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Fast hätte Mutter mit Kindern auf der Straße gestanden - Diakonie hilft

Fast hätte Mutter mit Kindern auf der Straße gestanden - Diakonie hilft

Eigentlich ist Manuela Schmidt damals zur Kur ins Altenberger "Raupennest" gekommen. Jahre zuvor war sie an der Hüfte operiert worden. Noch immer aber hatte sie Beschwerden.

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Beraterin Anna-Sophie Krause (l.) steht Manuela Schmidt im "Niklashof" zur Seite.

Quelle: Dietrich Flechtner

Doch diese vier Wochen im Jahr 2009 werden zu den schlimmsten ihres Lebens. "An Erholung war nicht zu denken. Es war katastrophal", erinnert sie sich, und unwillkürlich treten der 48-jährigen Frau Tränen in die Augen. Zu Hause in Dresden ist alles über ihrem Kopf zusammengebrochen.

Von der Vermieterin hat sie die Kündigung für ihre 4-Raum-Wohnung bekommen, in der sie seit 2003 mit zwei ihrer drei Kinder lebt. Mietschulden sind aufgelaufen. Von der Arbeitsagentur kommt so wenig Geld, dass es für die Miete nicht mehr reicht.

Die Vorgeschichte: Zu DDR-Zeiten hat Manuela Schmidt Wirtschaftsgehilfe gelernt, anschließend in einem Dresdner Hotel als Zimmerfrau gearbeitet, 30 Jahre lang. Dann muss sie sich wegen Schmerzen krank schreiben lassen. Es wird ein Vierteljahr. 2006 muss sie an der Hüfte operiert werden. Danach ist sie dauerhaft krank geschrieben. Zuvor hat sie sich von ihrem Mann scheiden lassen, ist mit den Kindern in eine eigene Wohnung umgezogen. "Meine Mutter hat immer gesagt: Was auch passiert, Miete und Energie musst du immer bezahlen. Das habe ich beherzigt", erzählt sie. Anfangs kommt sie mit dem Geld auch hin. Doch dann wird es weniger, schließlich zu wenig.

Noch in der Altenberger Kurklinik vermittelt ein Sozialarbeiter die völlig ratlose Frau an die Wohnungslosenhilfe der Diakonie - Stadtmission Dresden. Dort nimmt Beraterin Anna-Sophie Krause mit ihr zusammen alle Bescheide und Rechnungen unter die Lupe. Mal hat es ein Vierteljahr gedauert, ehe das Geld von der Arbeitsagentur überwiesen worden ist. Eine andere Stelle hat das aber bereits angerechnet. Mal wird ihr zu Unrecht Kindergeld angerechnet. Als das kaum noch zu überblickende Durcheinander von Anträgen, Rechnungen, Nachzahlungsaufforderungen, Bescheiden und Ablehnungen endlich entwirrt ist, stellt sich heraus, dass die Frau mehrfach fehlerhafte Bescheide erhalten hat.

"Das war ein sehr langer, schwieriger Prozess", erinnert sich Anna-Sophie Krause. Manuela Schmidt muss viele Wege auf Ämter und Stellen zurücklegen, um jeden Monat das Geld zu bekommen, das ihr zusteht. Gemeinsam mit ihrer Betreuerin kann sie bei der Vermieterin die Wohnungskündigung rückgängig machen und eine Ratenzahlung vereinbaren. Damit ist das Wichtigste gelungen: Sie darf ihre Wohnung behalten. "Ich habe mir nicht vorstellen können, wie ich mit den Kindern auf der Straße leben soll", erzählt sie.

Die Beraterinnen bei der Wohnungslosenhilfe setzen stets alle Hebel in Bewegung, um das zu verhindern. "Denn wenn jemand erst einmal nach einer Zwangsräumung die Wohnung verloren hat, wird es um vieles schwieriger, eine neue zu finden. Vermieter sind dann sehr misstrauisch", sagt Anna-Sophie Krause. "Deswegen versuchen wir, zu helfen, wenn es noch nicht zu spät ist. Aber dazu müssen die Betroffenen rechtzeitig zu uns kommen, also, sobald sie die Miete nicht mehr bezahlen können."

Helfen - das bedeutet für die Beraterinnen immer, ihre Klienten zu befähigen, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln können. Bei Manuela Schmidt ist das nach drei Jahren nun fast gelungen. Die Kinder sind groß und alle aus dem Haus. "Da wird es mit der Berechnung auch einfacher." Sie hat eine neue Ein-Raum-Wohnung gefunden. Sie schiebt Anna-Sophie Krause den Bescheid von der Arbeitsagentur über den Tisch: Genehmigt. Die 40 Quadratmeter sind "angemessener Wohnraum". "Jetzt", sagt Anna-Sophie Krause, "ist sie so fit, dass sie das allein hinkriegt."

Wohnungslosenhilfe der Diakonie

Niklashof : Kontakt- und Beratungsstelle für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen der Dresdner Diakonie-Stadtmission; Hechtstraße 73 / Ecke Buchenstraße; Tel. 0351 / 803 87 28; Übernachtungsstätte täglich 18 bis 8 Uhr; 2009 fanden 38 Personen Unterkunft; Verweildauer im Schnitt 85 Tage, 11 fanden anschließend wieder Wohnung; 7 kamen ins ambulant betreute Wohnen

Treff "Schorsch" : eingerichtet als erste Anlaufstelle im Niklashof, Schutz- und Rückzugsmöglichkeit, Hund darf man mitbringen; geöffnet Montag und Freitag, 8 bis 14 Uhr, Mittwoch, 8 bis 18 Uhr; zu dieser Zeit auch Beratungsstelle offen

Sachsen : bei Diakonie Sachsen 2340 Menschen in 11 Beratungsstellen und betreutem Wohnen; bei etwa einem Drittel drohte Wohnungslosigkeit oder waren Wohnverhältnisse unzumutbar; etwa jeder sechste Hilfesuchende unter 25 Jahre alt

Auslöser : für Wohnungslosigkeit bei 37 Prozent Mietschulden; bei 13 Prozent Trennung oder Scheidung; bei 8 Prozent institutionelle Unterbringung (Krankenhaus, Psychiatrie, Gefängnis); 5 Prozent mietwidriges Verhalten

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2011

Tomas Gärtner

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