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„Ein feiner Bruder“: Diebstahl von 33 000 Euro nur vorgetäuscht

Amtsgericht Dresden „Ein feiner Bruder“: Diebstahl von 33 000 Euro nur vorgetäuscht

Bei einer Trennung liegen bei vielen Paaren die Nerven blank. Bei so einem Rosenkrieg wird gelegentlich richtig schmutzige Wäsche gewaschen – was der Dresdner Carsten R. allerdings seiner Ex-Freundin unterstellte, spottet jeder Beschreibung.

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Symbolfoto

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Bei einer Trennung liegen bei vielen Paaren die Nerven blank. Bei so einem Rosenkrieg wird gelegentlich richtig schmutzige Wäsche gewaschen – da inszenieren manche Leute einen regelrechten Rachefeldzug und lassen sich Unglaubliches einfallen. Manchmal kommt es allerdings anders, als man denkt. Ines E. soll den Tresor im Arbeitszimmer ihres Ex-Freundes Carsten R. geknackt haben. Beute: 33 000 Euro, die aus einer Erbschaft ihres Freundes stammten, und der Kfz-Brief eines Audi A3. Wegen besonders schweren Diebstahls stand die 28-Jährige Am Freitag vor dem Amtsrichter. Die Angeklagte ist eine richtig Hübsche, auch wenn sie etwas blass um die Nase war, übrigens nicht nur am Freitag. Sie sei seit der Trennung mit den Nerven am Ende und in psychologischer Betreuung, erklärte sie. Sie räumte freimütig ein, den Tresor von der Wand entfernt und den Fahrzeugschein gestohlen zu haben, Geld habe sie nicht genommen.

Das ungleiche Paar arbeitete in einem Restaurant in der Innenstadt. Die Initiative zu einer Partnerschaft ging von Carsten R. aus. „Ich wollte erst nicht, da er mein Chef war, zog dann aber doch zu ihm.“ Er, so die Angeklagte und Zeugen, gab den Ton an, kontrollierte und dominierte sie auch – gab es Streit, machte er teure Geschenke. „Er sagte immer, sie sei seine Trophäe“, erzählte Thea M., eine Bekannte.

Als das Auto von Ines E. kaputt ging, finanzierte Carsten R. ihr einen neuen Wagen, sie stotterte das Geld in Raten ab. Nachdem sie ihm die endgültige Trennung ankündigte, nahm er den Fahrzeugbrief aus ihren Unterlagen, räumte ihn in den Tresor und ließ den Schlüssel verschwinden. „Er sagte mir, er habe sich eine Sicherheit genommen, damit ich bei ihm bleibe“, erzählte die Angeklagte. „Es war mein Auto und lief auf meinen Namen. Ich brauchte es, um mit meinem behinderten Sohn zum Arzt zu kommen und hatte Angst, dass er es mir weg nimmt.“ Sie hebelte den Tresor von der Wand. An der Rückseite war ein Loch, dass sie mit Werkzeug vergrößerte und den Kfz-Schein raus fingerte. Der wurde dabei ziemlich lädiert, wie gestern zu sehen war. „Geld habe ich nicht genommen und auch keins gesehen.“ Am nächsten Tag zog sie aus.

Als Carsten R. merkte, dass seine Freundin weg und der Tresor leer war, drehte er frei. Er suchte sie, machte überall Terror. „Ines hatte Angst vor ihm“, sagte Thea M. Er klingelte sogar Sonntagmorgen die Freundin der Angeklagten aus dem Bett. Er erzählte überall, dass sie ihm Geld gestohlen hätte. Die Aufregung ist verständlich, wenn soviel Geld fehlt, dass nicht nur ihm, sondern auch seinem Bruder gehört. Sie sollen es von ihrer Oma bekommen haben.

Dann wurde es allerdings seltsam. Alle Frauen erklärten unabhängig voneinander, dass er ständig neue Angaben zur Schadenssumme machte – das ging von 25 000 bis 35 000 Euro. Die Freundin der Angeklagten, die im gleichen Restaurant arbeitete, gab er bei der Polizei als Zeugin an, obwohl sie nichts von der Sache wusste. „Als er durch seinen Anwalt von meiner Aussage erfahren hatte, sagte er, ich solle noch einmal zur Polizei gehen und meine Aussage korrigieren, sonst könne er nicht mehr mit mir arbeiten. Ich habe das als Androhung einer Kündigung verstanden.“

Hier bekam der Staatsanwalt spitze Ohren. Nach der Aussage des Bruders von Carsten R. bekamen er und auch der Anwalt, der per Adhäsionsverfahren die 33 000 Euro von Ines E. einklagen soll, Schnappatmung. Sie brach in Tränen aus. „Ich habe bei der Polizei eine Falschaussage gemacht. Wir haben keine 33 000 Euro zu Lebzeiten unserer Oma bekommen, sondern nach ihrem Tod jeder 5000 Euro. Ich weiß nicht, warum ich das getan habe, ich habe mich von meinem Bruder beeinflussen lassen.“ Ach, nee! Seine 5000 Euro lagen übrigens auch im Tresor. Wo sind die? Carsten R. hätte es aufklären können, machte aber von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Ein feiner „Bruder“. Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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