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Experte: Umgang mit viel Geld verlangt Charakter

Experte: Umgang mit viel Geld verlangt Charakter

Menschen träumen von Lottogewinn, Erbschaft oder Glückssträhne im Spielcasino. Eine Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden beschäftigt sich mit dem Phänomen Reichtum.

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Auch viel Geld macht nicht automatisch glücklich, sagt der Vermögensforscher Thomas Druyen.

Quelle: dpa

Dieser verändere zwar das Leben, mache aber nicht automatisch glücklich, sagt der Vermögensforscher Thomas Druyen im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Macht Reichtum glücklich oder erleichtert er nur das Leben?

Antwort: Die Frage ist nicht seriös zu beantworten. Eine Beurteilung des Reichseins ist abhängig von der jeweiligen Kultur, politischen Verhältnissen, Generationszugehörigkeit, der Branche, des sozialen und familiären Umfeldes, von Charakter und Persönlichkeit. Vor dem Hintergrund unserer Vermögensforschung kann ich sagen, dass Reichtum weder automatisch glücklich macht noch zwingend eine Erleichterung des Lebens bedeutet. Beide Optionen sind möglich, aber gemäß meiner Erfahrung nicht überwiegend anzutreffen. Reichtum verändert das Leben. In welchem Maße, hängt auch von der Größenordnung ab. Ein Millionär und ein Milliardär sind Lichtjahre voneinander entfernt.

Strebt die Menschheit von jeher danach oder dreht sich die Spirale gerade besonders schnell nach oben?

Das Streben nach Erfolg und materieller Aneignung ist sicher ein immerwährender Begleiter der Zivilisation und eine Kernenergie der Menschheit. Allerdings war noch nie so viel Geld auch in virtueller Hinsicht unterwegs. Insofern besitzt Geld eine derart dominierende Funktion und Bedeutung, dass es quasi einen religiösen Status angenommen hat. Auf der einen Seite gibt es mehr Reiche und Reichtum als jemals zuvor, auf der anderen Seite individuelle, kollektive und nationale Schuldenexzesse, die einmalig und extrem gefährlich sind. Die Situation ist paradox: nur mit viel Geld kann man am Spiel der extremen Geldvermehrung teilnehmen. Anderseits können zum Beispiel Internetunternehmer in kürzester Zeit ungeahnte Summen verdienen.

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Vermögensforscher Thomas Druyen.

Quelle: Markus J. Feger dpa

Ist das Streben nach Reichtum Laster oder Tugend?

Individueller Reichtum birgt sicher nicht nur Verfügungsmöglichkeiten in sich, sondern auch Verführungen des menschlichen Gleichgewichts und Herausforderungen für den Charakter. Aber strukturell wesentlich bedrohlicher ist die Geldmacht der Finanzbranche und Großkonzerne, die sich eine eigene Mobilitätswelt geschaffen haben. Ob Korruption, Steuervermeidung oder politische Einflussnahme, hier sind teilweise Player am Werk, die sich wie unabhängige Länder verhalten. Positiv und unverzichtbar sind und bleiben unternehmerische Aktivitäten, die der Gesellschaft Arbeitsplätze bringen und leistungsfördernde Energien freisetzen.

Reich ist ja nicht gleich reich - wann wird es kritisch?

Ich unterscheide zwischen reich und vermögend. Der Reiche kümmert sich nur um sich selbst, der Vermögende übernimmt auch Verantwortung für die Gesellschaft. Es gibt also einen quantitativen und einen qualitativen Reichtum. Leider werden die Themen Reichtum und Vermögen sehr undifferenziert behandelt. Der Großunternehmer, der Investor, der Großaktionär, der Vorstandsvorsitzende, die Sportikone, der Filmstar, der Steuerhinterzieher oder der Erbe, alle werden in einen Topf geworfen. Reichtum und Vermögen sind so gut und so wichtig, wie die Menschen, die darüber verfügen, sich ehrenvoll und pragmatisch oder verantwortungslos und gierig verhalten.

Muss man den Umgang mit Reichtum lernen?

Der Umgang mit großem Geld bedarf charakterlicher, familiärer, psychologischer und natürlich kompetenzbedingter Voraussetzungen. Das enthebt auch kein Mitglied einer Dynastie, immer wieder dazuzulernen. Im Kleinen sehen wir es bei Lottogewinnern, da verlieren drei Viertel der Glückspilze alles in drei bis vier Jahren. Grundsätzlich, und das gilt für alle Gesellschaftsbereiche und alle Reichen, wird es die existenzielle Aufgabe der Gegenwart, sich von der Versklavung durch das Geld zu befreien. Entweder dient man weiterhin dem Mammon oder das Geld dient dem Menschen und seiner weiteren Entwicklung. Der einzig gelingende Weg in die Zukunft ist letzterer.

Simona Block, dpa

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