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Einen Tee und ein Platz zum Schlafen - Wie leben Obdachlose in Dresden?

Nachtcafés Einen Tee und ein Platz zum Schlafen - Wie leben Obdachlose in Dresden?

Es sind gerade einmal zwei Grad über Null, der Wind pfeift eisig durch die Stadt. Punkt 19 Uhr steht Alice an diesem Abend vor der Tür des Nachtcafés an der Dreikönigskirche. Die junge Frau schläft jede Nacht in einer anderen Unterkunft für Obdachlose, denn eine eigene Wohnung hat sie nicht.

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Quelle: Anja Schneider

Dresden. Es sind gerade einmal zwei Grad über Null, der Wind pfeift eisig durch die Stadt. Punkt 19 Uhr steht Alice an diesem Abend vor der Tür des Nachtcafés an der Dreikönigskirche. Die junge Frau schläft jede Nacht in einer anderen Unterkunft für Obdachlose, denn eine eigene Wohnung, ein eigenes Bett hat sie nicht. Sie lebt auf der Straße. „Ich habe Mist gebaut und viele Drogen konsumiert, über Jahre. Irgendwann musste ich dann raus aus meiner Wohnung“, erzählt die 33-Jährige.

In Nachtcafés, die jeden Abend an einem anderen Ort im Stadtgebiet öffnen, können die Wohnungslosen schlafen, bekommen eine warme Mahlzeit sowie einen heißen Tee. Auch eine Waschmaschine steht zur Verfügung. Am meisten vermisst Alice ihre zwei Kinder, die beide nicht bei ihr leben. „Meine Tochter ist erst ein paar Monate alt und lebt in einer Pflegefamilie. Das habe ich selbst so entschieden, bis ich mein Leben wieder im Griff habe“, sagt sie. Ein- bis zweimal in der Woche sieht sie ihr Baby im Rahmen eines begleiteten Umgangs. Das heißt, die Pflegeeltern oder ein Betreuer vom Jugendamt sind dabei. Ihr großer Sohn aus einer vorangegangen Beziehung lebt ebenfalls nicht bei ihr. Momentan sei sie im regelmäßigen Kontakt mit dem Jugendamt, irgendwann sollen ihre Kinder wieder bei ihr sein.

Die nächsten Schritte auf dem Weg in eine „geordnetere“ Zukunft sind für Alice eine Entgiftung und eine dann hoffentlich erfolgreiche Therapie. Gut aufgehoben fühlt sich die junge Frau jetzt schon bei den Mitarbeitern der Treberhilfe. Der Verein kümmert sich im Stadtgebiet um wohnungslose Menschen und ist in der Kinder- und Jugendhilfe aktiv. Die Gründe, warum Jugendliche oder junge Erwachsene „auf der Straße landen“, sind vielfältig, erzählt Geschäftsführer Dieter Wolfer. „Viele verlieren ihre Wohnung kurz nach dem Verlust ihres Jobs, andere flüchten auf die Straße vor Streitereien in der Familie.“ Auch die Erfahrung mit Gewalt und sexuellem Missbrauch lässt die jungen Menschen von Zuhause abhauen. Drogen und Alkohol spielen in manchen Fällen eine Rolle ebenso wie Schulprobleme. Manche entscheiden sich auch bewusst für ein Leben auf der Straße, weil sie sich nicht mit Sozial- und Arbeitsamt auseinandersetzen wollen, weiß Wolfer.

Die Treberhilfe setzt in ihrer Sozialarbeit auf persönlichen und direkten Kontakt. Jede Woche macht der Sozialbus an verschiedenen Orten in der Stadt Station, je nach Altersgruppe ist er „Spiele- oder Kältebus“. Es werden im Alaunpark und am Dr.-Külz-Ring warme Getränke und Mahlzeiten an die Obdachlosen verteilt. „Zum Bus kommen zu 50 Prozent Jugendliche, zur anderen Hälfte Migranten aus EU-Staaten“, berichtet Wolfer. Der Bus wird nicht ausreichend gefördert, so dass viele Sponsoren notwendig sind und gesucht werden. Hier versuchen die Streetworker mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre Hilfe anzubieten. Die Angebote der Treberhilfe reichen dabei von sogenannter Einzelfallhilfe, das heißt gemeinsame Ämtergänge und intensive Gespräche, über Gruppenangebote wie Kochen und Ausflüge.

Weitere Anlaufpunkte für Kinder und Jugendliche sind der Abenteuerspielplatz Panama in der Neustadt, die Streetwork City, das Westhangmobil Gorbitz, eine kleine stationäre Wohngruppe und Hilfen zur Erziehung. Außerdem vertritt der Verein die Interessen der Jugendlichen und Wohnungslosen in Gremien, wie Stadtteilrunden und tragen diese über den Paritätischen Wohlfahrtsverband in den Jugendhilfeausschuss.  „Die Situation für Obdachlose wird immer schlimmer in Dresden, die Menschen werden verprügelt und zum Teil von ihren Schlafplätzen vertrieben“, ärgert sich der Streetworker.

Erfolgreich betreibt die Treberhilfe Dresden die sogenannte Straßenschule an der Königsbrücker Straße, hier sollen Schulverweigerer und Abbrecher neu an das Lernen herangeführt und zu einem Schulabschluss begleitet werden. Nach dem Unterricht mit ehrenamtlichen Pädagogen können die „Straßenschüler“ ihre Haupt- oder Realschulprüfung als Externe an einer Regelschule ablegen. Dieter Wolfer hofft, dass das Projekt auch nach dem Ablauf der Pilotphase weiter gefördert wird.

von Julia Vollmer

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