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Extra 3-Satiriker Tobias Schlegl als Moslem bei Pegida in Dresden: „Ich habe mich bedroht gefühlt“

Extra 3-Satiriker Tobias Schlegl als Moslem bei Pegida in Dresden: „Ich habe mich bedroht gefühlt“

Wie wäre es, wenn ein Moslem bei Pegida mitdemonstrieren wollte? Der Fernsehjournalist Tobias Schlegl hat das am Montag für das NDR-Satiremagazin „Extra 3“ getestet.

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"Moslems gegen die Verdummung des Abendlandes": Als Moslem verkleidet besuchte Moderator Tobias Schlegl die Pegida-Kundgebung.

Quelle: Tobias Schlegl

Kostümiert als Scheich mit voluminösem Vollbart und weißem Kopftuch mischte er sich unter die Kundgebungsteilnehmer an der Lingnerallee. „Die Pegida-Anhänger sagen immer, dass sie sich nur gegen extremistische Islamisten wenden, nicht aber gegen Ausländer und Moslems generell. Da wollten wir herausfinden, wie es ist, wenn man sich als gemäßigter Moslem an den Demonstrationen gegen Extremisten beteiligt“, sagte Schlegl gegenüber DNN-Online.

Mit einem Kamerateam im Schlepptau fragte der Satiriker Pegida-Sympathisanten, warum sie an der Kundgebung teilnehmen und wovor genau sie Angst haben. „Das hat für viele heftige negative Reaktionen gesorgt. Viele Demonstranten haben sich allein durch meine Montur provoziert gefühlt. Ich musste nur auftauchen, schon waren die Herren auf Zinne. Ich hätte nicht mit solchen Emotionen gerechnet. Aber da weiß man als Satiriker: Alles richtig gemacht!“

Fotos der Pegida-Kundgebung vom 8. Dezember:

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Zuvor hatten sich mehr als 9000 Teilnehmer an der Pegida-Kundgebung beteiligt.

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Obwohl ein Demo-Ordner, der „aussah wie ein Wandschrank“, das Fernsehteam begleitete und allen Befragten zuflüsterte „Das ist Satire!“, äußerten sich zahlreiche Pegida-Anhänger wortreich und deutlich . Manche Kundgebungs-Besucher hätten nicht erklären können, woran sie die angebliche Islamisierung des Abendlandes festmachen, berichtete Schlegl. „Für einige war die Grenze zwischen Moslems und Islamisten verwischt, das war für die das Gleiche – und da geht es dann in die rechte Ecke.“

„Ich habe mich bedroht gefühlt“

Die Atmosphäre auf der Demo und die Reaktionen auf den „muslimischen“ Gast haben Schlegl schockiert, erzählte er. „Als wir einmal richtig in den Pulk reingegangen sind, wurde die Stimmung sehr, sehr aggressiv“, schildert der 37-Jährige. „Da habe ich mich bedroht gefühlt – und ich habe sonst vor kaum etwas Respekt.“ Die laufende Kamera schütze ihn zwar vor Übergriffen, aber einige Umstehende hätten ihm klar signalisiert: „Wenn wir dich ohne Kamera erwischen, dann geht’s zur Sache“. „Ich war froh, als wir wieder im Auto nach Hamburg saßen. Eine Freude war dieser Drehtag nicht.“

Ein heißer Schluck islamische Kultur für fröstelnde Demonstranten

Schlegl bot den Demonstranten auch Tee an – quasi einen Schluck islamische Kultur. Etwa die Hälfte der Angesprochenen hätte das heiße Getränk am eiskalten Abend dankend angenommen – „so weit ging die Islam-Ablehnung dann doch nicht“.

Am Ende der Veranstaltung zückte „Moslem“ Schlegl ein Plakat, auf dem zu lesen stand: „MogediVedA – Moslems gegen die Verdummung des Abendlandes“. Daraufhin hätten Pegida-Ordner die Polizei gerufen, und etwa 20 Beamte hätten ihn von der Kundgebung weg geleitet. „Das war sehr skurril.“

Ein Foto von sich mit Kostüm und Plakat veröffentlichte Schlegl später auf Facebook. „Das Bild hat sofort einen Shitstorm mit hasserfüllten Kommentaren ausgelöst, aber es hat auch sehr viele Likes bekommen“, so der 37-Jährige. Auch zahlreiche Verbände und der Grünen-Bundestags-Abgeordnete Omid Nouripur haben das Bild amüsiert geteilt.

Nachahmer willkommen – aber Vorsicht geboten

Sollten Dresdner die Aktion des Satirikers wiederholen wollen, steht Schlegl dem sehr aufgeschlossen gegenüber. „Warum nicht mal mit zwei oder drei Leuten dort vorbeigehen? Das fänd ich toll – ich kann das jedem nur empfehlen.“ Auch sein Plakat dürfe verwendet werden – „das Copyright gebe ich hiermit frei“, lachte der Moderator des ZDF-Kulturmagazins „Aspekte“. Allerdings sollten die Nachahmer sehr vorsichtig agieren, mahnte er.

Schlegl und „Extra 3“ sind nicht die Ersten, der sich satirisch mit Pegida auseinandersetzen. So schlich sich am 1. Dezember die Partei „Die Partei“ in die Demo hinein und präsentierte ein Transparent, auf dem leicht verschlüsselt „Homofürst“ prangte. Auch die „Heute Show“ des ZDF war schon bei Pegida vor Ort. Zuletzt widmete die ZDF-Sendung „Die Anstalt“ den Pegida-Demonstranten einen längeren Beitrag.

Die Extra 3-Sendung mit Schlegls Pegida-Selbsterfahrungs-Beitrag liefam Mittwochabend im NDR und ist online noch abrufbar.

ttr/sl

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