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Erfolgsmodell Dreck-weg-Service? Ein Selbstversuch in Dresden

Erfolgsmodell Dreck-weg-Service? Ein Selbstversuch in Dresden

Seit März 2013 können die Dresdner „Dreckecken“ in der Stadt telefonisch oder per Smartphone-App melden. Bis August gingen bei der Verwaltung 2670 solcher Anzeigen ein, Tendenz weiter steigend.

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Quelle: Tanja Tröger

Wie gut der Service funktioniert, hat DNN-Online-Mitarbeiterin Tanja Tröger im Selbstversuch getestet.

Jeden Tag radele ich auf meinem Arbeitsweg durch Dresden an den Tischtennisplatten an der Freiberger Straße vorbei. Manchmal treffe ich mich dort mit Freunden und wir flitzen eine Weile um die Platte. Inmitten der begrünten Industriebrache ist das eigentlich ein schöner Ort für ein bisschen Feierabendsport. Eigentlich. Neben den Betontischen steht nämlich ein Mülleimer, der seit Wochen überfüllt ist. Rund um den Abfallbehälter liegt Unrat verstreut, vor dem kleinen Sportareal stehen seit einigen Tagen sogar ein paar auseinandergebaute Küchenmöbel. Heute reicht es mir. Ich werde die Stadt Dresden via Dreck-weg-Telefon über diese Schmuddelecke informieren. Also tippe ich den „Behördenruf“ 115 ins Telefon und warte.

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An einer Löbtauer "Dreckecke" haben wir den Dreck-Weg-Service der Stadt ausprobiert.

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Vier Versuche brauche ich, ehe ich zu einem Mitarbeiter durchdringe. Zuvor hatte mir jeweils nach einer reichlichen halben Minute Warteschleifen-Dudelmusik eine automatische Stimme mitgeteilt: „Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gerade im Gespräch, bitte versuchen Sie es später noch einmal!“ Das anschließende Besetztzeichen zwang mich zum Auflegen. Inzwischen leicht genervt, schaue ich auf das „Serviceversprechen“, das auf der Internetseite zur Dresdner 115-Servicenummer prangt: „75 Prozent der 115-Anrufe werden innerhalb von 30 Sekunden durch einen Mitarbeiter angenommen, und 65 Prozent werden beim ersten Kontakt beantwortet.“ Wäre interessant zu wissen, wie viele Anrufer es so wie ich zwei-, drei- oder noch weitere Male probieren müssen. „Für Wiederholvorgänge gibt es kein definiertes Serviceversprechen“, lässt mich Stadtsprecher Karl Schuricht später auf Anfrage wissen.

Bei Versuch Nummer vier meldet sich endlich ein Herr Tewes am anderen Ende. Seinem Dialekt nach zu urteilen sitzt er nicht in Sachsen. Richtig, bestätigt die Stadtverwaltung: „Das kommunale 115-Servicecenter der Stadt Dortmund nimmt alle Anrufe, die in der Landeshauptstadt Dresden auf der 115 eingehen, entgegen.“ Herr Tewes tippt lange auf seinem Computer herum, ohne etwas zu sagen. Schließlich brummt er „Warum geht denn das jetzt nicht? Technik!“ und dann entschuldigend zu mir „Technik, die begeistert …“ Dann scheint der Computer doch wieder mitzuspielen, und ich gebe die Adresse des Abfallbehälters durch. Schließlich möchte Herr Tewes noch wissen, ob ich benachrichtigt werden möchte, wenn die Sache erledigt ist. Ja, klar, da bin ich gespannt! Also nenne ich noch meine E-Mail-Adresse. Dann wieder Schweigen – offenbar lahmt die Technik erneut. Nach einigen Sekunden Ruhe sagt der Herr am anderen Ende erfreut: „So, der Vorgang wurde erfolgreich eingereicht!“

Von Donnerstagabend bis Dienstag schaue ich immer gespannt in Richtung Mülleimer, wenn ich die Tischtennisplatten passiere. Dort sieht‘s unverändert dreckig aus. Na gut, liegt schließlich ein Wochenende dazwischen. Am Mittwochmorgen bekomme ich eine E-Mail vom Ortsamt Altstadt: „Hiermit bestätigen wir den Eingang Ihrer DRECK-WEG-Meldung […] zu Sperrmüll und vollen Papierkörben auf dem Grundstück neben Freiberger Straße 109. Die Ermittlung der Zuständigkeit hat etwas länger gedauert.“ In den meisten Fällen werde „die Verschmutzung innerhalb von drei Arbeitstagen beseitigt“, erläutert Stadtsprecher Schuricht. „Die Meldung geht im zuständigen Ortsamt ein. Der Mitarbeiter für Ordnung und Sauberkeit schaut sich – wenn notwendig – den Fall vor Ort an. Danach erfolgt in der Regel der Kontakt zum Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Wenn die reguläre Entsorgung unmittelbar bevorsteht, wird nichts weiter unternommen. Andernfalls beseitigen die Ortsämter die Verschmutzung mit eigenen Kräften gleich vor Ort.“ Falls sich an einem Standort die Müllmeldungen häufen, wie beispielsweise im vergangenen Jahr im Alaunpark, prüfe die Stadt den bisherigen Rhythmus und passe ihn eventuell nach oben an.

Jedenfalls versprach die Mail vom Mittwochmorgen: „Heute wird die Entsorgung des Mülls und die Leerung der Papierkörbe erfolgen.“ Und tatsächlich, als ich am Abend an „meinen“ Tischtennisplatten vorbeifahre, ist der Mülleimer leer und der Sperrmüll verschwunden. Und das Beste: Die Ordnung hält bis jetzt an.

Tanja Tröger

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