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"Es geht uns schlecht" - Der Innere Neustädter Friedhof in Dresden leidet unter Finanznot

"Es geht uns schlecht" - Der Innere Neustädter Friedhof in Dresden leidet unter Finanznot

Auf vielen Dresdner Friedhöfen zeugen unzählige historische Gräber von den letzten Spuren, die bedeutsame Persönlichkeiten im Stadtbild hinterließen.

Von Jane Jannke

Allein auf dem Inneren Neustädter Friedhof, einem der ältesten lokalen Begräbnisorte, gibt es weit über 100 solcher als schutzwürdig eingestufter Gräber. Der sächsische Kriegsminister von Hausen, die Schokoladenfabrikanten Timaeus und der Bildhauer Robert Diez fanden hier u. a. zur letzten Ruhe. Ihre Grabstätten zu erhalten, kostet vor allem Geld. Geld, das in Zeiten rückläufiger Bestattungszahlen und Einnahmen oft nicht da ist. Viele der teils barocken historischen Wandgräber des 1731 an der Friedensstraße errichteten Friedhofes befinden sich deshalb in erbarmungswürdigem Zustand.

"Wo sollen wir das Geld für die Sanierung hernehmen, wenn nicht einmal für die umfassende Instandsetzung der Wege und Tore genügend übrig bleibt?" Bei Wolfgang Mehmke, dem Verwaltungsleiter des Neustädter Friedhofsverbandes, der die Anlage betreibt, liegen die Nerven blank. Wie viele andere Friedhöfe auch drücken den Verband sinkende Einnahmen in Zeiten, in denen der Trend hin zur möglichst billigen Bestattung geht. Steigende Betriebskosten machen die Misere perfekt. Da tröstet es wenig, dass die Zahl der Beerdigungen seit Jahren konstant bei etwa 80 bis 85 pro Jahr liegt. Als eigenständiger Rechtsträger muss der Verband allein für den Betrieb des Inneren Neustädter sowie des Pieschener Markus- und des St. Pauli Friedhofes sorgen, obgleich sie alle der evangelischen Kirche unterstehen. Alle drei arbeiten derzeit nicht kostendeckend.

Eine Vollzeitkraft und zwei in Teilzeit sowie hin und wieder eine Hilfskraft kümmern sich an der Friedensstraße um den gesamten Friedhofsbetrieb - von der Beerdigung bis zur Grabpflege. "Reserven gibt es nicht, da wir keinerlei Rücklagen haben", sagt Wolfgang Mehmke. Dafür gibt es jede Menge instand zu halten. Für rund 200 der derzeit circa 1500 gebührenpflichtigen Gräber hat der Verband die Grabpflege übernommen. Das reicht vom einfachen Gießen bis hin zur aufwendigen Bepflanzung. Zwischen 70 und 150 Euro zahlen Angehörige dafür pro Jahr. Das entspreche aber längst nicht den anfallenden Kosten, betont der Verwalter. "Wenn wir die tatsächlich kalkulieren würden, würde man uns für verrückt erklären." An so manchem Grab kann man deshalb die harten Zeiten durchaus ablesen. Lösungen für das Dilemma sind zumindest kurzfristig nicht zu haben, denn das Friedhofswesen rechnet in Jahrzehnten. "Jede Entscheidung dauert 40 Jahre, gesetzliche Liegezeiten und Pietätsfristen eingerechnet", so Mehmke. Unrentable Teilflächen von Friedhöfen zu schließen, ist daher nicht so ohne Weiteres möglich.

Wolfgang Mehmkes Hoffnung richtet sich auf das in Arbeit befindliche Friedhofsentwicklungskonzept, das die Stadt gemeinsam mit den drei konfessionellen Trägern und den befassten Behörden erstellen möchte, und das auf die bekannten Probleme reagieren soll. "Wir hoffen auf eine Leitlinie, mit der wir künftig arbeiten können." Die Umsetzung werde allerdings viele Jahre dauern. "Die Stadt möchte hier wirklich etwas tun und dafür auch viel Geld in die Hand nehmen, das begrüßen wir sehr", lobt Mehmke. Doch schon die Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes wird mindestens noch zwei Jahre dauern. Bis dahin wird der Friedhofsverband weiterhin auf Fördermittel angewiesen sein. Doch die sind bekanntlich dünn gesät. Mit Mitteln der EU wurden im vergangenen Jahr das Hauptportal, das Verwaltungsgebäude und ein Teil der Friedhofsmauer entlang der Friedensstraße saniert. Auch die Kirche gibt hier und da etwas dazu. Denkmalsanierung komme angesichts der vordringlichen Probleme im Hauptbetrieb ganz zuletzt. "Es bräuchte mindestens eine sechsstellige Summe, alle unsere Denkmale in Schuss zu bringen." Aber auch hier habe dank der Hilfe des städtischen Denkmalamtes bereits einiges geschafft werden können.

Patenschaften, bei denen Bürger die Pflege eines denkmalgeschützten Grabes in Eigenregie übernehmen und im Gegenzug später einmal eigene Nutzungsrechte anmelden können, sollen helfen, die Probleme abzumildern. "Derzeit haben wir aber lediglich drei bis vier solcher Patenschaften, das könnte etwas besser laufen", bedauert Wolfgang Mehmke. Ohne das ehrenamtliche Engagement einiger Dresdner, ist er sich sicher, sähe es auf dem Inneren Neustädter Friedhof vermutlich weitaus düsterer aus.

- Eröffnet 1731 zwischen Friedens- und Conradstraße in der Leipziger Vorstadt, nachdem der Friedhof an der Dreikönigskirche zu klein geworden war

- Anschrift: Friedensstraße 2

- Betreiber: Neustädter Friedhofsverband (evangelisch)

- 3,5 Hektar groß, mehr als 1500 Gräber, bis heute finden Beisetzungen statt

- 1. Erweiterung nach dem Siebenjährigen Krieg 1759, eine zweite 1846

- Grabstätten berühmter Persönlichkeiten wie: Johann Gottfried Knöffler (Bildhauer), Robert Diez (Bildhauer), Max von Hausen (Sächs. Kriegsminister), Elisa von der Recke (Schriftstellerin), Hans Ludwig von Oppell (Gründer des Hechtviertels) und die Familie Calberla (Unternehmer).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2012

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