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Einblicke ins Dresdner Uniklinikum: Das "Nervensystem" liegt unter der Erde

Einblicke ins Dresdner Uniklinikum: Das "Nervensystem" liegt unter der Erde

Sie gelten als Nerven des Dresdner Uniklinikums: Über drei Kilometer erstrecken sich die unterirdischen Gänge unter dem Gelände in der Johannstadt. Das Tunnelsystem verbindet 33 Häuser und liegt etwa einen halben Meter tief in der Erde.

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Auch wenn sie grau daherkommen, für die Patienten des Uniklinikums sind sie überlebenswichtig. Die drei Kilometer langen Tunnel beherbergen Versorgungsleitungen. Techniker Tino Klügel kennt die Gänge wie seine Westentasche. Hier prüft der Fachmann ein Ventil.

Quelle: Carola Fritzsche

Dort, wo Mediziner früher Patienten transportierten, lagert heute Infrastruktur des Klinikums. Anders als zur Flut 2002 blieben die Versorgungsschächte und -kabel diesmal jedoch ohne Schäden.

Draußen wehen die Blätter der Bäume idyllisch im Wind. Drinnen warten Tausende Rentner, Kinder und Babys auf ihre Besserung. Doch nicht nur die - auch junge Mütter, Unfallopfer, chronisch Kranke, Süchtige und von Erbleiden Gequälte legen ihre Hoffnung in die Hände der Mediziner, in die Arme der Pfleger und die Wirkweise modernster Technik. Knapp 4000 Mitarbeiter versorgen etwa 400 000 Patienten im Jahr. Ihre Kompetenz ist überlebenswichtig, doch sie allein reicht nicht aus. Patienten brauchen Wärme und Wasser, die riesigen OP-Anlagen benötigen zuverlässigen Strom und präzise Datenmengen. Ohne Computerbilder wären weder Diagnostik, geschweige denn eine Operation möglich.

Elektroleitungen im Sandkanal

Der kaufmännische Vorstand Wilfried Winzer und der technische Direktor des Uniklinikums, Steffen Kluge, öffnen für die DNN die unterirdischen Gänge, wo die Versorgungsleitungen lagern. Wir fahren hinab im Verwaltungshaus, modern mit dem Fahrstuhl. Direktor Kluge zückt die Schlüssel, die Zutritt gewähren. Unten angekommen, sieht es ein bisschen aus wie im Keller eines Neubauhauses. Sauber, trocken, angenehm temperiert, aber eng. Schwer vorzustellen, wie hier in den Anfangsjahren des Stadtkrankenhauses Johannstadt die Patienten entlang bugsiert worden sind, von Haus zu Haus, im Keller, doch geschützt vor Regen, Wind und Wetter.

"Das ist heute selbstverständlich nicht mehr möglich", erklärt Vorstand Winzer. Die Gänge seien viel zu eng, zudem gebe es an manchen Eingängen nur Treppen. "Stattdessen sind die Tunnel heute ein wichtiges Element für die technische Infrastruktur", sagt er.

Direktor Kluge geht voran. Es sieht immer noch aus wie im Neubau. Doch plötzlich liegt sie vor uns: Die Weite eines Tunnelsystems mit einer Fläche von 6000 Quadratmetern. Der Gang, der unseren Weg kreuzt, scheint aus der gleichen Unendlichkeit zu kommen, in die er wieder entschwindet. Dicke Edelstahlrohre für Fernwärme säumen die Wände. Daneben wirken die Wasserleitungen und die riesigen Glasfaserkabel geradezu minimalistisch. Außerdem gibt es noch: Sauerstoff und Druckluft und natürlich Strom. Kluge streicht über die Leitungen. Sie haben ihn in vergangener Zeit vor große Herausforderungen gestellt. Neue Brandschutzbestimmungen erforderten kostenintensive Umstrukturierungen. Deswegen sind einige Elektroleitungen jetzt in einem Sandkanal verschwunden, der mit Beton verschlossen ist. Die Flammen müssten sich also durch Betonbarrieren durchfressen, ehe sie den Leitungen auf den Leib rücken können.

Elektrizität gehört zu den wichtigsten Ressourcen: Ohne Strom kann keine Operation durchgeführt werden, sämtliche Überwachungstechnik ist von Strom abhängig, ebenso alle medizinischen Geräte und Diagnosetechnik. Das Uniklinikum gehört zu den größten Verbrauchern der Landeshauptstadt. "Im Jahr benötigt es 37,5 Gigawatt Elektroenergie im Wert von 5,9 Millionen Euro", sagt Winzer. Das sei etwa so viel Strom wie eine Kleinstadt verbrauche.

An der nächsten Kreuzung haben wir die Gruppe verloren. Es geht nach vorn, nach hinten und nach links. Unsere Rufe verhallen ungehört, Mobiltelefone funktionieren nicht. Die Entscheidung fällt für geradeaus. Wir passieren eine dicke Eisentür, eingebaut nach der Flut 2002. Ausgestattet mit einem runden Bullauge erinnert sie an sinkende Schiffe. Mit Wasser haben die Türen in der Tat zu tun: Sollten die Gänge bei einer neuen Flut volllaufen, funktionieren die insgesamt 36 Türen wie Schleusen. Peu à peu können so die Tunnel abgeschottet werden, um schlimmste Schäden zu verhindern. Denn nur wenige Meter weiter oben liegen die Patienten, für die Infrastruktur überlebenswichtig ist. Strom, Wärme, Wasser, Daten und Telefongespräche müssen genau dort angekommen, wo sie gebraucht werden, zielgenau, ohne Verluste, erst Recht ohne Schäden. Wie Adern durchziehen die Leitungen das Gelände des Uniklinikums. Sie transportieren den Stoff für das Leben, für das Weiterleben, für das ganze Klinikum überhaupt. Wie durch ein Labyrinth schlängeln sich die alten Tunnel, verhaken sich in einem nur scheinbaren Gewirr an unterirdischen Kreuzungen und pumpen lebenswichtige Ressourcen durch die Erde. Zur Jahrhundertflut im Jahr 2002 kam das Versorgungssystem ins Wanken. Grund- und Abwasser drückte in die Gebäude, ein Teil des Klinikums musste evakuiert werden.

Pumpen und Rückstauklappen

Bei dieser Flut hat das Klinikum jedoch keinen Schaden genommen. "Die Maßnahmen haben voll und ganz gegriffen", erklärt Vorstand Winzer. Maßgeblich dafür sei vor allem das neue Hochwasserpumpwerk in der Johannstadt. Dieses habe die Kanalisation vor einem Kollaps bewahrt. Unter der Uniklinik befindet sich der Regenwasser-Hauptsammler von Striesen. Beim Hochwasser 2002 reichte die Kanalisation nicht aus. "Unmengen von Wasser drückten von unten in Tunnel und Gebäude", erinnert sich Winzer.

Diesmal sei jedoch alles ohne Probleme verlaufen. "Wir standen in engem Kontakt mit den Wasserwerken", sagt Winzer. Zudem hätten sich die Investitionen von mehreren Millionen Euro bezahlt gemacht. Unter anderem sind Pumpen und Rückstauklappen in das Abwassersystem installiert worden. Außerdem hat sich das Klinikum für eine halbe Million Euro ein gigantisches Fahrzeug mit mobiler Netz-Ersatzanlage zugelegt. Dieses soll neben stationären Stromaggregaten die Notfall-Versorgung sichern.

Jetzt stehen wir an der Anschlussstelle für das neue chirurgische Zentrum. "Die Versorgungsleitungen und Medien werden zuerst gelegt", erklärt Winzer. Zehn hochmoderne OP-Säle sowie eine neue Rettungsstation sollen entstehen. Sie alle brauchen Strom, Datenleitungen, Fernwärme und vieles weitere - für die Menschen, ihre Gesundheit, das Leben und den Sieg über die Krankheit. Die Lebensadern der Uniklinik liefern den Saft dazu.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2013

Katrin Tominski

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