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Experten der Dresdner Sprengschule sind weltweit im Einsatz

Experten der Dresdner Sprengschule sind weltweit im Einsatz

Günter Fricke, einer der Geschäftsführer der Dresdner Sprengschule, schließt das Tor zum Übungsgelände auf. Es ist ein ehemaliger Steinbruch im Süden der Stadt.

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Der Geschäftsführer der Dresdner Sprengschule GmbH, Dipl.-Ing. Günter Fricke zeigt eine russische Mine.

Quelle: Arno Burgi dpalsn

In der abgelegenen Heidenschanze stört es niemanden, wenn es ab und an kracht - zu Ausbildungszwecken. Hier wird Feuerwerk abgebrannt, in den Bunkern werden kleine Sprengungen ausgelöst. „Auch Bohrlochsondierungen können wir üben“, erläutert Fricke und zeigt auf ein Holzgerüst. In der Erde sind Granaten und andere Sprengkörper vergraben. Mit einem Metalldetektor müssen die Schüler sie finden, erkennen und freilegen.

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Auf dem Sprengplatz kann geübt werden.

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In Baracken lagert Anschauungsmaterial für die künftigen Kampfmittelbeseitiger: Splitterminen, Handgranaten und Artilleriemunition. Die älteste Granate stammt aus dem Jahr 1870, aus der Zeit des deutsch-französischen Kriegs. Mehrere tausend Objekte haben sich im Laufe der Jahre angesammelt. Fricke kennt sämtliche Bezeichnungen und technischen Daten auswendig. Deutsche, russische, französische, amerikanische und britische Geschosse stehen nebeneinander. „Die nehmen sich alle nichts, Krieg ist Krieg“, sagt der Experte.

An der Dresdner Sprengschule werden Experten für Spreng- und Pyrotechnik sowie für die Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung ausgebildet. Weil es nur wenige vergleichbare Lehrgänge gibt, ist das Wissen der Dresdner gefragt - auch weltweit. Gerade ist Fricke aus Katar zurückgekehrt. In dem kleinen Emirat am Persischen Golf hat er gemeinsam mit Kollegen Spezialkräfte der Polizei geschult. Auch in den USA, Angola, Bosnien, Großbritannien und anderen Ländern sind die Dresdner aktiv, oft geben sie Tipps zur Kampfmittelbeseitigung in Krisenregionen. „Die Nachfrage ist da“, sagt Fricke.

Einer der Auszubildenden, die einen Kampfmittellehrgang besuchen, ist Christian Holler. Eigentlich arbeitet er in einem Ingenieurbüro, nun drückt er neun Wochen lang die Schulbank. Für seine Firma lernt er, wie man - etwa auf Baustellen - alte Munition findet und freilegt und die Fundorte anschließend richtig absperrt und evakuiert. Entschärfen dürfen aber nur die Bombenexperten des staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienstes. „Ich gehe mit einer Mischung aus Angst und Respekt an die Sache heran“, sagt Holler. Denn ein Risiko bleibt immer.

Wer einen Lehrgang an der Sprengschule besuchen will, muss Grund- und Fachkenntnisse mitbringen. Neben einem makellosen polizeilichen Führungszeugnis braucht es zudem vor allem eine Voraussetzung: „Starke Nerven“, so Fricke. Denn auch in brenzligen Situationen müssen die Experten einen kühlen Kopf bewahren. Fehler beim Erkennen von Zündern oder einer Sprengladung können tödlich enden. Die Schule hat deshalb eine eigene Munitionsdatenbank mit rund 3800 Einträgen. Darin sind alle technischen Details aufgelistet.

Seit ihrer Gründung 1961 zählt die Sprengschule rund 30 500 Absolventen. Einsatzfelder gibt es genug: Nach Angaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in Sachsen wurden im allein Jahr 2012 noch rund 20 Tonnen Nahkampfmittel und 136 Tonnen Artilleriemunition im Freistaat geborgen. Erst Ende 2013 mussten in Dresden erneut zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. „Wie viel noch in der Erde lagert, kann niemand abschätzen“, sagt der Sprecher des staatlichen Dienstes, Jürgen Scherf.

Die Energiewende hat den Kampfmittelbeseitigern neue Tätigkeitsorte verschafft: Es gibt immer mehr Offshore-Anlagen, vor deren Bau der Meeresgrund auf möglicherweise brisantes Kriegserbe untersucht werden muss. Denn nicht selten haben nach dem Kriegsende 1945 Schiffe nicht mehr benötigte Munitionsbestände einfach in Nord- und Ostsee versenkt. „Ein Problem, das sich nicht von alleine löst“, sagt Fricke.

Als ehemaliger waffentechnischer Offizier der Nationalen Volksarmee der DDR und Experte für Sowjetmunition kennt Fricke sich aus. Anfang der 1990er Jahre kam er an die Sprengschule. Auch wenn er demnächst 64 Jahre alt wird, denkt er noch nicht ans Aufhören. Er präsentiert eine Kammer, in der jede Menge verrostete und ungeordnete Munition lagert. „Das muss ich noch alles aufarbeiten, das werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr schaffen.“

Christiane Raatz, dpa

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