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Ein Hort für Kolonialwaren - Vor 100 Jahren wurde der Erlweinspeicher in Dresden errichtet

Ein Hort für Kolonialwaren - Vor 100 Jahren wurde der Erlweinspeicher in Dresden errichtet

Landauf, landab leidet die Bauqualität ja ziemlich unter dem Do-it-yourself-Wahn. Stuttgart 21, der BER für unsexy Berlin oder auch all die Beton-Schuhschachteln in diversen Dresdner Stadtteilen sind das typische Werk von Hobbybastlern.

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Der Erlweinspeicher mit seiner Nutzfläche von rund 20 000 Quadratmetern sollte die Lager-Probleme der Dresdner Industrie lösen.

Quelle: Archiv/Hans-Peter Koch

Allenfalls die Elbphilharmonie in Hamburg gilt als erstes Konzerthaus der Welt, das Heimwerker geplant und teilweise ordentlich aufgebaut haben. Aber Mitleid haben kann man mit den Bauherrn durchaus schon. Von allen Seiten wird ihnen werbetechnisch auf diversen Kanälen ja suggeriert, sie könnten praktisch alles selber machen, wenn sie nur im richtigen Baumarkt einkaufen.

Ein Bayer darf bauen

Einer, der mit diesen Hobby-Architekten nichts zu tun hat, ist allerdings Hans Erlwein, der in Dresden zahlreiche bauliche Zeugnisse hinterließ, auch wenn er aus Bayern stammte und aus dieser Herkunft zeit seines Lebens auch keinerlei Hehl machte. Mit 127 Bauten setzte er dermaßen viele Akzente im Stadtbild, dass der Baumeister bis heute unvergessen ist. 13 Schulgebäude, das städtische Lagerhaus an der Devrientstraße, der Vieh- und Schlachthof im Ostragehege, der Gasometer in Reick, die Kläranlage in Kaditz, das Stadthaus Johannstadt, die Feuerwache Striesen, das Männer-Pissoir an der Pfotenhauerstraße - alles und vieles andere mehr ein Erbe Erlweins, der übrigens nie eine Dissertation ablegte, sich aber im "Deutschen Baukalender 1900/1901" als "Dr.-Ing." führen ließ und zwei Jahre den Doktor-Titel trug. Sei's drum, nicht minder ungewöhnlich ist jedenfalls, dass Erlwein in seinen Planungen neben städtebaulichen auch denkmalpflegerische Aspekte berücksichtige. Bei Erlwein zählten auch die kleinen Bauwerke, selbst Trinkhallen oder Toilettenhäuschen ließ er seine volle gestalterische Aufmerksamkeit zukommen. Sein künstlerischer Grundsatz lautete: "Ehre das überlieferte Gute und schaffe aus ihm Neues. Was aus der Luft geboren werden soll, wird niemals gut und neu."

Von Erlwein stammt auch der Entwurf für einen Speicher, mit dem der Dresdner Industrie, vor allem der Zigarettenindustrie, ein geeigneter Speicher zur Verfügung gestellt werden sollte - in Hafennähe im damaligen Packhofviertel. Der Bau des Speichers wurde von der Stadt finanziert, da sich weder das Land noch die Industrie an den Kosten beteiligen konnten bzw. wollten.

Der Bau war der erste seiner Größenordnung in Dresden, der vollständig in Stahlbetonbauweise ausgeführt worden war, zum einen aus Gründen der Ökonomie, zum anderen des Brandschutzes. In 15 Monaten Bauzeit entstand ein Koloss, der eine Nutzfläche von knapp 20 000 Quadratmetern besaß, verteilt auf 63 Lagerräume in zehn Etagen, von denen die durch Walmflächen gebrochenen vier oberen in ihrer räumlichen Staffelung die Massigkeit des durchaus trutzig wirkenden Baukörpers ein bisschen brechen. Allseitig treten Aufzugschächte querhausartig hervor. An den Längsseiten ermöglichten Laderampen den Warenverkehr. Die Rampen waren von einem weit vorkragenden Vordach überspannt, das einen horizontalen Akzent setzte. Die Fassade des monumentalen Baus mit seinem rotbraunen Dach besaß ursprünglich eine durch Fensterrahmen und Türen rot und grün akzentuierte Farbigkeit.

Insgesamt war das Gebäude 36 Meter breit und 76 Meter lang. Der 42,5 Meter hohe Bau (bis zum ersten Dachfirst waren es knapp 40 Meter) wurde mitunter, gern auch in der auf Superlative erpichten Presse, als Hochhaus apostrophiert. Vor allem Rohtabak und Kolonialwaren aller Art lagerten hier, aber auch Strohgeflechte für die Putzmacherindustrie. Aber zunächst hielt sich der Bedarf an Lagerflächen in Grenzen, bei der Fertigstellung im Juni 1914 waren gerade mal 23 der 63 Lagerflächen vermietet, und die Lage besserte sich nicht, da der Erste Weltkrieg so manche hochfliegenden Pläne Makulatur werden ließ.

Aus der Ruine wurde ein Hotel

In der Bombennacht vom 13. zum 14. Februar 1945 zerstörte ein Feuer den Erlweinspeicher. Dabei wurden die Bauglieder zwar durch die große Hitzeentwicklung verformt, blieben in der Grundsubstanz aber erhalten, während die Gebäude in der unmittelbaren Umgebung, ein Futtermagazin oder auch ein Zollspeicher, komplett zerstört wurden. 1948 wurden dann erste Instandsetzungsarbeiten durchgeführt, was allerdings auf die unteren Geschosse beschränkt blieb. Als die Lagerkapazitäten nicht mehr gebraucht wurden, stand das Gebäude leer und verfiel immer mehr, wie so viele Bauten im Sozialismus.

Nach Revolution und Mauerfall 1989 gab es Pläne, hier die Landesbibliothek oder zumindest Teile davon unterzubringen - realisiert werden konnten sie allerdings nicht. Der Abriss drohte, dann aber wurde der Speicher binnen 18 Monaten zu einem Hotel umgebaut. Ab November 2004 wurde der Bau innen entkernt. Auch das Dach und die drei oberen Geschosse mussten wegen des maroden Zustandes abgetragen und neu errichtet werden. Das von der Hotelgruppe Maritim betriebene Haus verfügt über insgesamt 328 Zimmer, die allesamt von dem großzügigen, mit Tageslicht durchfluteten Atrium aus zugänglich sind.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.08.2014

Christian Ruf

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