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Ein Champion greift in die Saiten: Die Musikstudentin Judith Beckedorf ist Weltmeisterin im Ultimate-Frisbee

Ein Champion greift in die Saiten: Die Musikstudentin Judith Beckedorf ist Weltmeisterin im Ultimate-Frisbee

Judith Beckedorfs Schritte hallen nach, wenn sie durch das Atrium der Musikhochschule läuft. Sie geht schnell, mit raumgreifenden Schritten und hält den Gurt ihres Gitarrenrucksacks mit beiden Händen fest umklammert.

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Judith Beckedorf vor der Hochschule für Musik. Dass sie erfolgreich Sport betreibt und Musik macht, ist für sie kein Widerspruch.

Quelle: Hauke Heuer

Wir steigen die Treppen hinab in die Mensa. An anderen Studenten vorbei. Ein kurzes Nicken - hier kennt jeder jeden. Die junge Frau - sie ist gerade 23 Jahre alt - setzt sich, schlägt ihre sportbeschuhten Beine übereinander, zieht mit beiden Händen den Zopf ihrer strohblonden Haare nach, stützt sich mit den Ellenbogen auf den Tisch und wartet sichtlich gespannt.

Es ist eines ihrer ersten Interviews. Dabei ist Beckedorf bereits in jungen Jahren eine denkbar interessante Persönlichkeit - sie verbindet in ihrem Leben zwei scheinbar gegensätzliche Welten: die Musik und den Sport und das auch noch erfolgreich.

Im vergangenen Jahr hat die Norddeutsche, die in der Nähe von Hamburg groß geworden ist, gemeinsam mit der deutschen Mixed Nationalmannschaft "Sandsturm" die Beach-Weltmeisterschaft im Ultimate Frisbee in Dubai gewonnen. Der Sport ist in Deutschland noch weitestgehend unbekannt und wird hauptsächlich an Universitäten ausgeübt. In Dresden trainiert Beckedorf mit dem Verein "Drehst'n Deckel". Es handelt sich um eine Teamsportart, bei der es analog zum American Football oder Rugby gilt, eine Frisbeescheibe hinter einer Linie in der gegnerischen Endzone zu fangen. Der größte Unterschied: Ultimate Frisbee ist kontaktlos. Berührungen sind in den meisten Spielsituationen strikt verboten. Bemerkenswert: Es gibt keinen Schiedsrichter. Im Falle eines Fouls wird das Spiel unterbrochen und die beteiligten gegnerischen Spieler einigen sich im Gespräch zügig selbstständig.

"Gerade deshalb gefällt mir dieser Sport sehr", erklärt die Weltmeisterin und fügt hinzu, "man spielt nicht zusätzlich ein Spiel gegen den Schiedsrichter wie zum Beispiel beim Handball oder Fußball, sondern kämpft fair und betreibt puren Sport." Sogar bei der Weltmeisterschaft behalten die Spieler in spielentscheidenden Situationen in der Regel einen kühlen Kopf. "Im finalen Spiel gegen Kanada gab es kaum strittige Situationen, obwohl es immerhin um den Titel ging", erinnert sich Beckedorf und befühlt ihre Fingerglieder, denn sie sind ihr wichtigstes Kapital. "Eine Verletzung meiner Hände oder Finger würde mich beim Gitarrespielen beeinträchtigen. Doch bisher hatte ich viel Glück", erklärt die junge Frau und lacht.

Die Angst ist nicht ganz unbegründet. Beckedorfs Metier auf der Gitarre ist der sogenannte Fingerstyle. Schaut man der Musikerin beim Spielen zu, kann einem fast schlecht werden bei der Geschwindigkeit, mit der ihre Finger scheinbar mühelos über die Saiten rasen. Schnell fühlt man sich an Andy McKee oder Don Ross erinnert, die der geneigte Gitarrenspieler in Schulzeiten vergeblich zu kopieren versuchte. Allerdings verzichtet Beckedorf weitestgehend auf perkussive Elemente. Ihre Coverversionen und eigenen Kompositionen sind getragener und weniger getrieben. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählt sie ihren Gitarrenhelden Tommy Emmanuel aber auch Songwriter wie Ben Folds.

Beckedorfs Weg an die Musikhochschule war relativ atypisch. Bis zur Immatrikulation hatte sie kaum Unterricht genommen - sie ist Autodidaktin. "Ich habe die Gitarre erst relativ spät für mich entdeckt, mit 14", erinnert sich die Wahldresdnerin. Nach dem Abitur und zwei Semestern Physik an der Universität in Hannover entschied sie sich gegen die Naturwissenschaft und für die Kunst. Diese Entscheidung hat sie bisher nie bereut. Heute lernt sie bei renommierten Musikern wie Thomas Fellow, Reentko Dirks und Stephan Bormann.

Im kommenden Jahr schließt sie ihr Studium mit einem Bachelor ab. Was dann kommt, ist noch nicht sicher: "Ich hoffe, ein für mich gutes Verhältnis aus eigenen Konzerten mit meinen Projekten und Unterrichten zu finden", sagt die angehende freiberufliche Künstlerin, die sich sehr wohl bewusst ist, dass das Leben in der musikalischen Selbstständigkeit nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Einige Erfahrung konnte sie bereits sammeln. Seit 2011 steht sie sowohl solo als auch mit anderen Musikern wie dem Sänger Victor Sepulveda und dem Gitarristen Gianluca Calivà auf der Bühne.

Ob sie auch in Zukunft den Sport mit der Musik in diesem Maße verbinden kann, weiß die Musikerin noch nicht. "Ich bin derzeit viel unterwegs. In der Woche übe und arbeite ich in der Musikhochschule und am Wochenende spiele ich Frisbee oder spiele Konzerte. Das ist schon manchmal anstrengend und nimmt viel Zeit in Anspruch", erklärt Beckedorf und fügt hinzu, "aber solange es geht, möchte ich mich nicht zwischen zwei Dingen, die mir beide viel Spaß bereiten, entscheiden müssen."

www.judithbeckedorf.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2015

Hauke Heuer

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