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Ein Tag als... DNN-Volontärin ist einen Tag lang als Restaurantfachfrau im Steigenberger Hotel de Saxe unterwegs

Ein Tag als... DNN-Volontärin ist einen Tag lang als Restaurantfachfrau im Steigenberger Hotel de Saxe unterwegs

Ein schöner Abend im Restaurant, bei Kerzenschein, einem deliziösen Drei-Gang-Menü und einem Espresso zum Abschluss ist ein Vergnügen, dass sich der Dresdner nicht tagtäglich gönnt.

Doch wenn ein solcher Abend mit dem Partner oder der Familie geplant ist, sollte möglichst alles perfekt sein. Sei es das Ambiente, das Essen selbst oder das Personal des Restaurants, das einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen dieser Stunden leistet. Um einmal zu erleben, wie viel Arbeit dafür nötig ist und wie viel Mühe sowie Liebe zum Detail die Mitarbeiter investieren, habe ich einen Abend lang meinen Job als Journalistin an den Nagel gehangen und stattdessen für ein paar Stunden als Restaurantfachfrau gearbeitet.

Für mein Experiment stellte sich das Steigenberger Hotel de Saxe am Neumarkt zur Verfügung. Das Restaurant des Hotels bietet 150 Gästen Platz. Zusätzlich können noch 96 auf der Sommerterrasse einen schönen Abend genießen. Bei kühlerem Wetter bietet sich zudem die Lobbybar an, in der weitere 50 Plätze zur Verfügung stehen. Mein Einsatzgebiet für diesen Abend ist aber das Restaurant. Pünktlich um 16 Uhr empfängt mich dort die Leiterin Babette Weigel, die mir als aller erste Maßnahme das passende Outfit verpasst. Mit meinem blauen Kleidchen, das ich an diesem Tag trage, kann ich schließlich nicht die Gäste bedienen. Sprich: Raus aus den Alltagssachen, rein in eine schicke schwarze Hose und die langärmlige weiße Bluse. Obendrauf gibt es noch eine dunkle Weste, eine Schürze sowie ein rotes Halstuch, das zu einer Rose gefaltet ist. "Sehr schick", kommentiert meine Ausbilderin für einen Tag das Ergebnis. So weit so gut.

Nun kann es langsam los gehen. Eine Führung durch die Küche und das ganze Restaurant vermittelt mir einen ersten Eindruck von der Weitläufigkeit meines Arbeitsplatzes. Babette Weigel zeigt mir, wo das Besteck (von den Löffeln über das Fisch- und Buttermesser, das normale Messer sowie die Gabeln, Gläser, der Wein sowie Teller verstaut sind. Anschließend kommt die erste Aufgabe auf mich zu: Servietten falten. Um genau zu sein Frühstücksservietten. "Wir bereiten am Abend schon viel für den Frühdienst vor", erklärt mir meine Ausbilderin. Kurz zeigt sie mir die Technik und lässt mich dann mit dem ersten Stapel von 42 Servietten allein, muss schließlich selbst noch einiges erledigen, bevor sich die Türen des Restaurants um 18 Uhr öffnen. Ich bin noch nicht mal bei der Hälfte meines Stapels angekommen, da steht Babette Weigel erneut neben mir. "Wir haben jeden Tag einen besonderen Gruß aus der Küche, den wir unseren Gästen reichen. Heute ist das Dresdner Heringshäckerle auf Rosmarinpumpernickel", erklärt mir die Restaurantleiterin. Kurz nachdem sie mir diese Information gegeben hat, habe ich den für mich komplizierten Namen auch schon wieder vergessen. Doch Gott sei Dank hat sie einen kleinen Merkzettel neben die Kasse gehängt, so dass ich mir im Laufe des Abends den Gruß aus der Küche immer wieder innerlich vorbeten kann.

Grundsätzlich findet man auf der Speisekarte des Restaurant de Saxe sowohl internationale Küche als auch sächsische Spezialitäten. Küchenchef Holm Schulze verwendet frische, möglichst regionale Produkte für seine Kreationen, erklärt Hotelsprecherin Sylvia Eichler. Mit seinen Gerichten und dem täglich wechselnden Menü bewirten er und seine neun Mitarbeiter im Schnitt 30 Gäste am Abend.

Die ersten Gäste an meinem Tag als Restaurantfachfrau sind mittlerweile eingetroffen. Babette Weigel führt sie zu einem schönen Platz auf dem Balkon des Restaurants, reicht ihnen die Getränke- und Speisekarte und fragt, ob die beiden ein Aperitif wünschen. Ihre Vorgehensweise soll ich mir genau merken, denn 20 Uhr hat sich eine Gruppe von vier Personen angekündigt, die ich selbst bedienen darf. Sprich, es wird Zeit, langsam die ersten eigenen Erfahrungen am Gast zu sammeln, um später nicht wie ein unsicherer Anfänger da zu stehen. Also bringe ich mit zittrigen Händen und konzentriertem Blick dem Ehepaar an Tisch 55 die beiden sächsischen Kartoffelsuppen, die sie als Vorspeise gewählt haben. Überglücklich, dass ich nichts verschüttet habe, stelle ich die beiden Schüsseln ab und wünsche den Gästen guten Appetit. Während sie speisen unterweist mich Babette Weigel in einer weiteren Kunst des Serviettenfaltens. Diesmal handelt es sich um sogenannte Bischofsmützen, die das Restaurant für eine Veranstaltung in den kommenden Tagen benötigt. Doch bevor wir übermäßig viele Servietten falten können, müssen wir flink auf den Balkon. Denn durch den aufkommenden Wind biegen sich die Sonnenschirme gefährlich über den Tischen, so dass wir sie sofort schließen müssen - und das, obwohl wir sie erst vor knapp einer Stunde unter größter Anstrengung geöffnet hatten.

Und dann betreten auch bereits meine Gäste den Raum und die Nervosität steigt. Natürlich hat mir meine Ausbilderin die wichtigsten Sachen bereits eingebläut, betont noch mal, dass immer von rechts und erst die Dame bedient wird. Mit einem selbstsicheren Äußeren und einem aufgewühlten Inneren führe ich die Gruppe an ihren Tisch und kann sie gleich zu Beginn zu einem Sekt als Aperitif überreden. Auch der restliche Abend verläuft reibungslos. Meine Restaurantleiterin muss mich nur gelegentlich darauf hinweisen, dass ich wieder Wasser oder Wein bei den Gästen nachfüllen muss. Doch mein gröbster Fehler: Obwohl noch nicht alle Gäste fertig sind mit dem Essen, beginne ich bereits die Teller der anderen abzuräumen. "Wir warten immer, bis alle fertig sind. Sonst entsteht so ein Kneipengefühl", erklärt Babette Weigel.

Genau dieses Gefühl will die 29-Jährige in ihren Räumen überhaupt nicht vermitteln. Auf jedes noch so kleinste Detail achtet sie im Restaurant. Sei es, ob die Stühle in einer Reihe stehen oder ob jedes Gedeck nach dem gleichen Prinzip angeordnet ist. Grundsätzlich muss ich an diesem Abend feststellen, dass zum Beruf einer Restaurantfachfrau mehr gehört, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Zudem ist eine hohe Beobachtungsgabe gefragt. Während Babette Weigel gleich mehrere Tische betreut und nebenbei mit ihrer Stellvertreterin Susan Fischer noch das Frühstücksbuffet aufbaut oder Wünsche vom Roomservice entgegen nimmt, habe ich damit zu tun, an nur einem einzigen Tisch die Gäste rundum zufrieden zu stellen. Und das Schlimmste: Nach diesem Abend schmerzen meine Füße so sehr, wie ich es lange nicht mehr erlebt habe.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2015

Nadine Steinmann

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