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Erbgut der Pillnitzer Kamelie entschlüsselt

Wissenschaftler der TU Dresden auf Spurensuche eines berühmten Baumes Erbgut der Pillnitzer Kamelie entschlüsselt

Wissenschaftler der TU Dresden haben die DNA – also das Erbgut der Pillnitzer Kamelie – entschlüsselt und mit den ältesten Kamelien in Europa verglichen. Jetzt ist klar, dass Reiseführer und Lexika umgeschrieben werden müssen. Denn zwei Theorien und Legenden über die Herkunft der Pillnitzer Kamelie haben sich nicht bewahrheitet.

Blüte einer Pillnitzer Kamelie.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die Pillnitzer Kamelie ist berühmt weit über Sachsens Grenzen hinaus. Doch woher genau stammt das über 200 Jahre alte zu den Teegewächsen zählende Gehölz? Und auf welchem Weg ist es nach Pillnitz gelangt? Darüber diskutieren schon Jahrzehnte Experten, die sich mit Pflanzen und der Kultur- und Gartengeschichte auskennen.

Leider existieren keine Aufzeichnungen über die Herkunft der Pillnitzer Kamelie. „Das botanische Verzeichnis der Gärtner gibt es nicht mehr“, so Roland Puppe, der Leiter des Bereiches Gärten der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG).

So ranken sich verschiedene Theorien und Legenden um den fast neun Meter hohen Baum. Die bekannteste ist die „Thunberg-Legende“. Dieser zufolge brachte der schwedische Botaniker Karl Peter Thunberg 1779 vier Kamelienpflanzen von seiner Japanreise in die Königlichen Botanischen Gärten Kew bei London. Eine Kamelie soll dort geblieben, die anderen drei Exemplare in die Gärten Herrenhausen bei Hannover, Schönbrunn bei Wien und eben nach Pillnitz abgegeben worden sein. „Dann wäre von diesen Pflanzen, die Thunberg mitbrachte, die Pillnitzer Kamelie das einzige überlebende Exemplar“, nennt Christian Striefler einen der Fakten, die an der Legende zweifeln ließen.

Nun ist klar: Die Thunberg-Legende ist falsch. Die Reiseführer und Lexika müssen umgeschrieben werden. Das ist das Ergebnis aufwändiger wissenschaftlicher Untersuchungen an der TU Dresden, die die Schlösser, Burgen und Gärten im November 2012 in Auftrag gegeben hatten. Denn Mitarbeiter der Professuren Botanik sowie Zell- und Molekularbiologie der Pflanzen entschlüsselten das Erbgut der Pillnitzer Kamelie.

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Die über 200 Jahre alte Pillnitzer Kamelie hat die ersten Blüten geöffnet und kann im Kamelienhaus besichtigt werden. Wissenschaftler erforschen derzeit die Herkunft des Gehölzes.

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Das allein ist schon etwas Besonderes. Denn „auf der Erde gibt es bislang nur wenige vollständig genetisch entschlüsselte Pflanzen. Was wir hier machen, ist Grundlagenforschung“, betont Dr. Stefan Wanke, Dozent am Institut für Botanik an der TU Dresden und Leiter des Forschungsprojektes.

Nach der Entschlüsselung der DNA war es möglich, „spezifische Marker“, wie Wanke sagte, mit denen anderer Kamelien aus verschiedenen Regionen Europas und Asiens zu vergleichen. Dafür lieferte nicht nur Matthias Riedel aus den Botanischen Sammlungen der TU in Pirna-Zuschendorf Pflanzenmaterial. Unterstützung gab es unter anderem auch aus Italien und Spanien, wo ebenfalls sehr alte Kamelien wachsen.

Das Ergebnis der Untersuchungen ist, dass die ältesten europäischen Kamelien in Pillnitz, Caserta, Campobello/Vila Nova de Gaia und Greifswald „sehr, sehr ähnlich“ sind, wie Wanke sagte. Das schließe die Thunberg-Legende aus. Ebenso könne man die Theorie, dass die Pillnitzer Kamelie von den Goto Inseln in Japan stammt, zu den Akten legen. „Die Goto-Inseln sind nicht der Herkunftsort. Möglicherweise ist die Pillnitzer Kamelie sehr nah verwandt mit der Schneekamelie, die auf der Westseite Japans beheimatet ist. Wir werden von dort Material in unsere Forschungen einbeziehen“, kündigte der Forscher an. Geholt hat er es schon. Damit ist auch gleich gesagt, dass die Suche nach der Herkunft der Pillnitzer Kamelie nach dem Willen der Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH weitergehen soll.

Warum dieser Aufwand betrieben wird, begründet Christian Striefler: „Die Erforschung der Geschichte unserer historischen Parks und Gärten ist unser Satzungsauftrag. Und er ist eine Herzensangelegenheit.“ „Der historische Garten hier ist wie ein Museum. Die Pflanzen sind – im Gegensatz zu Bauwerken – lebendige Zeugen der Geschichte“, sagt Roland Puppe. Und diese Geschichte sollte man kennen. Bleibt die Fragen nach den Kosten der Studie. Diese betrugen bislang 53 000 Euro und wurden von der SBG finanziert.

Von Catrin Steinbach

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