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Fasching an der HfV: Damals ging die Post ab

Fasching an der HfV: Damals ging die Post ab

Pappnasen, Büttenreden oder Funkenmariechen? Diese heute so typischen Karnevalsbegleiter verband wohl kaum ein Dresdner Student zu DDR-Zeiten mit dem legendären HfV-Fasching.

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Werbe-Flyer für den HfV-Fasching im Jahr 1986.

Quelle: privat

Denn er begeisterte die jugendlichen Massen in der heutigen Mensa der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auf ganz andere Art und Weise als heute. Vielleicht waren deshalb die Karten nicht nur in Studentenkreisen mehr als heiß begehrt. "Wer niemanden unter den Organisatoren kannte, kam eigentlich auch nicht so ohne weiteres rein", sagt Sabine Zinke. Sie muss es wissen, gehörte sie doch von 1982 bis 1986 zum so genannten "harten Kern" des damaligen FDJ-Studentenclubs "Mensaclub". Zu Beginn ihres Studiums an der damaligen Hochschule für Verkehrswesen (HfV) trat sie in den Club ein, weil sie so "richtig das Studentenleben auskosten wollte", erzählt Zinke.

Gesagt, getan: Zwei Mal im Jahr ließ sie gemeinsam mit den anderen 60 Mitgliedern des "Mensaclub" anstatt der üblichen Puppen gehörig die Narren tanzen. 1200 kostümierte Studenten und Ehemalige pressten sich in Faschingsnächten in die Mensa an der Reichenbachstraße. Der Alkohol floss in Strömen und sorgte so auch dafür, dass die Veranstaltung fast gänzlich ohne finanzielle Zuschüsse auskam. Mit 7,50 Ostmark war der Kartenpreis für DDR-Verhältnisse zwar recht hoch. Dennoch gab es schon Wochen vor Faschingsbeginn kein einziges Ticket mehr im freien Verkauf. Es soll sogar verzweifelte Versuche gegeben haben, sich als falsche Darsteller und Musiker doch noch ins Getümmel zu schmuggeln.

Die "Club Mensa-Narren" beschäftigte der Fasching deshalb nicht nur während der tollen Tage, sondern das ganze Jahr über. Fast wie eine moderne Eventagentur akquirierten die ehrenamtlichen Partyveranstalter Künstler Monate im Voraus. Etwa acht Wochen vor den vier großen Faschingstagen im Frühjahr gingen die Vorbereitungen in die heiße Phase. "Dann begann das große Anmalen", schwelgt Sabine Zinke in den Erinnerungen. Das bedeutete nicht etwa eine groß anberaumte Schminkaktion. Die Studenten tapezierten die Mensaräume um - mit riesigen Plakaten vom Fußboden bis zur Decke. Die Karikaturen nahmen das Leben an der Uni und in der DDR ordentlich auf die Schippe. Auch die standesgemäße Verpackung der feiernden Meute erforderte damals eine ordentliche Portion Kreativität. Für großangelegte Kostümfabrikate war in der Mangelwirtschaft der DDR kaum Platz. Die Studenten bedienten sich aus Muttis Kleiderschrank oder setzten sich selbst an die Nähmaschine.

Dass der Fasching damals so ein Magnet für die Dresdner Studenten war, lag auch am geringen Kulturangebot der DDR. "Der HfV-Fasching war für uns etwas ganz besonderes. Große Diskos oder Partys wie heute gab es damals nicht", meint Sabine Zinke. "Und wenn die Band T.S.O. gespielt hat, dann ging die Post ab", fügt sie wissend hinzu. Natürlich sei auch, wie bei allen anderen Faschingsfeten in der DDR, das Programm eine Möglichkeit gewesen, versteckte Kritik an der politischen Führung zu üben.

"Klar hat uns die Stasi damals kontrolliert", erzählt Zinke. Zur Generalprobe hätten den HfV-Jecken jedes Mal ein Partei- und ein FDJ-Sekretär einen Besuch abgestattet. Erst danach wurde das Faschingsprogramm genehmigt. "Einer von der Stasi war hundert Pro auch immer dabei", meint die Dresdnerin. Um der Zensur zu entgehen, tricksten die HfVler die Obrigkeiten geschickt aus: "Das Programm war zur Generalprobe eben noch nicht richtig fertig", schmunzelt Zinke.

Anders als heute wurde spätestens um ein Uhr nachts der Stecker gezogen. Die Reste der rauschenden Nächte blieben der "Ordnungsgruppe". Die hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Mensasäle wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.02.2014

Susann Schädlich

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