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Flucht und Vertreibung - schon 1945 auch für Dresden eine gigantische Herausforderung

Rückschau Flucht und Vertreibung - schon 1945 auch für Dresden eine gigantische Herausforderung

Der zweite Weltkrieg hat die größte Völkerwanderung seit der Antike ausgelöst, sagen Historiker. Zuerst flohen die Menschen vor der Front in Scharen aus Osteuropa. Als die große Vertreibungswelle begann, setzten sich noch mehr Millionen in Bewegung.

Dresden. Der zweite Weltkrieg hat die größte Völkerwanderung seit der Antike ausgelöst, sagen Historiker. Zuerst flohen die Menschen vor der Front in Scharen aus Osteuropa. Als die große Vertreibungswelle begann, setzten sich noch mehr Millionen in Bewegung. Bis zu 14 Millionen Menschen mussten ab 1945 ihre Heimat in Ost- und Ostmitteleuropa verlassen - die nun polnischen Gebiete jenseits von Oder und Neiße, Ostpreußen und die kulturell gemischten Randgebiete von Böhmen und Mähren, nun Teil der Tschechoslowakei, außerdem Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. Insgesamt, so der Berliner Historiker Michael Schwartz in dem Sammelband "1945", hätten vor, im und nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu 60 Millionen Menschen in Europa ihre Heimat verloren.

Schaut man also genau hin, sind DDR und Bundesrepublik zu vielleicht einem Drittel das Werk von Flüchtlingen, von Vertriebenen. Vielleicht ist es hilfreich, sich zu erinnern, dass Kommunen und Länder die damals ungleich größeren Probleme gelöst haben, als es nicht um ein oder zwei Millionen Neuankömmlinge ging, die zu 80 Millionen Menschen dazustoßen, sondern als Flüchtlingswellen die Zahl der Köpfe in manchen Städten über Nacht aufs Doppelte trieben - inmitten von Trümmern, von Hunger, Ratten, Seuchengefahr.

Die Vertriebenen-Trecks im und nach dem Krieg lieferten ähnliche Bilder wie jene Menschenzüge, die sich heute über die Balkanroute nach Mitteleuropa bewegen - damals wie heute auf der Flucht vor Tod, Zerstörung, Elend und Perspektivlosigkeit. Sicher, auf über eine Million von Flüchtlingen, die jetzt nach Deutschland strömen, ist hier niemand vorbereitet, das Chaos lässt sich nicht verleugnen, Verwirrung und Ängste grassieren, eine Radikalisierung in der Bevölkerung ist die Folge. Und auch die Aufgabe, ein multiethnisches Zusammenleben zu organisieren, stand damals nicht - ins Land kamen Deutsche mit überwiegend christlichem Hintergrund.

Aber wie heute waren auch 1945 zunächst die ganz praktischen, alltäglichen Hilfen gefragt, die ein mindestens menschenwürdiges Leben ermöglichen. Es mussten Strukturen geschaffen werden, wie mit Heimkehrern, Umsiedlern und Flüchtlingen umgegangen wird, es gab harte Debatten um Recht und Gerechtigkeit, Schicksale, die kaum aushaltbar schienen. Auch damals gab es Widerstand. Darüber, vor welchen Problemen Dresdens Stadtväter im Sommer 1945 standen, gibt das nachfolgende Interview im Amtlichen Nachrichtenblatt des Rates der Stadt Dresden vom 16. Juli 1945 mit dem frisch ernannten Oberbürgermeister Johannes Müller Auskunft, das wir hier in großen Auszügen wiedergeben.

Barbara Stock

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