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Eindrücke von der vierten Auflage der Lesemesse "Schriftgut"

Eindrücke von der vierten Auflage der Lesemesse "Schriftgut"

"Feder und Papier entzünden mehr Feuer als alle Streichhölzer der Welt", meinte einmal der amerikanische Verleger Malcom Stevenson Forbes. Und es war als Sinnspruch auch auf einer (Post-)Karte zu lesen, die auf der Lesemesse "Schriftgut" erworben werden konnte.

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Die Gelegenheit, mit Verlegern zu kommen, Bücher zu kaufen oder einfach nur zu gucken wurde von vielen Messebesuchern genutzt.

Quelle: Christian Ruf

Dresden. Auch diese Lesemesse, die von Freitag bis Sonntag in Halle 3 der Messe Dresden über die Bühne ging, kann insofern als ein gefährlicher Ort erachtet werden, ist hier doch an Papier kein Mangel, ob nun bedruckt oder noch unbedruckt. Aber auch sonst lag hier und da Unheil (scheinbar) in der Luft. "Vorsicht. Bissiger Verleger" stand etwa warnend auf dem schwarzen T-Shirt eines Verlagsangestellten; und auf einem Aufsteller wurde unter dem Motto "Dresden zum Gruseln" für ein Buch geworben, in dem es um "Licht & Schatten einer alten Stadt" ging, um Geister, Gauner und sonstiges Gesindel, das anno dazumal sein Unwesen trieb.

Es war die vierte Auflage von "Schriftgut". Bücher wurden vorgestellt, Vorträge gehalten, Workshops durchgeführt. Einmal mehr lud eine "Moderne Antiquariatsmeile" zum Stöbern und Entdecken. Wer den DDR-Klassiker "Illustrierte Geschichte der frühbürgerlichen Revolution" immer noch nicht im Bücherschrank stehen hat - hier hätte er ihn erwerben können. An einem Stand wurde für neue "Spiegel"-Abonnenten geworben, an einem anderen machte der Bund für deutsche Schrift und Sprache e.V. unter dem Motto "Kultur erhalten - Kultur gestalten" auf seine Anliegen aufmerksam. Kann nie schaden in einer Zeit, in der eine staatliche Kommission von Sprachverschlimmbesserern mittels einer Rechtschreibereform der Gesellschaft die orthografischen Gewissheiten ausgetrieben hat.

Gut 20 Verlage nahmen in diesem Jahr an "Schriftgut" teil. Manche erstmals wie der auf Krimis spezialisierte fhl-Verlag aus Leipzig oder auch die Macher des zweimal im Jahr mit einer Auflage von 2500 Exemplaren erscheinenden Hiddensee-Magazins. Herausgeber sind Frank Dehlis und Stefan Großmann, Verlagssitz ist - man staune - Dresden. Eigentlich hatte man schon im vorigen Jahr auf der "Schriftgut"-Messe dabei sein wollen, räumte Dehlis ein. Was ihn freute, waren das Engagement der Organisatoren und deren Blick fürs scheinbar nebensächliche Detail.

Bereits zum vierten Mal beteiligte sich hingegen Michael Schmidt vom Sonnenblumen Verlag aus Radebeul an der Schriftgut-Messe. Für ihn, Mädchen für alles seines eigenen Ein-Mann-Betriebes, machte es die "ausgewogene Mischung" aus Gesprächen mit Besuchern einerseits und der Möglichkeit des Verkaufs der von ihm verlegten Bücher andererseits. Die Organisation der Messe sei professioneller geworden, erfreut nahm er auch zur Kenntnis, dass mehr Werbung gemacht wurde. Er hat getan, was er konnte, um seinen gegenüber den Vorjahren von zwei auf vier Meter vergrößerten Stand attraktiver zu machen.

Dass in den anderen Messe-Hallen parallel die Spielemesse "Spielraum" stattfand, gereichte dem Bücherwürmer- & Leseratten-Treffen von Vorteil. Zwei Messen zum Preis von einer - das überzeugte außer Sprach- auch Sparfüchse. Nicht wenige, zumal Kinder, die nicht einfach "merkeln", also nichts tun wollen, schauten auch hier mal vorbei, blieben hängen, nutzten die vielfältigen Angebote. "Es gibt Schnittmengen zwischen den Besuchern der jeweiligen Messen, viele Kinder, die in den anderen Hallen Computerspiele gespielt haben, sind erstmal satt und nutzen die Möglichkeit, bei diversen Mitmachangeboten sich auf ein ganz anderes Medium einzulassen", meinte Peggy Salomo, Verlegerin und zuständig für die Projektbetreuung.

In der Tat: Für Jung- und Noch-nicht-Leser wurde eine Kinderbühne "Märchenwald" aufgebaut - u.a. baten Martin Hergert und Ines Lauterbach zur Mitmach-Märchenlesung "Die Apfelmaus". Die Pulte des Schulmuseums, das im großen Stil Präsenz zeigte, waren ebenso dicht besetzt wie die Stände der Buchbinder-Landesinnung Sachsen. Aber auch weniger bibliophil Veranlagte fanden etwas, das sie verweilen ließ, die Halle 3 wurde doch auch von einer Modelleisenbahn oder einem Wagen des Kurzfilmkinos Funkelfix gefüllt. Auf einer Schiefertafel wurde versichert, dass der Eintritt frei, für den "Austritt" aber eine Spende erwünscht sei.

"Schriftgut" will keine kleine Messe neben der in Leipzig und auch "keine Bücherschau im engeren Sinn" sein, sagte Peggy Salomo. Sie freute sich über "die große Unterstützung der Messeleitung", was sie bedauert, ist, dass etliche Dresdner Verlage durch Abwesenheit ",glänzten", manche nicht mal antwort(et)en auf ihre Anfrage. Irritiert musste Salomo auch zur Kenntnis nehmen, dass sich der Zuspruch der Messebesucher bei Lesungen renommierter Autoren in Grenzen hielt. Die Lesung von Büchnerpreisträger Reinhard Jirgl im vergangenen Jahr war zu ihrem Erstaunen wie Kummer schwach besucht, besser seien da Lesungen von Autoren aus der Region gelaufen. Dem trug man Rechnung. Am Sonnabend stellten Jens Wonneberger und Norbert Weiß ihr Buch "Prominente in Dresden" vor, ebenso konnte man Michael Wildenhain, dem diesjährigen Dresdner Stadtschreiber, oder auch den Lyrikern Jayne-Anne Igel und Volker Sielaff lauschen. Aber man kann es drehen und wenden, wie man will, auch hier hielt sich Zuspruch vergleichsweise in Grenzen, mochte etwa das aufgebaute Amphitheater auch ein richtig stilvolles Ambiente abgeben.

Im nächsten Jahr veranstaltet die Messe Dresden Spielraum und die Schriftgut vom 28. bis 30. Oktober.

von Christian Ruf

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