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Erst Säge, dann leeres Versprechen – für Sanierung des denkmalgeschützten Touristengartens fehlt Dresden das Geld

Erst Säge, dann leeres Versprechen – für Sanierung des denkmalgeschützten Touristengartens fehlt Dresden das Geld

Nahezu unbemerkt von der Dresdner Bevölkerung hat die Stadt Dresden die Säge an einem Kulturdenkmal angesetzt. An den Kragen ging es der Pergola des sogenannten Touristengartens zwischen Prager und Reitbahnstraße.

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Früher und heute: Einst spendete ein begrünter Laubengang Schatten, heute schaut man auf nackten Beton.

Quelle: DNNOnline Montage

Wo einst Jahrzehnte alter Blauregen einen Laubengang idyllisch überrankte und Schatten spendete, herrscht seit dem Winter gähnende Leere. Lediglich eine Formsteinwand aus Beton steht noch einsam auf der leicht erhöhten Fläche an der Rückseite der Hotels „Bastei“ und Königstein“. Bauzäune schirmten sie bis vor wenigen Tagen vom übrigen Teil des kleinen Parks ab.

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Die Pergola im Touristengarten zwischen Prager und Reitbahnstraße wurde abgerissen, ohne dass Geld für den versprochenen Wiederaufbau vorhanden ist.

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Das Amt für Denkmalschutz begründet die Abriss-Entscheidung vom September 2014 auf DNN-Anfrage mit der mangelnden Verkehrssicherheit: „Die Pergola musste demontiert werden, da sie statisch nicht mehr sicher war und im Ganzen als nicht mehr sanierbar eingeschätzt wurde.“ Pergola samt Kletterpflanzen fielen den Sägen zum Opfer.  „Der Bewuchs sollte außerhalb der Brut- und Pflegezeit entfernt werden, damit brütende und ihre Jungen aufziehende Vögel davon nicht gestört werden“, so das Kultur- und Denkmalamt.

Die Denkmalschützer knüpften ihre Abrissgenehmigung an die Bedingung, dass „sanierungsfähige Teile der Pergola im Lapidarium einzulagern sind“ und „die nicht sanierungsfähigen, originalen Bauteile […] so dokumentiert werden, dass auf Grundlage einer solchen Dokumentation die Möglichkeit besteht, eine Kopie errichten zu können.“ Bis „spätestens Ende 2016“ soll die Pergola wieder errichtet und auch wie im Original bepflanzt sein, sodass „der Gartenraum im Sinne der originalen Intention wieder komplettiert wird“. Ehe die Pergola mit Klettertrompeten, Wildem Wein und Blauregen wieder genauso zugewachsen ist wie einst, wird es dann aber eine Weile dauern.

Trotz Ankündigung kein Geld für Wiederaufbau

Aus dem Wiederaufbau der Pergola im Touristengarten bis „spätestens Ende 2016“ wird wohl ohnehin nichts: „Im laufenden Doppelhaushalt sind keine entsprechenden Mittel durch den Stadtrat bestätigt worden“, erklärte das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft auf eine Anfrage des Altstädter Ortsbeirates Marco Dziallas (Die Linke). Zu den Kosten von Abriss und Wiederaufbau äußerte sich die Stadt nicht. „Eine Kostenschätzung erfolgt im Rahmen des Planungsprozesses“, so das Grünflächenamt an Dziallas. Offenbar existiert noch keine Planung zur Zukunft der historischen Grünanlage. Unklar ist auch, ob die vom Denkmalschutz geforderte Dokumentation tatsächlich durchgeführt wurde.

Unbedingt wichtig wäre das, zählt doch der Touristengarten zu den wenigen fast original erhaltenen DDR-Parkanlagen. Geschaffen wurde er Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre im Zuge der Neugestaltung der Prager Straße. In den Innenhöfen der Hotels „Bastei“, „Königstein“ und „Lilienstein“ entstanden zwei kleine Grünanlagen, in denen sich Dresden-Besucher und Einheimische vom Trubel der Einkaufsmeile erholen konnten – die Touristengärten eben. „Es gab den ‘modernen‘ und den ‘barocken‘ Garten“, berichtet Antje Kirsch von der Freien Akademie Kunst + Bau e.V., die sich seit Jahren vor allem mit Kunst an DDR-Architektur beschäftigt. „Im nördlichen Garten gab es vor allem Plastiken zeitgenössischer Dresdner Künstler, im südlichen waren barocke Plastiken aufgestellt.“ Nachdem der nördliche Touristengarten 2004 einer Baumaßnahme zum Opfer fiel, vermittelte einzig der südliche noch einen lebendigen Eindruck der DDR-Gartengestaltung. Allerdings wurden die barocken Plastiken schon vor längerer Zeit entfernt, nur die Sandsteinsockel blieben stehen. „Wie die Betonpergola gehört auch die 40 Meter lange Formsteinwand aus dem sogenannten Linsenstein zu den zeittypischen architektonischen Elementen und war eine Gemeinschaftsarbeit der Dresdner Bildhauer Vinzenz Wanitschke, Johannes Peschel und Egmar Ponndorf“, ergänzt Kirsch. „Die für die 1960er Jahre typische Bepflanzung aus Laub- und Nadelbäumen, Mispelsorten, Gräsern, Blattschmuck- und Blütenstauden der Hochbeete ist auch für heutige Verhältnisse ausgesprochen vielgestaltig und differenziert.“

Angesichts dieser Bedeutung fordert Kunst-am-Bau-Expertin Kirsch: „Die Stadt muss Verantwortung übernehmen.“ Es könne nicht sein, dass denkmalgeschützte Anlagen ohne konkrete Zukunftsplanung und vor allem ohne Geld für die versprochene Wiedererrichtung abgerissen werden. „Das Objekt ist städtisches Eigentum. Was für ein fatales Signal ist der Abriss für die Zukunft getroffener denkmalpflegerischer Entscheidungen?“

Ein Konzept für den Touristengarten müsse her, schließlich würden grüne Oasen in der Stadt aufgrund des Baubooms immer weniger. „Man darf das nicht von heute aus sehen“, sagt Kirsch mit Blick auf die vielen Wohnungen am Wiener Platz, die gerade entstehen. Zudem hinterlasse die sanierungsbedürftige Parkanlage sicherlich keinen guten Eindruck bei Hotelbesuchern und Touristen, um die Dresden sonst exzessiv buhlt.

Spendensammlung für den Touristengarten?

Sollte tatsächlich kein Geld für eine Sanierung der kleinen Parkanlage im Stadtsäckel aufzutreiben sein, könnte vielleicht eine Spendensammlung weiterhelfen, wie sie das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft 2011 für den Springbrunnen „Der Flugwille des Menschen“ in Johannstadt initiiert hatte. Das allerdings setzt ein klares Bekenntnis zur Erhaltung des Touristengartens voraus. Oder ein offen-ehrliches „Tut uns leid, wir können und wollen das nicht.“

Tanja Tröger

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