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Endstation Dresden: Was Asylbewerber nach ihrer Ankunft in der Landeshauptstadt erleben

Endstation Dresden: Was Asylbewerber nach ihrer Ankunft in der Landeshauptstadt erleben

Die Laderampe einer Kaufhalle und ein Parkplatz mit einem hohen Zaun - so sah gestern für knapp 100 Asylbewerber in Dresden die erste unmittelbare Begegnung mit der neuen Heimat aus.

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Mit Kind und Kegel und dem gesamten Hab und Gut in Koffern und Tüten kommen die Asylbewerber in Dresden an.

Quelle: Dietrich Flechtner

Gar nicht schlecht finden das die Verantwortlichen des städtischen Sozialamtes, denn auf dem Supermarkt-Parkplatz ist wenigstens genug Platz für die Busse und das Gepäck der Neuen, die zumeist von Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Chemnitz nach Dresden kommen. So wie gestern: 98 Menschen, darunter etwa ein Dutzend Kinder, trafen am frühen Nachmittag mit zwei Bussen aus Chemnitz ein. Vorläufige Endstation: Die Asylbewerber-Unterkünfte in der Landeshauptstadt. Letzter Halt auf der Reise dorthin war das Sozialamt an der Junghansstraße. 16 Mitarbeiter warteten dort auf die neuen Dresdner. Volles Haus und dennoch zu wenige, ist Silvia Hänsch überzeugt. Denn zu den Neuen kommen noch die bereits in Dresden untergebrachten Asylbewerber, die die Mitarbeiter im Sozialamt ebenfalls betreuen müssen. Eigentlich gibts dafür festgelegte Öffnungzeiten. "Aber die kommen auch, wenn nicht geöffnet ist", sagt Hänsch. Keiner wird dann wieder einfach nach Hause geschickt. Die Asylbewerberbetreuung in Dresden beginnt ganz profan auf dem Supermarkt-Parkplatz. Dort werden die Neuankömmlinge von Mitarbeitern des Sozialamts begrüßt. Mit langen Listen in den Händen ordnen sie die Neuen den Bussen zu, die später auf vorher festgelegten und möglichst kurzen Routen die verschiedenen Dresdner Asylbewerber-Unterkünfte ansteuern. Die Fahrer eines Schneeberger Busunternehmens, die die Neu-Dresdner gestern in die Landeshauptstadt gebracht haben, stöhnten bereits nach der reichlich einstündigen Tour. "Ich habe Tüten verteilt und trotzdem ging es daneben", sagte einer von ihnen über die Übelkeit einiger Fahrgäste. Sein Kollege klagte über vier besonders laute Asylbewerber, die während der Tour aufgestanden sind und auch ihn gestört haben. Sicherheitsleute im Bus? Fehlanzeige! Die Fahrer sind Hausherren und Chauffeure zugleich, müssen sich aber auf das Fahren konzentrieren.

Im Sozialamt sind an solchen Tagen immerhin etwa ein halbes Dutzend Wachmänner vor Ort. "Um beim Sortieren der Neuankömmlinge zu helfen", sagt Torsten König. Schließlich müsse darauf geachtet werden, dass jeder Asylbewerber alle Papiere bekommt und zum Schluss die reichlich 320 Euro, die ihm pro Monat zustehen. Dafür ist die Kasse auch an solchen Tagen geöffnet, an denen sie eigentlich geschlossen bleiben dürfte. "Das ist eigentlich ein normaler Arbeitstag für uns", beschreibt Hänsch die Stunden, in denen die neuen Dresdner ankommen, "wir sind gut vorbereitet". Schwierig wirds zuvor, wenn noch Änderungen aus Chemnitz nachgereicht werden. Dann wird die Verteilung der Asylbewerber in die Unterkünfte schnell zu einem komplizierten Puzzle. Schließlich müssen Nationalitäten zusammenpassen und Familien sollen zusammen bleiben. "Bis jetzt lief es immer reibungslos, aber langsam wird es eng", erklärt sie die Situation in den Unterkünften. Und ja, es sei auch schon vorgekommen, dass sich Asylbewerber sträuben, eine Unterkunft zu beziehen. Sei aber die Schwellenangst genommen, dann gebe es keine Probleme mehr. Ihre Erfahrung lehrt mittlerweile: Allein reisende Männer seien oft in Asylbewerberheimen besser aufgehoben als in Wohnungen. "Manche wollen da dann gar nicht mehr weg", hat sie schon erlebt.

Einen "Antrag auf Gewährung von Leistungen", einen Termin für die Ausländerbehörde, einen Krankenbehandlungsschein und den ersten Monatsbetrag in bar bekommen Asylbewerber bei Silvia Hänsch und ihren Kollegen. Keine fünf Minuten dauert das pro Person. "Wir hätten gern mehr Zeit", bedauert Hänsch diese Willkommenskultur im D-Zug-Tempo. "Das läuft wie am Fließband und ich hätte auch gar nicht mehr Zeit", bedauert die Sachbearbeiterin. Letztlich sei das eine Frage der Mitarbeiterzahl. Und nach etwas Zögern räumt sie ein: "Wir sind zu wenig."

Dennoch konnten die zwei Busse gestern schon nach jeweils rund einer Stunde Wartezeit weiterfahren. Jetzt ist es wieder ruhiger im Sozialamt - bis zur nächsten Busankunft aus Chemnitz. Mehrere Termine im März sind bereits avisiert. Reichlich 50 Asylbewerber könnten bis dahin aus der Dresdner Kartei verschwunden sein, weil ihr Antrag abgearbeitet und beschieden wurde. Fünf Mal so viele sind allein im Februar in Dresden angekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.02.2015

Christoph Springer

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