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Ein Stück Dresdner Geschichte - Um den Neuen Jüdischen Friedhof zu erhalten, braucht die Gemeinde Hilfe

Ein Stück Dresdner Geschichte - Um den Neuen Jüdischen Friedhof zu erhalten, braucht die Gemeinde Hilfe

Um ihren Neuen Friedhof zu erhalten, braucht die Jüdische Gemeinde in Dresden Unterstützung. Die Mehrzahl der Grabstätten könne niemand mehr pflegen sagt Johanna Stoll, Geschäftsführerin der Gemeinde.

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Die Mehrzahl der Grabstätten auf dem Neuen Jüdischen Friedhof könne niemand mehr pflegen, sagt Johanna Stoll, Geschäftsführerin der Gemeinde. Gemeinsam mit Rabbiner Alexander Nachama besichtigte sie restaurierungsbedürftige Gräber. Die beiden suchen engagierte Paten, die sich der Grabstellen annehmen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Es gäbe keine Nachkommen der Verstorbenen, weil diese flüchten mussten, während der NS-Zeit in den Vernichtungslagern umgebracht wurden oder auswanderten. "Wir suchen deshalb engagierte Menschen, die sich als Paten einer oder mehrerer dieser Grabstellen annehmen." Einzelpersonen könnten das sein, aber auch Gruppen oder Institutionen.

Über zwei verwaiste Gräber seien bereits Patenschaften geschlossen worden: Das des einstigen Oberrabbiners Jakob Winter (1857-1940) und ein Grab, in dem Thora-Rollen beerdigt sind. Diese Pergamentrollen mit dem von Hand geschriebenen Text der fünf Bücher Mose werden, sind sie beschädigt und unbrauchbar, aus Respekt nicht weggeworfen, sondern begraben.

Für Paten gebe es verschiedene Möglichkeiten zu helfen, erläutert Johanna Stoll. Man könne die Grabstelle beispielsweise regelmäßig besuchen und pflegen. An die Gemeinde melden, wenn etwas repariert werden muss. Ist die Instandsetzung eines Grabes aufwendig und teuer, könne man auch spenden oder nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. "Manche Grabstellen sind während der Bombenangriffe im Februar 1945 beschädigt worden", sagt Johanna Stoll. Sie zeigt auf ein hohes Grabmal aus dunklem Stein. Es wird von fünf schrägen Holzbalken gestützt. Drumherum ist ein Bauzaun aufgestellt. An anderen Stellen haben Platten Risse oder sinken ab.

Kulturgeschichtlich Interessierte könnten sich auch um denkmalgeschützte Gräber kümmern, von denen es mehrere gebe. "Oder man hat Interesse an einer bekannten Persönlichkeit, die hier bestattet ist." Hier finden sich beispielsweise die Gräber des Bankiers Georg Arnhold, des Historikers und Dokumentaristen Helmut Eschwege, des Malers Bruno Gimpel oder des Literaturwissenschaftlers Julius Wahle.

Trotz Fördermitteln von Land und Kommune schaffe die jüdische Gemeinde die Pflege nicht aus eigener Kraft. Nun muss sie sich und ihr Geld vor allem auf die Erweiterung des Friedhofs konzentrieren (DNN berichtete am 9. November). "Er ist bald voll belegt", sagt Johanna Stoll. Ein angrenzendes Grundstück hat die Gemeinde bereits von der Drewag gekauft. Doch das muss zunächst von wild gewachsenen Büschen und Unkraut befreit werden. Und dann müssen Fachleute festlegen, an welcher Stelle in der Mauer ein Durchbruch dorthin geschaffen werden kann.

In seiner heutigen Größe existiert dieser Friedhof seit 1867. Schon um 1860 war der Alte Jüdische Friedhof an der Pulsnitzer Straße in der Neustadt zu klein geworden. Deshalb hatte die Gemeinde dieses neue Grundstück gekauft, das etwa so groß ist wie anderthalb Fußballfelder. Doch mittlerweile gibt es hier mehr als 2600 Grabstellen.

Neuen Platz auf dem vorhandenen Gelände zu schaffen, ist nicht möglich. Ein jüdisches Grab kann nicht nach einer gewissen Liegezeit aufgelöst und neu belegt werden, wie das auf christlichen oder kommunalen Friedhöfen gang und gäbe ist. "Dies hängt mit unserem Glauben an die Auferstehung der Toten zusammen", erläutert Rabbiner Alexander Nachama. "Für das traditionelle Judentum endet das Leben nicht mit dem Tod. Es glaubt, dass die Toten auferweckt werden, wenn der Messias einst erscheint. Deshalb muss das Grab vorhanden sein." So existierten bis heute z.B. auch die Gräber der drei Erzväter Abraham, Isaak und Jakob sowie ihrer Frauen Sara, Rebekka und Lea in der Höhle Machpala in Hebron.

Das Wesentliche sei das Gedenken an die Toten, das für ewig gelte, erläutert Rabbiner Nachama. So werde ein Grab auch errichtet, wenn kein Leichnam existiert. Etwa bei Holocaust-Opfern. Erdbestattung sei auf jüdischen Friedhöfen die Regel, erläutert er. Die Reformbewegung habe Anfang des 20. Jahrhunderts zwar auch die Bestattung in Urnen möglich gemacht. "Aber heute ist sie nicht üblich." Auch dies hänge zusammen mit dem Glauben an die Auferstehung.

Gewachsen ist die Dresdner Gemeinde in den zurückliegenden Jahren vor allem durch Zuwanderer aus Russland und den früheren GUS-Staaten. Heute sind fast die Hälfte der Mitglieder 60 Jahre und älter. Auf den neuen Grabsteinen im jüngeren Teil des Friedhofs stehen viele russische Namen.

Gesetzt wird ein Grabstein etwa ein Jahr nach der Beerdigung. Auf manchen liegen kleine Steine. "Die legt man hin, wenn man das Grab besucht", erläutert Rabbiner Nachama. Dieser Brauch sei sehr alt. Er gehe zurück auf die Gräber in der Wüste.

"Dieser Friedhof ist Kulturerbe und ein Stück Dresdner Geschichte", sagt Johanna Stoll. "Aber um es zu bewahren, brauchen wir kontinuierliche Unterstützung." Tomas Gärtner

Neuer Jüdischer Friedhof: Fiedlerstraße / Ecke Fetscherstraße; 1866 Totenhalle nach Plänen von Ernst Giese; Eröffnung Friedhof 1867; erstes Begräbnis 1868; nach II. Weltkrieg wurde die Totenhalle als Synagoge genutzt, Einweihung 1950; seit 2002 wieder Totenhalle; mehr als 2600 Grabstellen, damit einer der größten jüdischen Friedhöfe Sachsens

Kontakt: bei Interesse an Patenschaft per E-Mail vorstand@jg-dresden.org oder verwaltung@jg-dresden.org

Jüdische Gräber: üblich ist Erdbestattung; dauerhafte Totenruhe unantastbar; kein Grab wird eingeebnet, Stein bleibt; bei Platzmangel Beerdigung mit Zwischenschicht Erde übereinander;

Religiöser Hintergrund: Glaube an Auferstehung aller Toten nach Eintreffen des Messias

Bestattung jüdisch: rituelle Waschung des Toten durch Mitglieder der Chewra Kaddischa, der Beerdigungsbruderschaft, bei Frauen Frauenverein; Bekleidung mit Tachrichim, weißen Totengewändern aus Leinen; bedeckt mit weißem Tuch; gebettet in schlichten Sarg, mitunter mit etwas Erde aus Heiligem Land; Bestattung einst schnell, möglichst noch am selben Tag; heute mehrtägige Frist zwischen Tod und Beerdigung; Trauerfeier mit Hesped, der Trauerrede, im Trauerhaus, Leichenhalle oder am Grab; Sarg von Freunden und Verwandten zum Grab getragen; nach Beerdigung Schiw'a, siebentägige Trauerphase der Hinterbliebenen; nächste Trauerphase bis 30. Tag nach Beerdigung; Trauer um Vater und Mutter ein ganzes Jahr

Grabstein: Name, Sterbedatum, Alter Einleitungsformel, Schlusssegen

Internet: http://spurensuche.steinheim-institut.org/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2012

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