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Fast zehn Jahre nach der Pleite der Dresdner BFI-Bank ist der einstige Gründer privat insolvent

Fast zehn Jahre nach der Pleite der Dresdner BFI-Bank ist der einstige Gründer privat insolvent

Fast zehn Jahre nach der Pleite bietet die Dresdner BFI-Bank Juristen noch umfangreich Beschäftigung. Nicht nur, dass tatsächlich noch immer neue Ansprüche einlaufen.

Nein, die Suche nach den Millionen, deren Sicherstellung und die Auszahlung an mittlerweile fast 17 000 Gläubiger sind schlicht eine zeitraubende Angelegenheit. Wenn Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra den letzten großen Millionenposten aus Luxemburg nach Hause geholt und die letzten Steuerfragen geklärt hat, kann er die "Akte BFI" schließen. Vor 2015 allerdings dürfte das kaum gelingen.

Zwergenbank floppte

Dann ist es 20 Jahre her, dass der damals 47-jährige promovierte Volkswirt Karl-Heinz Wehner beschloss, seiner millionenschweren Steuerprüfungs- und Wirtschaftsberatungs-Kanzlei ein neues Abenteuer hinzuzufügen und in Dresden eine Bank zu gründen. Seine "Bank für Immobilieneigentum" (BFI) war die einzige in den neuen Bundesländern gegründete Privatbank nach 1945, entsprechend wurde sie in der Politik hofiert. Doch Wehners als "revolutionär" gepriesenes filialfreies Modell mit klinkenputzenden Anlageberatern floppte. Als das Geld knapp wurde, gab der Profi seine schöne Idee noch lange nicht verloren: Er manipulierte die Aktienkurse und hebelte die Preise für die von ihm vertriebenen Immobilienfonds in sittenwidrige Höhen. Auch sonst hatte es der Revolutionär nicht leicht: Die großen Banken ließen die Zwergenbank nicht mitspielen und verweigerten ihr den Zutritt zu ihrem Sicherungsfonds. Dass die Einlagen der bundesweit rund 60 000 BFI-Kunden nur über den staatlichen Entschädigungsfonds abgedeckt waren, wurde vielen erst schrecklich bewusst, als die Bank im Frühjahr 2003 völlig überschuldet pleite ging.

Schnell machte die Kunde von kriminellen Machenschaften die Runde. Bei der Dresdner Staatsanwaltschaft gingen die Strafanzeigen damals bergeweise ein. Verurteilt aber wurde Karl-Heinz Wehner zunächst nicht in Sachsen, sondern in Würzburg. Das dortige Landgericht schickte ihn im März 2006 wegen Anlagebetrugs für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Begründung: Um seine auf Wohnungsbaufinanzierung spezialisierte BFI doch noch zu retten, habe er zum einen Immobilien zu hoch bewertet und zum anderen den von ihm aufgelegten Fonds unerlaubt Millionen entzogen. Wehner wechselte also aus der Dresdner Untersuchungshaft, in der seit Oktober 2003 saß, in die Würzburger Strafhaft. Die allerdings verließ er bereits im August 2007 - das Gericht setzte den Arrest für die nächsten gut drei Jahre zur Bewährung aus und erließ ihm im September 2010 die Strafe ganz.

Verjährung knapp verfehlt

Doch was war mit den Dresdner Spürnasen? Wegen Kurs- und Marktpreis-Manipulation ermittelte bekanntlich auch die Staatsanwaltschaft in Dresden gegen Wehner. Übergroße Motivation will den wechselnden Strafverfolgern an der Elbe indes niemand bescheinigen. Gläubigeranwälte landauf landab folgten dem schleppenden Verfahren erst mit Wut, dann mit Resignation. Obwohl der Würzburger Prozess glasklar zutage brachte, dass die BFI für kriminelle Geschäfte missbraucht wurde und Wehner als Schlüsselfigur die Fäden zog, erhob die Dresdner Staatsanwaltschaft erst im Juli 2007 Anklage. Tatsächlich ist es der ewig überlasteten Wirtschaftsstrafkammer unter Hans Schlüter-Staats erst im August 2011 gelungen, der Anklage ein Hauptsacheverfahren folgen zu lassen. Immerhin: vor Ablauf der Verjährungsfrist...

Lächerliche Strafe

Das Ergebnis halten viele angesichts der mit krimineller Energie verursachten Millionenschäden für lächerlich. Die akribisch nachgewiesene Kurs- und Marktpreismanipulation wäre gut und gern weitere fünf Jahre Haft wert gewesen. Aber die Richter ließen Milde walten: 360 Tagessätze á 40 Euro seien Strafe genug. Und weil Wehner, Jahrgang 1947, inzwischen als mittellos gilt, darf er die 14 400 Euro in 500-Euro-Monatsraten abstottern. Der Bankenmacher von einst ist seit November 2006 privat insolvent - die Gläubigerforderungen belaufen sich dem Vernehmen nach auf 50 Millionen Euro, zwei bis drei Millionen waren vor Jahresfrist gerichtlich bestätigt. Doch die Berliner Juristin, die nach den Millionen fahnden soll, dürfte keine großen Erfolge feiern. Unter Berufung auf ein nichtöffentliches Verfahren werden zwar Auskünfte verweigert, doch die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass selbst Wehners sagenumwobene Yacht, die er am Mittelmeer geparkt haben soll, um besonderen Kunden zu umgarnen, ein Reinfall wurde: Die Liegegebühren hatten den Wert des Bootes inzwischen deutlich überstiegen, heißt es inoffiziell, der Erlös aus der Zwangsversteigerung dürfte an den Hafen gefallen sein.

Während seine privaten Gläubiger wohl vergebens auf Entschädigung warten, lebt Wehner mit seiner Frau von etwa 2300 Euro Rente (er selber erhält 620 Euro aus der Rentenkasse) und kämpft mit Herzbeschwerden. All das haben die Dresdner Richter berücksichtigt. Doch nicht Mitleid allein war ausschlaggebend für das milde Strafmaß. Die Richter übten auch rege Selbstkritik und befanden das um Jahre verschleppte Verfahren für kompensationswürdig. Schön für Wehner.

Dessen Bemühungen aus der Zeit kurz vor der BFI-Pleite, noch flugs ein paar Millionen zur Seite zu schaffen, bescheren Insolvenzverwalter Derra und seinem Dresdner Kollegen Gunter Tarkotta bis heute umfangreiche Verhandlungen mit Liechtensteiner und Luxemburger Behörden. Wehner hatte kurz vor ultimo fünf Millionen Euro auf die Konten seiner zwei Kinder in Liechtenstein befördert. Abgewickelt wurde der Deal über die damalige Luxemburger BFI-Tochter Euwesa, eine Handelsplattform für vorbörsliche Werte.

Biete Geld, suche Besitzer

Die Euwesa, so berichtet der Dresdner Jurist Tarkotta, war damals schon in den Händen von Firmenbestattern, die ihr den reißerischen Namen "Special Movie Production" verpasst hatten. Die Pleite des Dresdner Mutterhauses grätschte den Dunkelmännern direkt ins finstere Geschäft. Es brauchte danach Jahre, um den Anspruch der BFI-Gläubiger auf die Wehner-Millionen in Luxemburg gerichtlich durchzusetzen und die Überweisung auf die Liechtensteiner Konten rückgängig zu machen. Und weitere Jahre wird es dauern, um die frühere Euwesa in Luxemburg zu schließen und die fünf (dank Zinsen fast sechs) Millionen auch wirklich in Deutschland ausschütten zu können. "Wir würden die Firma ja gern abwickeln. Aber fünf Prozent der Aktien sind in Streubesitz. Und wir müssen die 500 000 Euro an die Eigentümer verteilen", beschreibt Tarkotta ein Dilemma, das ihn nun zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen lässt. Weil die Verwalter über die Banken nicht herausbekommen, wer die Anteile hält, werden sie nun in einschlägigen Zeitungen und Onlineplattformen mit Anzeigen und öffentlichen Aufrufen nach den Haltern fahnden. Motto: Biete Geld, suche Besitzer. Erst wenn das nichts fruchtet, könne ein Strich unter den Luxemburger BFI-Ableger gezogen werden. "Dann hinterlegen wir das Geld, das wir nicht verteilen konnten, bei Gericht und wickeln die Firma ab", sagt Tarkotta.

Gigantischer Aufwand

Über ähnliche Rechtsstreitigkeiten kommen auch von anderen Seiten immer mal wieder größere und kleinere Summen zur Insolvenzmasse. Erst wenn sie sicher sein können, dass da auch wirklich alles durch ist und wenn die letzten Steuerfragen geklärt seien, werde die letzte Tranche an die Gläubiger fließen können. Hoffnungen, dass das vor 2015 geschieht, macht Tarkotta mit Blick auf den gigantischen Aufwand allerdings niemandem.

Eine Bank abzuwickeln, ist harte Arbeit. Und im Fall der 2003 pleite gegangenen Dresdner BFI-Bank ist sie noch nicht zu Ende. Der einstige Gründer der Bank, Karl-Heinz Wehner, ist inzwischen privat insolvent und mehrfach abgeurteilt. Seine Dresdner Strafe darf er in Monatsraten von 500 Euro abstottern. Eine Bestandsaufnahme von Barbara Stock

Die Bank für Immobilienwirtschaft (BFI)

Die einst börsennotierte private "Bank für Immobilienwirtschaft" (BFI) war 1996 an den Start gegangen und hauptsächlich in der Wohnungsbau- und Immobilienfinanzierung tätig. Sie hatte zuletzt in Dresden etwa 50 Mitarbeiter, zudem Niederlassungen in Würzburg und Luxemburg.

Das Geldhaus war Mittelpunkt eines umfangreichen Firmengeflechts, über das ihr Gründer Karl-Heinz Wehner nachweislich diverse Hebelgeschäfte abwickelte - zum Nachteil der Anleger. Wehner beschrieb sein Konstrukt damals so: Die Bank muss verdienen und der Repräsentant muss verdienen. Wenn der Kunde auch was verdient, freuen wir uns...

Die BFI wollte als normale Bank, aber ohne eigenes Filialsystem ihre Produkte vertreiben. Mit Hilfe eines so genannten Repräsentantensystems stieg im Geschäftsjahr 2001 die Bilanzsumme immerhin auf über 560 Millionen Euro. In der Spitze verfügte das Geldhaus über fast 1500 Repräsentanten. In Ihrem Geschäftsbericht 2000 sagte die BFI Bank hierüber selbst: "Der Repräsentant ist die personifizierte Bankfiliale, das Domizil der Bankfiliale ist das räumliche Umfeld des Kunden."

Die Chefs dieses Systems, die Brüder Dieter und Bruno K., sind später ebenso verurteilt worden wie der Jurist der Bank, Thomas R., und neben dem Gründer Karl-Heinz Wehner weitere Vorstände der Bank.

Die BFI hatte am Ende bei einem Vermögen von mehr als 124 Millionen Euro Verbindlichkeiten von rund 223 Millionen Euro angehäuft. Von der Pleite im Frühjahr 2003 waren bundesweit mehr als 60 000 Kunden betroffen. Den heute fast 17 000 Gläubigern will Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra bis 2015 rund 45 Prozent der Außenstände zurückgezahlt haben.

Chronik

Dezember 1995: Karl-Heinz Wehner gründet die Bank für Immobilieneigentum (BFI).

Dezember 1999: Die BFI geht an die Berliner Börse. Aufsichtsratschef ist Wehner.

September 2000: Der Aktienkurs erreicht das Allzeithoch von 21,10 Euro.

November 2002: Die Bank bilanziert ein Jahresminus von 7,5 Millionen Euro.

Mai 2003: Die Bafin meldet für die BFI Insolvenz an. 60 000 Kunden sind betroffen. Die BFI hatte ein Vermögen von 124 Millionen Euro und 223 Millionen Schulden.

Juli 2003: Das Insolvenzverfahren wird eröffnet. 16 500 BFI-Kunden stellen Forderungen über etwa 200 Millionen Euro.

September 2003: Dresdens Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Bankenspitze.

Herbst 2003: Die BFI-Führung wird verhaftet.

März 2005: Bankgründer Karl-Heinz Wehner wird in Würzburg wegen Betrugs und Anstiftung zur Untreue zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wird im März 2006 rechtskräftig.

November 2006: Wehner geht in die Privatinsolvenz. Das Verfahren wird in Berlin eröffnet.

August 2007: Wehner kommt auf Bewährung frei. Er hat mit Anrechnung der U-Haft mehr als die Hälfte der Haftstrafe verbüßt.

Juli 2007: Die Staatsanwaltschaft Dresden klagt Wehner wegen Kapitalerhöhungsschwindel und Kursmanipulation an.

Sommer 2009: Die Dresdner Anlegeranwältin Cordula Heß erstreitet für BFI-Geschädigte in Karlsruhe ein vielbeachtetes Urteil. Es schreibt vor, dass Banken über den möglichen Komplettausfall ihrer Anlagen aufklären müssen.

September 2010: Das Landgericht Würzburg erlässt Wehner den Strafarrest.

August 2011: Das Landgericht Dresden befindet Wehner der Kurs- und Marktpreismanipulation für schuldig. Mit Blick auf abgesessene Haftstrafen, Herzprobleme und die lange Verfahrensdauer in Sachsen wird der BFI-Gründer zu 360 Tagessätzen á 40 Euro verurteilt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2012

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