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Eine runde Sache - Dresdner Wälzlagertechnik sorgt für Finish von Hochleistungsmaschinen

Eine runde Sache - Dresdner Wälzlagertechnik sorgt für Finish von Hochleistungsmaschinen

Maschinen scheinen manchmal ein magisches Innenleben zu pflegen, sind widerborstig, ohne dass eine vernünf- tige Fehlerursache zu finden ist - wer einen PC sein Eigen nennt, kann dies bestätigen.

Und auch wenn dies Computernutzer vielleicht wenig tröstet: Hochprofessionellen Industrieingenieuren geht es manchmal nicht anders.

"Seit die großen Maschinenbauer auf digitale Antriebe umgestiegen sind, passierte es häufig, dass sich einzel- ne der in komplexen Anlagen verbauten Wälzlager immens schnell abnutzten", erzählte Geschäftsführer Michael Schwarz von der Wälzlagertechnik (WLT) Dresden beim Besuch von Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) über solch ein Beispiel für "Maschinenmagie". Nach einiger Knobelei fanden die Ingenieure das Problem: Die neuen digitalen Steuerungen gaben den rotierenden Teilen in kurzer Folge Befehle wie "An" und "Aus". Per elektromagnetischer Induktion führten diese Signale zu kleinen Stromflüssen in den Kugellagern, die wieder zu Lichtblitzen. Dies verschweißte die Kugeln in den Wälzlagern, die sich dann beim nächsten Maschinenanlauf wieder losrissen. "Die Folge war, dass sich in den Wälzlagern in kurzer Zeit regelrechte Kopfsteinpflaster bildeten", berichtete Schwarz. Weshalb dieser Effekt allerdings nur in einigen Kugellagern auftrat, bei anderen aber nicht, ist bis heute noch nicht abschließend geklärt.

In solchen Fällen kommen die Experten der Dresdner Wälzlagertechnik zum Einsatz: Sie ersetzen in den betroffenen Lagern die Stahlkugeln durch Keramikpendants - die sind leichter, lassen sich durch Induktion nicht beirren und sind bis auf den Zehntelmikrometer präzise. "Dagegen sind Glashütter Uhrenmanufakturen Grobschmieden", meinte der Wälzlagerchef augenzwinkernd. Allerdings sind diese Keramikausführungen auch etwa zehnmal so teuer wie ihre Stahl-Kollegen.

Doch gerade solches Know-How, Probleme zu lösen, hat den Dresdnern eben solche Kunden wie die Chipfabriken von Infineon, den Hightech-Anlagenhersteller "Von Ardenne" oder die Elbe-Flugzeugwerke eingetragen: "Wer sich mit seinen Anlagen von der Konkurrenz abheben will, muss an vielen kleinen Stellschrauben drehen, um seine Maschine besser, schneller oder langlebiger zu machen", so Schwarz. "Und optimal eingestellte Kugellager sind ein ganz wichtiger Punkt."

Da sind dann die besonderen Werkstoffe, die modernsten Konstruktionsprinzipien und idealen Schmierstoffe gefragt, mit denen die "Wälzlagertechnik" dafür sorgen, dass von ihnen optimierte Anlagen wirklich "rund" laufen und besondere Leistungen bringen. "Unsere Wälzlager kommen auf die dreifache Lebensdauer wie Standardprodukte", sagte er WLT-Chef.

Gebaut ist dieses Versprechen auf jahrelange Erfahrung und moderne Ausrüstung. Nach seinem Maschinenbaustudium an der TU ("Da sollte ich eine automatische Kisten-Zusammennagelmaschine konstruieren, bekam in der DDR-Mangelwirtschaft aber nirgends Kugellager") gründete Schwarz 1990 die WLT in einem ehemaligen VEB-Clubraum an der Grenzstraße und scharte seitdem Experten um sich. 1997 zog das wachsende Unternehmen in eine frühere Möbelfabrik im verwinkelten Industriegelände Dresden-Nord um und investierte dort. Ein neues Bürogebäude wurde kürzlich eingeweiht, im Zuge des "Ökoprofit"-Projektes kamen Wärmepumpen, LED-Technik und andere energiesparende und umweltschonende Details hinzu. Und Schwarz ließ auch besondere Messtechnik in der Produktionshalle installieren. Die misst den ruhigen Lauf von Wälzlagern so präzise, dass die WLT inzwischen auch Prüfaufträge von Bosch, Thyssen-Krupp und anderen Branchengrößen erhält.

Das Unternehmen ist zwar eher klein geblieben, beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter bei zwei Millionen Euro Jahresumsatz, hat sich aber in seiner Nische vor allem unter mittelständischen Kunden einen guten Ruf erarbeitet. "Wir liefern Qualität und auch kleinere Serien, für die die großen Wälzlager- fabriken gar nicht erst ihre Taktstra- ßen anschalten würden", erklärt sich Schwarz diese Erfolgsgeschichte. Und die will er fortschreiben: Seit einiger Zeit kümmert sich die WLT auch um die Regeneration von Roboter-Baugruppen und demnächst werden noch mal rund 150 000 Euro in neue Lager- und Laserschweißtechnik investiert.

@www.waelzlagertechnik.eu

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.08.2013

Heiko Weckbrodt

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