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Fliegerbombe in Dresden-Johannstadt gefunden - Evakuierung "auf der Zielgeraden"

Fliegerbombe in Dresden-Johannstadt gefunden - Evakuierung "auf der Zielgeraden"

Am Freitagmorgen gegen 8 Uhr ist bei Bauarbeiten in Dresden-Johannstadt eine Bombe gefunden worden. Es handelt sich um eine fünf Zentner schwere Fliegerbombe englischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg, die auf dem Gelände des ehemaligen Plattenwerkes an der Gerokstraße liegt.

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Die Karte der Stadt zeigt das Evakuierungsgebiet mit dem 400- und dem 800-Meter-Radius.

Quelle: Stadt Dresden

Nach Polizeiangaben wird seit etwa 15.30 Uhr im Umkreis von 400 Metern evakuiert. Derzeit hofft die Polizei, dass die Evakuierung kurz nach 2 Uhr abgeschlossen ist und danach Sprengmeister Holger Klemig vom Kampfmittelbeseitigungsdienst mit der Entschärfung beginnen kann. Einige unvernünftige Anwohner, die ihre Türen nicht öffnen wollen, verzögern die Räumung.

Die Bombe mit Heckzünder muss vor Ort entschärft werden, stellte der Kampfmittelbeseitigungsdienst fest. Sie sei noch scharf und könne daher nicht transportiert werden, so Polizeisprecher Thomas Geithner. Da der Sprengkörper durch Baggerarbeiten an die Erdoberfläche befördert wurde, muss mit einem großen Splitterradius gerechnet werden.

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Rund 5000 Johannstädter mussten ihre Wohnungen verlassen. Polizei und Rettungskräfte gingen von Tür zu Tür.

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Deshalb haben Kampfmittelbeseitigungsdienst und Polizei beschlossen, dass mehrere tausend Anwohner in einem Radius von rund 400 Metern um den Fundort ihre Häuser verlassen müssen. Die Evakuierungsmaßnahmen haben laut Polizeiangaben gegen 15.30 Uhr begonnen. Gegenwärtig werden etwa 5000 Bewohner der Elisenstraße, der Hopfgartenstraße, der Pfotenhauerstraße sowie des Wohnblocks Gerokstraße 24 bis 36 von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht. Busse der Dresdner Verkehrsbetriebe fahren die Menschen zu Ausweichunterkünften in die Beruflichen Schulzentrum Canalettostraße 8 und Melanchthonstraße 9 sowie das Gymnasium Louisenstraße. Am späten Abend befanden sich rund 300 Personen in den Notunterkünften, so Polizeisprecher Marko Laske. Die meisten Betroffenen seien jedoch bei Familienangehörigen oder Freunden untergekommen.

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Etwa 5000 Personen müssen ihre Wohnungen verlassen, schätzt die Polizei.

Quelle: Sophie Folgmann

Die Räumung zog sich über viele Stunden hin. Erfahrungsgemäß dürften aber viele Anwohner ihre Wohnungen selbst rechtzeitig verlassen haben, sagte ein Polizeisprecher. „Wir müssen aber trotzdem von Haus zu Haus und von Wohnung zu Wohnung gehen und nachsehen, ob noch jemand da ist“. Viel hänge auch davon ab, wie die Leute reagierten oder ob Krankentransporte organisiert werden müssten. So wurden gegen Mitternacht an der Pfotenhauerstraße noch bettlägerige Anwohner entdeckt, die in Sicherheit gebracht werden mussten. Erst wenn die Evakuierung abgeschlossen ist und die Straßen im 800-Meter-Umkreis menschenleer sind, könne mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden. Deshalb fahren Polizisten zuvor noch einmal Streife.

Auch zwei Pflegeheime liegen im 800-Meter-Radius, jedoch musste nur die Unterkunft an der Elisenstraße geräumt werden. Unter den Bewohnern befanden sich laut Polizeiangaben 30 Rollstuhlfahrer. Auch der Polizeiseelsorger war vor Ort im Einsatz, um die betagten Damen und Herren zu beruhigen. Die Polizei arbeitete bei der Evakuierung eng mit der Dresdner Feuerwehr und dem Rettungsdienst zusammen.

Zwei Kindertagesstätten in der Nähe hätten ihre Kinder schon kurz nach Bekanntwerden des Bombenfundes nach Hause geschickt beziehungsweise abholen lassen. Für die Betroffenen richtete die Stadt ein Bürgertelefon ein, das unter der Rufnummer (0351) 488 76 66 erreichbar ist.

Polizei muss Hund erschießen

Im Zuge der Evakuierung mussten Polizisten den Hund eines Anwohners erschießen. Das Tier war auf die Straße gerannt, nachdem die Beamten bei dem Mann geklingelt hatten und er die Tür geöffnet hatte. Auf der Straße war der Hund auf eine Familie mit einem Kleinkind und einem kleineren Hund zugerannt, hatte diesen angegriffen und sich in ihm verbissen. Da sich der Angreifer nicht beruhigen ließ, mussten ihn die Polizisten erschießen. Es habe Gefahr für Leib und Leben des Kleinkindes und seiner Eltern bestanden, so Polizeisprecher Laske.

Nachtskaten fiel aus

Aufgrund des Bombenfundes und des damit verbundenen Polizeieinsatzes musste das Nachtskaten am Freitagabend ausfallen. Die eigentlich für die Absicherung der Sportveranstaltung vorgesehenen Beamten seien am Bombenfundort im Einsatz, teilten die Organisatoren des Nachtskatens mit. Zahlreiche Polizeibeamte seien zum Tag der Sachsen in Schwarzenberg abgestellt. Daher habe die Evakuierung leider länger gedauert als ursprünglich geplant, so Laske. Insgesamt halfen bis zu 300 Beamte aus Sachsen und Brandenburg sowie von der Bereitschaftspolizei bei der Räumung.

Seit 14 Uhr sind folgende Straße für den Verkehr gesperrt: Bundschuhstraße, Elisenstraße, Gerokstraße zwischen Marschnerstraße und Lortzingstraße, Fiedlerstraße ab der Lortzingstraße in Richtung Gerokstraße, Dürerstraße zwischen Lortzingstraße und Hans-Grundig-Straße. Die Polizei bittet alle Autofahrer, diesen Bereich weiträumig zu umfahren. Auch Straßenbahnen und Busse fahren Umleitung.

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Tagsüber lag die Bombe geschützt unter einer Decke.

Quelle: Tanja Tröger

Gefunden wurde die Fliegerbombe auf dem Gelände des ehemaligen Plattenwerkes zwischen Hopfgartenstraße und "Stephanienweg". Auf dem Gelände soll die neue Rettungswache Johannstadt entstehen.

Bei den Luftangriffen im Februar 1945 war die Johannstadt bis auf wenige Straßenzüge zerstört worden. Ungefähr drei Viertel aller Gebäude fielen Bomben und Feuersturm zum Opfer, etwa 2000 Johannstädter verloren laut Historikerkommission ihr Leben. Immer wieder werden seither vor allem bei Erdarbeiten Blindgänger entdeckt. Auf dem Areal, auf dem die Bombe gefunden wurde und auf dem bis zum Bombardement das Krankenhaus „Carolahaus“ gestanden hatte, richtete die Stadt Dresden nach dem Krieg eine Trümmersortier- und Aufbereitungsanlage ein. Ab Mitte der 1950er Jahre entstand daraus das Plattenwerk Gerokstraße, das große Betonteile für den industriellen Wohnungsbau produzierte.

Auf Wunsch einer Anwohnerin haben wir ein Foto der Bildergalerie entfernt. Wir bitten die Userin um Entschuldigung.

ttr/jv/dpa

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