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Fliegerbombe in Dresden-Johannstadt entschärft – 5000 Anwohner können zurück in ihre Wohnungen

Fliegerbombe in Dresden-Johannstadt entschärft – 5000 Anwohner können zurück in ihre Wohnungen

Mehr als 20 Stunden nach ihrer Entdeckung ist am frühen Sonnabendmorgen die Fliegerbombe in Dresden-Johannstadt entschärft worden. Sprengmeister Holger Klemig und sein Assistent Hans-Peter Schmidt vom Kampfmittelbeseitigungsdienst schraubten den Aufschlagzünder im Heck des Fünf-Zentner-Sprengkörpers heraus.

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Sprengmeister Holger Klemig entschärfte die Bombe binnen 30 Minuten.

Quelle: Tanja Tröger

Um 4.13 Uhr meldeten sie Vollzug. Exakt 30 Minuten hatten die beiden Männer benötigt. „Die besondere Herausforderung war, dass die Bombe zu ebener Erde lag“, sagte Klemig nach seinem Einsatz. Dadurch sei die Gefahr viel größer gewesen. Erschwerend sei die ungewöhnlich lange Wartezeit hinzugekommen – seit Freitagvormittag 10 Uhr war der Sprengmeister vor Ort. Daher habe es eine Weile gedauert, ehe er die nötige Konzentration für die Entschärfung aufgebaut hatte, so der erfahrene Mann. Die Johannstädter war seine 209. Bombe.

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Im Lagezentrum auf dem Trödelmarktgelände am Elbufer liefen alle Fäden zusammen.

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Nach der geglückten Entschärfung verluden die Männer die englische Fliegerbombe ins Auto und brachten sie ins Kampfmittelzerlegezentrum Zeithain. Dort landet der Sprengkörper zunächst im Bunker, um irgendwann zersägt und verbrannt zu werden.

Anwohner können wieder nach Hause

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Insgesamt kamen knapp 500 Menschen in Notunterkünfter unter. Hier im Bild die Turnhalle des BSZ Canalettostraße.

Quelle: Christoph Stephan

Unmittelbar nach dem geglückten Einsatz hob die Polizei die umfangreichen Straßensperrungen in der Johannstadt auf, sodass die Anwohner wieder zurück in ihre Wohnungen konnten. Etwa 5000 Personen hatten am Nachmittag und Abend ihr Zuhause verlassen müssen. Rund 480 Menschen waren in Notunterkünften in drei Schulen untergekommen. Die meisten Betroffenen seien jedoch bei Familienangehörigen oder Freunden untergekommen, so Polizeisprecher Marko Laske.

Der Sprengsatz war am Freitagmorgen gegen 8 Uhr bei Bauarbeiten an der Gerokstraße gefunden worden. Es handelte sich um eine fünf Zentner schwere Fliegerbombe englischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg, die auf dem Gelände des ehemaligen Plattenwerkes lag. Zwischen 16 Uhr und 2.45 Uhr wurde die Johannstadt im Umkreis von 400 Metern um den Fundort evakuiert.

Langwierige Evakuierung im Umkreis von 400 Metern

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Die Karte der Stadt zeigt das Evakuierungsgebiet mit dem 400- und dem 800-Meter-Radius.

Quelle: Stadt Dresden

Die Räumung hatte sich über viele Stunden hingezogen. Gründe dafür waren zu einem die dünne Personaldecke der Polizei, weil zahlreiche Beamte beim Tag der Sachsen in Schwarzenberg im Einsatz waren. Insgesamt halfen 300 Polizisten aus Sachsen und Brandenburg bei der Räumung. Zum anderen gab es immer wieder unvorhergesehene Zwischenfälle. So wurden beispielsweise erst gegen Mitternacht einige bettlägerige Anwohner in einem Haus an der Pfotenhauerstraße entdeckt, die noch in Sicherheit gebracht werden mussten. Zudem wollten einige Uneinsichtige ihre Wohnungen nicht verlassen. Auch nachts plötzlich aufflammende Lampen in eigentlich leeren Wohnungen riefen die Einsatzkräfte auf den Plan. So konnte die Evakuierung nicht wie gehofft gegen 23 Uhr oder Mitternacht abgeschlossen werden, sondern erst gegen 2.45 Uhr.

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Rund 5000 Johannstädter mussten ihre Wohnungen verlassen. Polizei und Rettungskräfte gingen von Tür zu Tür.

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Die Bombe mit Heckzünder musste vor Ort entschärft werden, da sie noch scharf war und nicht transportiert werden konnte. Weil der Sprengkörper durch Baggerarbeiten an die Erdoberfläche befördert wurde, musste mit einem großen Splitterradius gerechnet und weiträumig evakuiert werden. Auch ein Pflegeheim an der Elisenstraße und zwei Kindergärten mussten geräumt werden. Die Kitas hatten ihre Kinder schon kurz nach Bekanntwerden des Bombenfundes nach Hause geschickt beziehungsweise abholen lassen. Wegen des Bombenfundes mussten zudem zahlreiche Straßen in der Johannstadt gesperrt werden. Straßenbahnen und Busse fuhren Umleitung. Auch das für Freitagabend geplante Nachtskaten musste ausfallen.

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Tagsüber lag die Bombe geschützt unter einer Decke.

Quelle: Tanja Tröger

Polizei muss Hund erschießen

Im Zuge der Evakuierung mussten Polizisten den Hund eines Anwohners erschießen. Das Tier war auf die Straße gerannt, nachdem die Beamten bei dem Mann geklingelt hatten und er die Tür geöffnet hatte. Auf der Straße war der Hund auf eine Familie mit einem Kleinkind und einem kleineren Hund zugerannt, hatte diesen angegriffen und sich in ihm verbissen. Da sich der Angreifer nicht beruhigen ließ, mussten ihn die Polizisten erschießen. Es habe Gefahr für Leib und Leben des Kleinkindes und seiner Eltern bestanden, so Polizeisprecher Laske.

Johannstadt im Krieg stark zerstört – immer wieder Blindgänger-Funde

Gefunden wurde die Fliegerbombe auf dem Gelände des ehemaligen Plattenwerkes zwischen Hopfgartenstraße und "Stephanienweg". Auf dem Areal soll die neue Rettungswache Johannstadt entstehen.

Bei den Luftangriffen im Februar 1945 war die Johannstadt bis auf wenige Straßenzüge zerstört worden. Ungefähr drei Viertel aller Gebäude fielen Bomben und Feuersturm zum Opfer, etwa 2000 Johannstädter verloren laut Historikerkommission ihr Leben. Immer wieder werden seither vor allem bei Erdarbeiten Blindgänger entdeckt. Unweit vom Fundort, an der Zirkusstraße, hatten Bauarbeiter im Januar 2012 eine Bombe gefunden.

Auf dem Areal, auf dem die Johannstädter Bombe entdeckt wurde und auf dem bis zum Bombardement das Krankenhaus „Carolahaus“ gestanden hatte, richtete die Stadt Dresden nach dem Krieg eine Trümmersortier- und Aufbereitungsanlage ein. Ab Mitte der 1950er Jahre entstand daraus das Plattenwerk Gerokstraße, das große Betonteile für den industriellen Wohnungsbau produzierte.

ttr

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