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Erste Spenderniere nach 20 Jahren noch funktionsfähig - Dresdner erhielt transplantiertes Organ an Uniklinik

Erste Spenderniere nach 20 Jahren noch funktionsfähig - Dresdner erhielt transplantiertes Organ an Uniklinik

Seinen 31. Geburtstag wird Karsten Dürr nie vergessen. Der Dresdner plante gerade einen Urlaub mit seiner Familie, als zwei Tage nach seinem Ehrentag der erlösende Anruf kam: Im Uniklinikum wartete eine Spenderniere auf ihn.

Dresden.

Viereinhalb Jahre an der Dialyse lagen da hinter ihm. Das neue Organ ist noch immer voll funktionsfähig, auch wenn seit der Operation bereits zwei Jahrzehnte ins Land gegangen sind. Karsten Dürr war 1995 der erste Patient, dem in der Klinik für Urologie am Uniklinikum eine Niere transplantiert wurde.

Der Wirbel um seine Person ist ihm sichtbar unangenehm, der große Auftritt anlässlich des Jubiläums liegt ihm nicht. "Aber das passiert ja nur alle zehn Jahre", schmunzelt er. Fragt man ihn nach seiner Krankheitsgeschichte, sprudelt es plötzlich aus ihm heraus. 15 Jahre alt sei er gewesen, als zum ersten Mal Probleme auftraten. Der Blutdruck war zu hoch. Heute weiß er, dass das ein erstes Anzeichen für eine chronische Nierenerkrankung war. Die Werte waren schlecht, Dürr erhielt Medikamente. Und konnte zehn weitere Jahre ohne große Einschränkungen leben. 1990 ging es nicht mehr. Der Dresdner musste an die Dialysemaschine, die sein Blut drei Mal in der Woche fünf Stunden reinigte.

"Das war für mich die Rettung. Mir ging es besser", blickt er zurück. Aber: Eine Dialysemaschine ist nicht so perfekt wie eine funktionierende Niere, wie es Prof. Dr. med. Manfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, beschreibt. Mit jedem Jahr wird der Patient schwächer, die Gefäße verkalken, eine Transplantation wird zum letzten Ausweg.

Karsten Dürr bekam diesen Ausweg. Es folgten weitere 768 Patienten, die in den vergangenen 20 Jahren eine neue Niere an der Uniklinik erhielten. Die Angst vor einer erneuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes aber bleibt dem heute 51-Jährigen im Hinterkopf. Denn: Das eine transplantierte Niere nach 20 Jahren noch funktionsfähig ist, ist keine Selbstverständlichkeit. "Im Durchschnitt gehen wir von zehn bis 15 Jahren aus", sagt Prof. Dr. med. Christian Hugo, Leiter des Bereichs Nephrologie und damit Nierenspezialist. "Man weiß nie, was passiert. Im Ernstfall müsste ich wieder an die Dialyse. Aber bisher sind meine Werte bei den vierteljährlichen Kontrollen gut", sagt Dürr.

Das liege auch daran, dass Karsten Dürr ein vorbildlicher Patient ist, erklärt Prof. Wirth. Vorbildlich heißt in diesem Fall: Er nimmt seine Medikamente kontinuierlich ein. Unerlässlich, wie die Mediziner sagen. Denn auch nach 20 Jahren nimmt das Risiko, dass der Körper das transplantierte Organ abstößt, nicht ab.

So positiv das Beispiel von Karsten Dürr auch ist, der extreme Mangel an Spenderorganen treibt den Experten Sorgenfalten auf die Gesichter. Derzeit betreut das Dresdner Transplantationszentrum 318 Patienten, die auf eine neue Niere warten. Deutschlandweit stehen mehr als 8000 Erkrankte auf der Wartelisten, weniger als 2000 erhalten schließlich ein neues Organ. Auch wenn die Zahl der Nierentransplantationen im Uniklinikum entgegen dem bundesweiten Trend steigt - 2013 verzeichnete die Einrichtung 52 Operationen, im Vorjahr 76 -, der Mangel bleibt. Nur 20 Prozent der transplantierten Nieren stammen aus Lebendspenden, der Großteil wird nach dem Tod entnommen.

Für Prof. Wirth und sein Team liegt das Problem in dem in Deutschland gültigen so genannten erweiterten Zustimmungsrecht. Das macht eine Organentnahme nach dem Tod erst dann möglich, wenn der Verstorbene diesem Eingriff vor seinem Ableben explizit zugestimmt hat. Hat er das nicht, sind Angehörige in der Verantwortung. "In einer solchen Ausnahmesituation ist diese Entscheidung nicht zumutbar", sagt der Klinikdirektor. Für ihn ist das erweiterte Zustimmungsrecht damit suboptimal. Sein Blick geht in andere europäische Länder nach Österreich oder Spanien zum Beispiel. Dort muss man eine Organentnahme nämlich ausdrücklich verweigern. Die Folgen: In Spanien beispielsweise werden vier Mal so viel Organe transplantiert als in Deutschland.

Einen Befürworter haben die Mediziner in Karsten Dürr ohnehin gefunden: "Warum sollte man ein Organ nicht entnehmen, wenn es lebensnotwendig für andere ist? Ohne meine Transplantation hätte ich viele Dinge nicht erlebt. Ich hätte meine Kinder nicht aufwachsen sehen, meine Enkel nicht kennengelernt, und ich hätte vor zwei Jahren nicht heiraten können."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2015

Christin Grödel

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