Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Flüchtlinge in Dresdner Turnhallen - Hilbert stellt sich Asylgegnern

Notunterkünfte Flüchtlinge in Dresdner Turnhallen - Hilbert stellt sich Asylgegnern

Vier Dresdner Turnhallen dienen ab sofort als Unterkunft für Flüchtlinge, die Stadt reagiert damit auf die steigenden Flüchtlingszahlen und den nahen Winter. Ein Gesprächsversuch des Oberbürgermeisters mit Asylgegnern scheitert.

Quelle: H. Heuer

Dresden. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) war sichtlich mitgenommen, als er am Donnerstagnachmittag der versammelten Presseentourage die neue provisorische Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle an der Schleiermacherstraße vorstellte. Das Objekt, das ab sofort 70 Flüchtlingen von der Bremer Straße Unterschlupf bieten soll, ist eine von vier Turnhallen, die die Stadt in Windeseile zu Asylbewerberunterkünften umfunktioniert hat. Die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen die Johanniter und die Heilsarmee. Der Grund für die Entscheidung: Dresden muss in den kommenden Tagen nicht wie geplant 98 sondern 498 Flüchtlinge aufnehmen. In den vergangenen Wochen sind 4500 Menschen weniger aus Bayern nach Sachsen gekommen als im Königsteiner Verteilungsschlüssel vorgesehen. Jetzt wird der Rückstand aufgeholt und auch Dresden muss seinen Teil beitragen. Zudem will Hilbert so einen Beitrag leisten, die Asylsuchenden aus den unbeheizten Zelten an der Bremer Straße zu holen.

Dresden nimmt mehr Flüchtlinge auf - um sie unterzubringen, werden vier Turnhallen umfunktioniert.

Zur Bildergalerie

Doch das war sicher nicht der Grund für die Verstimmung Hilberts. Kurz vorher suchte der Oberbürgermeister das Gespräch mit wütenden Anwohnern und Pegida-Anhängern an der Turnhalle in der Tätherstraße in Übigau. Hier sollten am Abend eigentlich 59 Flüchtlinge Unterschlupf finden. Doch bereits am Mittwochabend blockierten die Rechtsextremen den Umbau der Halle, stellten die Zufahrt mit Autos zu und bedrängten Helfer und Journalisten. Die ehemalige Pegida-Oberbürgermeister-Kandidatin Tatjana Festerling fotografierte in dieser Situation einen Reporter dieser Zeitung, um die Bilder anschließend auf Facebook zu posten und den Kollegen unter anderem als „Jammerlappen“ und „Krawall-Such-Touristen“ zu beschimpfen. Als Dirk Hilbert am Donnerstagnachmittag an die Tätherstraße kam, war Festerling auch schon da und fiel dem Politiker immer wieder ins Wort. „Es gibt bestimmt schönere Aufgaben“, sagte Hilbert, der am Mittwoch und Donnerstag aufgrund der Situation alle Termine abgesagt hatte, später den Journalisten und gab unumwunden zu, dass er auch weiterhin verstärkt mit Problemen bei der Einrichtung der Turnhalle in Übigau, wie auch bei anderen Flüchtlingsunterkünften rechnet.

Neben den Hallen an der Thäterstraße und der Schleiermacherstraße wurden auch Turnhallen am Terrassenufer und an der Ginsterstraße für Asylbewerber umfunktioniert. Hier sollen 59 beziehungsweise 40 Schlafplätze entstehen. Bewusst wurden nur Sporthallen ausgesucht, die nicht für den Schulsport benötigt werden. Die Sportvereine allerdings haben das Nachsehen – ihre Trainingszeiten fallen zunächst ersatzlos weg. „Die Entscheidung, Turnhallen zur Unterbringung zu nutzen, darf nur eine befristete Notlösung sein. Jetzt sind wir alle gefordert, schnellstmöglich Alternativen für die betroffenen Sportvereine zu finden“, forderte am Donnerstag Anke Wagner, sportpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Stadtrat, zeigte aber wie zuvor schon SPD, Linke und Grüne auch Verständnis für die Notlage der Verwaltung.

„Niemand wird uns für so eine Entscheidung um den Hals fallen“, sagte Hilbert in der Turnhalle und erklärte: „Es ist höchste Zeit, dass würdige Bedingungen für die Menschen auf der Bremer Straße geschaffen werden“. Die Umfunktionierung von weiteren Turnhallen, sei nicht geplant. Für unmöglich hält Hilbert diesen Schritt allerdings nicht: „Ausschließen kann man in diesen Tagen gar nichts mehr“, sagte der Oberbürgermeister. Auch bereits geplante Unterkünfte, wie zum Beispiel an der Heidenauer Straße, würden den Bedarf perspektivisch nicht decken. Alle Bürger seien aufgerufen, zu prüfen, ob sie Räumlichkeiten zu Verfügung stellen könnten, so Hilbert.

Hauke Heuer

Schleiermacherstraße Dresden 51.026815 13.704325
Schleiermacherstraße Dresden
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Protest gegen Flüchtlingsunterkunft in Dresden-Übigau

Dresdens Oberbürgermeister war noch dabei, die künftigen Notunterkünfte für Asylsuchende in Dresden vorzustellen, da standen vor dem ersten Objekt bereits rund 50 Asylgegner.

mehr
Zusätzliche Flüchtlinge: Dresden macht Turnhallen zu Notunterkünften

Die Stadt Dresden muss bei der Unterbringung von Asylsuchenden erstmals Notunterkünfte öffnen. Wie Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am Mittwoch mitteilte, werden ab Donnerstag gut 200 Menschen in vier Turnhallen untergebracht.

mehr
Mehr zum Artikel

Anwohner aus Übigau blockieren seit zwei Wochen die Zufahrt zur Turnhalle Thäterstraße. Ein Gespräch mit asylberwerberfreundlichen Initiativen habe jetzt zu einer "verblüffenden Wende" geführt. Zusammen habe man eine Lösung gefunden. Die aber verblüfft vor allem das DRK.

mehr
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.