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Ein modernes Palais am Neumarkt

Neue Architekturdebatte in Dresden Ein modernes Palais am Neumarkt

Viele Dresdner haben auf einen historischen Wiederaufbau des “Palais Riesch“ am Neumarkt gehofft. Der Investor CG Gruppe erteilte diesen Wünschen eine klare Absage. Die Fassade soll modern werden. Umstritten ist sie allemal. So dass der Investor ein Nachdenken ankündigte.

So stellt sich die CG Gruppe die Rampische Straße vor.

Quelle: Visualisierung: CG Gruppe

Dresden. Die Enttäuschung war riesengroß: Der Investor CG Gruppe präsentierte seine Pläne für den Wiederaufbau des Palais Riesch am Neumarkt an der Rampischen Straße, und CG-Vorstandsvorsitzender Christoph Gröner erklärte: „Wir halten eine historische Fassade nicht für realisierbar. Wenn die historische Fassade kommt, ist eine Nutzung nicht möglich und das gesamte Projekt funktioniert nicht.“

Gemeint ist Quartier III/2 am Neumarkt, auf dem Gröner 240 Wohnungen, 380 Tiefgaragenstellplätze und 8530 Quadratmeter Gewerbefläche für 136 Millionen Euro errichten will. Gröner legte sich nicht nur zur Fassade für das „Riesch“ fest. Er erklärte auch: „Die Fertigstellung des Quartiers ist für das vierte Quartal 2018 geplant.“

Er habe den Wiederaufbau des „Palais Riesch“ umfangreich prüfen lassen und die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) eingeladen, realisierbare Entwürfe zu präsentieren. Der von der GHND beauftragte Architekt habe aber nur Konzepte vorgelegt, die nicht genehmigungsfähig seien. „Da stimmten weder die Raumhöhen noch die Lichtverhältnisse in den Wohnräumen“, so Gröner. Beim Versuch, zu retten, was nicht zu retten sei, habe der Architekt die Fassade auch noch gestreckt und damit völlig aus ihrem historischen Kontext gerissen.

Das Problem beim „Riesch“ seien die Deckenhöhen von bis zu fünf Metern. „Das lässt sich nicht wirtschaftlich betreiben. Da fallen Betriebskosten von drei bis vier Euro pro Quadratmeter an“, so der Vorstandsvorsitzende. Er machte noch eine andere Rechnung auf: Die CG Gruppe baue an der Landhausstraße das „Palais Hoym“ nach historischem Vorbild auf. Das Gebäude sei genauso schwierig wie das „Riesch“. „Es fließen erhebliche Quersubventionen, damit das Hoym entstehen kann.“ Mit rund fünf Millionen Euro würden die anderen elf Grundstücke im Quartier III/2 das „Hoym“ mitfinanzieren.

In dem Palais an der Landhausstraße entsteht ein Hostel, das die CG Gruppe mit einer eigenen Gesellschaft betreiben wird, wie Gröner ankündigte. Er sei auch offen für alternative Nutzungen im „Palais Riesch“, aber bisher sei ihm nichts vorgelegt worden. „Wir planen mit Wohnungen, und dafür müssen wir entsprechende Anforderungen erfüllen.“

Die Gestaltungskommission habe sich bei einer Gegenstimme, einer Enthaltung und sechs Ja-Stimmen für einen Entwurf der Architekten Dähne und Pfau entschieden. Dieser Pläne würden das alte „Riesch“ aufnehmen und in eine zeitgemäße Formensprache übersetzen. Gröner erklärte sich bereit, einen neuen Wettbewerb unter der Prämisse einer modernen Fassade auszuloben. Ergebnisse sollen Ende April vorliegen. 200 000 Euro habe er schon in die Planungen investiert, jetzt würden mindestens noch einmal 60 000 Euro dazukommen.

„Ich bin fassungslos“, erklärte Torsten Kulke, Vorstandsvorsitzender der GHND. „Ich halte es für falsch, die historische Fassade zu verwerfen.“ Die GHND werde das historische „Riesch“ so schnell nicht aufgeben. „Wie wir uns Gehör verschaffen, wissen wir noch nicht.“

„Wenn modern gebaut werden muss, dann ist das so“, erklärte Tilo Wirtz, baupolitischer Sprecher der Linken im Stadtrat. „Aber modern heißt nicht schlecht. Dieser Entwurf ist unmöglich.“ Thomas Löser, baupolitischer Sprecher der Grünen, sagte, er bedauere es, dass das „Riesch“ nicht historisch aufgebaut werden könne. „Wir brauchen am Neumarkt eine gewisse Gefälligkeit, die dieser Entwurf mit seiner starken Betonung des Horizontalen nicht bietet.“

Gunter Thiele, baupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, kann mit einer modernen Fassade wenig anfangen. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir eine historisch gestaltete Fassade wollen.“ Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) findet dagegen die vorgelegte Fassade „gut“. „Wenn ein historischer Wiederaufbau nicht machbar ist, dann muss man irgendwann sagen: Dann geht es eben nicht.“. Gröner mahnte die Enttäuschten: „Wie sollen wir ein Projekt vermarkten, das zerredet wird?“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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