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Ein Tempel im Herzen der Dresdner Neustadt

Loge der Freimaurerinnen Ein Tempel im Herzen der Dresdner Neustadt

Freimaurerei ist vielen ein Begriff, allerdings oft nur in Verbindung mit Männern. Doch seit der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es auch in Deutschland Frauen-Logen. Inzwischen zählen diese insgesamt etwa 23 Logen mit 500 Mitgliedern. Eine davon ist in Dresden beheimatet.

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Cornelia Hoffmann, Katrin Hartung und Charlotte Berndt (v.l.) bilden den Vorstand der Dresdner Freimaurerinnen-Loge. In ihrem Tempel halten sie Rituale ab und widmen sich ihren Tempelarbeiten. Der Tempel wird auch von den männlichen Dresdner Freimaurern benutzt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Am Ende des Flurs, welcher mit Gemälden großer Persönlichkeiten gespickt ist, befindet sich eine große hölzerne Tür. Das was sich dahinter verbirgt, nennen die Freimaurerinnen einen „Tempel“. Ein Raum in zartem Blau mit einem Tisch, vielen Stühlen, Säulen und ganz viel Symbolik. Das alles befindet sich in einem unscheinbaren Bürogebäude auf der Königsbrücker Straße.

Freimaurerei ist vielen ein Begriff, allerdings oft nur in Verbindung mit Männern. Doch seit der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es auch in Deutschland Frauen-Logen. Inzwischen zählen diese insgesamt etwa 23 Logen mit 500 Mitgliedern, davon zwölf in Dresden. Die Loge „Momentum“ hat sich am 28. Mai in der Landeshauptstadt gegründet. Dafür waren sieben Meisterinnen notwendig. „Der Name Momentum kann viele Bedeutungen annehmen. Wenn wir in unserer Loge arbeiten, genießen wir den Moment, ein Innehalten in der Bewegung sozusagen.“, erklärt Meisterin und Vorstandsmitglied Katrin Hartung. Vorher trafen sich die Frauen in Dresden seit 2011 in einem Arbeitskreis, stets mit dem Ziel, eine Loge zu gründen. Damit ist die Arbeit offiziell und auch die stimmrechtliche Beteiligung in der deutschen Großloge möglich. Zweimal im Jahr findet der sogenannte Großlogentag statt.

Die Symbolik spielt in der Freimaurerei eine wichtige Rolle

Die Symbolik spielt in der Freimaurerei eine wichtige Rolle. Der raue Stein steht für die Freimaurerin selbst, welche stets an sich arbeitet. Der traditionelle Schurz in den Farben der Freimaurerinnen wird bei verschiedenen Ritualen getragen und auch die Rosen spielen in der Freimaurerei eine wichtige Rolle. Rot wie die Liebe, weiß wie der Tod und rosa als Verbindung zwischen beiden.

Quelle: Dietrich Flechtner

In Dresden treffen sich die Mitglieder, welche sich untereinander als Schwestern bezeichnen, zwei- bis dreimal monatlich zu sogenannten Tempelarbeiten. Dabei handelt es sich um unterschiedlichste Bereiche. Zum einen zählen die rituellen Arbeiten dazu, zum anderen die schwesterliche Gespräche und Vorträge, sowie Instruktionen und Lehrgespräche mit den Lehrlingen. Als ein solcher startet jede Freimaurerin nach der erfolgreichen Aufnahme in eine Loge. Nach zwei bis drei Jahren kann der Aufstieg zur Gesellin vonstatten gehen und dann schließlich zur Meisterin. Eine Loge ist gleichzeitig ein eingetragener Verein und somit fallen neben Kosten für jedes Mitglied auch Verwaltungsarbeiten in den Aufgabenbereich des Vorstands.

Geheimnisse sind kein Thema mehr

Tempel, Rituale, Symbole – all das klingt ziemlich geheimnisvoll und für den ein oder anderen sicherlich auch suspekt. Doch was sich hinter den Mauern in der Dresdner Neustadt abspielt, ist alles andere als Geheimniskrämerei. „Wir haben nicht wirklich ein Geheimnis, es sei denn wir entdecken es in uns selbst. Auch unsere rituellen Texte können im Internet eingesehen werden, nur können die meisten nicht viel damit anfangen“, meint Charlotte Berndt hinsichtlich der vielen verschwörungstheoretischen Ansätze, die es bezüglich der Freimaurerei in rauen Mengen gibt. Einmal in Monat findet der sogenannte Gästeabend statt. Für diesen Abend können sich Interessierte sich per Mail oder telefonisch anmelden und bekommen eine Einladung. Die Atmosphäre an einem solchen Abend ist sehr herzlich und entspannt. Wenn Schwestern und Gäste ihre Plätze eingenommen haben, geht es mit einem Hammerschlag und dem Anzünden einer Kerze mit dem Vortrag los. Meist geht es dabei um die verschiedenen Symbole der Freimaurerei oder auch um die Thematik allgemein. Die vortragende Schwester darf das Thema frei wählen. Anschließend klingt der Abend in entspannter Atmosphäre aus und jeder kann seine Fragen bezüglich der Freimaurerei loswerden.

Doch was machen diese Freimaurerinnen nun eigentlich? „Der Austausch mit Gleichgesinnten , die Vielfalt der unterschiedlichen Gedanken und die Gespräche mit anderen Schwestern begeistern mich immer wieder aufs Neue“, erklärt ihre Motivation. Ab 21 Jahren kann man in die Loge aufgenommen werden und nach oben hin gibt es keine Grenze. „Unsere Dresdner Loge ist bunt gemischt, wir haben ein durchschnittliches Alter von 50 Jahren. Es ist eher unüblich, dass sich Frauen über 80 Jahren uns noch anschließen möchten, aber auch das gab es schon“, erklärt Meisterin Charlotte Berndt. Ebenso ist es unwichtig, aus welcher sozialen Schicht oder Berufsgruppe die Interessierten kommen. Die drei Vorstandsmitglieder kommen aus der Werbung, der Bürokommunikation und der Restauration. „Besonders die berufliche Vielfalt ist sehr spannend. Wir haben Ärztinnen, Friedhofsmitarbeiterinnen, Professorinnen und sogar Frauen aus der Bundeswehr bei uns in den einzelnen Logen. Das ist sehr erfrischend“, schwärmt Katrin Hartung.

Die Logen werden als Ort der Begegnung in gegenseitiger Achtung und als Vertrauensraum für einen intensiven Erfahrungs- und Gedankenaustausch verstanden. Gespräche über Weltgeschehen, gesellschaftliche Entwicklungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Fragestellungen stehen bei den Freimaurerinnen an der Tagesordnung. Wichtig ist dabei, dass es nicht in Diskussionen ausartet, sondern ein freier und vor allem rücksichtsvoller Austausch bleibt. Die Logen verstehen sich als autonom und politische Themen sind innerhalb der Logenarbeit nicht üblich. „Natürlich beschäftigen wir uns auch mit weltpolitischem Geschehen. Wenn ein Flüchtlingsheim brennt, kann ich das mit meinen freimaurerischen Werten nicht gutheißen und setze mich auch damit auseinander. Dennoch führen wir keine politischen Streitgespräche, um eventuelle Spaltungen innerhalb unserer Loge zu vermeiden“, erklärt Charlotte Berndt. Die respektvolle Gesprächskultur und das Üben in Toleranz sind zentrale Punkte, an denen unter anderem in den Tempelarbeiten gewirkt wird. Die Freimaurerinnen arbeiten sinnbildlich gemeinsam an dem Tempel der Humanität, sehen sich selbst zum Beispiel als schroffen Stein, welcher durch ethisches Handeln und dem Erlangen von Wissen geschliffen wird.

Regelmäßige Gästeabende in Dresden

Wer sich der Freimaurerei anschließen möchte, stellt sich voll und ganz in den Dienst der Humanität. Damit sich die Interessierten auch wirklich sicher sind, dass sie sich der Loge anschließen möchten, müssen sie erst mehrere Monate die Gästeabende regelmäßig besucht haben. Dann kann die Bitte um Aufnahme gestellt werden und erst wenn sich alle Mitglieder für die Aufnahme ausgesprochen haben, kann das rituelle Gelübde abgelegt werden. Dieses kann auf Wunsch vorher eingesehen werden. Wenn die Freimaurerinnen sich „im Tempel zur Arbeit treffen“ meinen sie damit lediglich, sich für eine gewisse Zeit in einem vom Alltag abgegrenzten Raum zurückzuziehen. Die Rituale bestehen meist aus dem Verlesen alter Texte mit Musik und viel Ruhe. „Nach einer rituellen Tempelarbeit fühle ich mich entspannter und auch jedes mal anders. Es ist immer wieder eine neue und aufregende Erfahrung“, berichtet Katrin Hartung. Dem Wort Ritual solle man hierbei nicht eine zu hohe Bedeutung zurechnen. Es sei vergleichbar mit den alltäglichen Ritualen wie etwa dem jährlichen Geburtstag oder gar dem Zähne putzen. „Wir brauchen nicht immer zwingend einen Tempel für unsere Arbeit. Wenn ich mit meinen Schwestern im Wald unterwegs bin und eine schöne Lichtung entdecke, können wir uns auch dort auf unsere Rituale einlassen“, erklärt Katrin Hartung.

Die Räumlichkeiten der Dresdner Loge sind eigentlich von den Freimaurer-Logen der Männer und die Frauen sind Untermieter. Hierbei wird auch deutlich, dass der Geschlechtertrennung keine Missgunst oder ähnliches zugrunde liegt. „Wenn wir unter uns Frauen sind, können wir uns und unsere Gedanken freier entfalten ohne in die üblichen Geschlechterrollen zu verfallen. Wenn Männer anwesend sind, verhält man sich als Frau doch irgendwie anders und das würde die freimaurerische Arbeit beeinträchtigen“, erklärt Katrin Hartung die Aufteilung. Dennoch ist das Verhältnis zwischen Männer- und Frauenlogen sehr gut. Die Reaktionen aus dem Umfeld dagegen können da schon etwas unterschiedlicher ausfallen. „Von ´du und dein komischer Verein´ über ´das ist ganz toll was du machst, erzähl mir mehr´ bis hin zu ´Spinner´ ist eigentlich alles dabei“, lacht Charlotte Berndt. Doch die Frauen lassen sich davon nicht beirren.

Bisher sind die 500 Freimaurerinnen in Deutschland gegenüber den Männern mit mehr als 14 000 Mitgliedern noch deutlich in der Unterzahl. Selbst in Frankreich gibt es mittlerweile bereits mehr als 17 000 Freimaurerinnen, allerdings mit einer längeren Tradition. Die drei Meisterinnen würden sich über Zuwachs in der Loge freuen, doch Missionieren kommt für sie nicht in Frage. „Die Frauen sollen aus freien Stücken zu uns kommen, wir beeinflussen da niemanden im Vorfeld“, erklärt Charlotte Berndt. Wer Interesse hat, an einem Gästeabend auf der Königsbrücker Straße teilzunehmen, schreibt einfach eine Mail an

weitere Informationen unter www.freimaurerinnen.de

Von Lisa-Marie Leuteritz

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