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Exzellenz-Jubel an der TU Dresden leicht gedämpft

Exzellenz-Jubel an der TU Dresden leicht gedämpft

Mit berechtigtem Stolz feierte die Technische Universität Dresden am 15.Juni dieses Jahres ihren Erfolg bei der Exzellenzinitiative des Bundes.

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Exzellenz-Jubel leicht gedämpft - Die TU Dresden erhält weniger Geld als erhofft

Hans Müller-Steinhagen

Dresden . Von Michael Bartsch

In der zweiten Förderrunde gelang ihr als erster und einziger ostdeutscher Hochschule endlich der Aufstieg in den Kreis der elf ausgezeichneten deutschen Universitäten. Das Zukunftskonzept, zwei Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule erhielten den Zuschlag. Ab dem 1. November zahlt sich dies im wahrsten Wortsinn auch aus. Dann fließt schlichtweg das erste Geld.

Bewerberzahl schmälert Zuschüsse

Doch da fällt der Jubel inzwischen gedämpfter aus. Schon im Juli deutete sich an, dass Dresden weniger Geld als erhofft erhalten wird. Nun gab TUD-Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen konkrete Zahlen bekannt. Statt der beantragten 172 Millionen Euro für den Förderzeitraum von fünf Jahren werden für die vier Projekte nur etwa 135 Millionen fließen. Das sind im Durchschnitt 21 Prozent weniger, wobei die Kürzungen unterschiedlich ausfallen.

Dabei handelt es sich genau genommen nicht um eine Kürzung. In der Forschungsförderung ist es ebenso wie in anderen Bereichen üblich, dass die tatsächlichen Summen unter den beantragten bleiben. "Wir haben uns nicht verrechnet", betont Sprecher Marco Finetti von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In dieser zweiten Exzellenzrunde blieb allerdings die Anzahl der zu fördernden Anträge von Anfang an offen. Dass nun teils deutlich weniger Geld ankommt, liegt an der hohen Zahl hervorragender Anträge. "An sich ein erfreulicher Umstand", sagt Finetti. Von 143 kamen 99 durch. Macht im Durchschnitt 10 Prozent weniger aus dem Gesamttopf für alle, bei neun Exzellenzclustern sogar mehr als 20 Prozent.

Rücksprache mit der Politik

Hinzu kommt, dass die jährlichen Cluster-Antragssummen mit drei bis acht Millionen Euro diesmal eine höhere Bandbreite zuließen als in der ersten Runde. Viele Universitäten haben versucht, diese Möglichkeit maximal auszuschöpfen. Beim Wissenschaftsrat lässt man durchblicken, dass der Dresdner Antrag zum Zukunftskonzept der höchste unter den elf schließlich ausgezeichneten Exzellenzuniversitäten war. Anders aber als etwa in Bremen hat man hier die Enttäuschung über eine geringere Förderung nicht hinausposaunt. Vielmehr werde im Gespräch mit dem Wissenschaftsministerium nach Lösungen gesucht, sagte TU-Sprecherin Kim-Astrid Magister.

Projektplanung beginnt

Immerhin 60,15 Millionen Euro werden allein für dieses Zukunftskonzept zur Verfügung stehen, informiert der erste Exzellenz-Newsletter die TU-Angehörigen. "Trotz der Kürzungen ein großer Erfolg", heißt es dort. Zur Zeit laufen die Planungen für die Umsetzung. Die Stellen für ein fünfköpfiges "Projektkernteam" sind ausgeschrieben worden, ebenso weitere Dezernenten und Controller für die Schools und für Kommunikationsaufgaben. Auch an den Clustern, dem Zentrum für Regenerative Therapien und dem Center for Advancing Electronics, seien die Vorbereitungen und Ausschreibungen im Gange, heißt es.

Wenn Anfang Oktober die Studenten wieder auf den TU-Campus zurückkehren, werden sie indessen eher nach einem Gewinn für die Lehre als nach Forschungsexzellenz fragen. Das zeigten schon Spontanbefragungen vor den Sommerferien. Den Imagegewinn für die Universität und damit vielleicht auch einen Schub für die eigene Laufbahn bestreitet niemand.

StuRa: Nutzen für Studenten?

Ganz stark geistert in den Köpfen aber nach wie vor das Gespenst der geplanten Stellenstreichungen herum, von denen eine Zusage von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) die Dresdner TU eigentlich befreien will. Beim Studentenrat gönnt man der Uni selbstverständlich das Geld, übt aber prinzipielle Kritik an der Fixierung auf die Forschung. "Die Exzellenz geht an den Studierenden zum großen Teil vorbei", behauptet Andreas Spranger, Geschäftsführer Hochschulpolitik im StuRa. Das will TU-Sprecherin Magister so nicht stehen lassen und erinnert daran, dass mit dem zusätzlichen Geld unter anderem nun das "Student Lifecycle Management" eingeführt werde, um Studien- und Verwaltungsabläufe zu vereinfachen. Nach Erfahrungen an anderen Universitäten hat man beim StuRa allerdings nur ein mitleidiges Lächeln für diese SAP-Software.

Besier: Problem Karrierewege

Wasser in den Sekt gießt auch Prof. Gerhard Besier, hochschulpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Der ehemalige Direktor des Hannah-Arendt-Instituts warnt sowohl vor einer Gewichtsverschiebung zu Lasten der Geistes- und Sozialwissenschaften innerhalb der Universität als auch vor einer weiteren Privilegierung Dresdens im Gefüge der sächsischen Hochschulen. Auch das "ungelöste Problem der Karrierewege" werde sich verschärfen, wenn nämlich der akademische Mittelbau durch befristete Einstellungen "aufgebläht" werde, aber keine neuen Anschlussprofessuren entstünden.

Demgegenüber betont Rektor Müller-Steinhagen immer wieder, die "Mega-Probleme unserer Zeit" könnten nur interdisziplinär von Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften gemeinsam gelöst werden. Auch Prof. Karl Lenz, Prorektor für Universitätsplanung, sieht die Geistes- und Sozialwissenschaften nicht benachteiligt. Lenz verweist darauf, dass die im Zukunftskonzept angestrebten "Open-Topic"-Professuren keinen thematischen Beschränkungen unterliegen und alle Fachgebiete betreffen. Ziel dieser einzigartigen Initiative ist es, "beste Köpfe" nach Dresden zu holen und im Sinne des amerikanischen "Tenure Track" langfristig an die TUD zu binden.

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