sagt Michael Rabe, der Leiter der Flüchtlingsambulanz. „Das lohnt sich nicht.“

Die Praxis auf dem Gelände der Universitätsklinik ist ein Modellprojekt, das erst seit September und derzeit noch auf Probe läuft. Sie kann sich nicht alles leisten - und es läuft auch noch nicht alles rund. Im Dezember soll die Entscheidung fallen, ob die Ärzte hier weitermachen können. Rabe hofft darauf. „Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass man hier zumacht“, sagt er. Bis Ende September nahm Sachsen laut Innenministerium 30 619 Flüchtlinge auf. Dresden war die erste Stadt im Land, die eine Flüchtlingsambulanz bekam. Leipzig folgte, in Chemnitz soll demnächst die dritte entstehen.

„Es ist keine Luxuseinrichtung“, betont Rabe und ergänzt: „Wir haben hier schon böse Briefe bekommen.“ Manche Bürger denken, die Ambulanz laufe auf Kosten derer, die Beiträge in ihre Krankenkassen einzahlen. Doch so ist es nicht. Die Ambulanz bietet nur, was das Asylbewerberleistungsgesetz zulässt. „Das läuft hier alles außerhalb des Krankenkassensystems“, sagt Rabe. Die Geflüchteten kommen mit ihren Berechtigungsscheinen, das Land und die Stadt zahlen.

Die Praxis muss dabei beweisen, dass sie effizient arbeiten kann. Zwischen 50 und 70 Patienten kommen täglich in die Ambulanz. Vier angestellte Ärzte kümmern sich um sie, sagt Rabe. Dolmetscher sollten eigentlich auch schon eingestellt werden. „Da sind wir gerade dabei.“ Der Ärzte-Dienstplan sei inzwischen kein Problem mehr. „Bei den Dolmetschern ist mir das noch nicht gelungen.“ Übersetzer aus den Unterkünften oder andere Kräfte helfen vorerst. Muss ein Patient auf den Dolmetscher warten, entsteht Leerlauf.

„Es ist ein enormer Koordinationsaufwand“, sagt Stephanie Taché, leitende Ärztin der Praxis. Nicht immer geht alles glatt. Die Flüchtlinge werden meist in Shuttle-Bussen aus den Unterkünften gebracht. Damit Patient, Arzt, Dolmetscher und manchmal der Sozialarbeiter zusammenfinden, braucht es Geduld.

Steffi Kitte ist die medizinische Koordinatorin der Ambulanz. Sie telefoniert viel. „Am Anfang hörte ich in der Nacht die Musik von der Warteschleife“, sagt sie. Wer hier arbeitet, tut es aus Überzeugung. „Wir sind wirklich froh, mit diesen Patienten zu arbeiten“, sagt Ärztin Taché. „Die Leute sind sehr dankbar.“ Außerdem fordere die Arbeit mit geflüchteten Patienten sie besonders heraus. Etwa jeder zweite sei traumatisiert. Viele Schmerzen, Schlaf- oder Angststörungen kämen vor: „Die Symptome haben eine viel tiefere Bedeutung als eine einfache Erkältung.“

Wie Taché sind viele Haus- oder Krankenhausärzte bereit, Geflüchtete zu behandeln, auch ehrenamtlich. Zum Beispiel in Zwickau, Bischofswerda, Meißen oder Heidenau, wo es Erstaufnahmeeinrichtungen gibt. „Sie machen das nach ihrem 40-Stunden-Dienst“, sagt Benjamin Arnold, zuständiger Koordinator der Landesärztekammer. „Die Leistung, die dahinter steckt, ist horrend.“ So war es auch in Dresden, bevor es die feste Ambulanz gab. Für die Ballungszentren reichten die bald drei Ambulanzen aus, sagt Arnold. „Es ist nicht so, dass wir in jeder Stadt mit 20 000 Einwohnern eine Ambulanz bräuchten.“ Aber das ganze Umland, in dem es ohnehin zu wenige Hausärzte gibt, sei damit nicht abgedeckt.

dpa

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