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Ein Ballsaal für alle - Wohnen in der Genossenschaft

Nahe der Dresdner Innenstadt Ein Ballsaal für alle - Wohnen in der Genossenschaft

Wohnung, Arbeit, Kunst - alles unter einem Dach und bezahlbar. In Dresden saniert eine Genossenschaft eine alte Zünderfabrik mit Ballsaal, um das ehrgeizige Vorhaben zu erreichen.

Der Ballsaal im Gebäudekomplex der ehemaligen Druckerei Grafischer Großbetrieb Völlkerfreundschaft.

Quelle: dpa

Dresden. Von außen sieht das zweistöckige Gebäude unscheinbar aus: Grauer Putz, zerbrochene Fensterscheiben, zugewachsene Beete. Doch wer es betritt, entdeckt versteckt im Inneren einen Ballsaal im Stil der 1940er-Jahre. Dunkles Parkett, die obere Etage gesäumt von verglasten Balustraden. Von der gelben Kassettendecke löst sich hier und da die Farbe, schwere Vorhänge säumen die Bühne. Der gut 400 Quadratmeter große Saal sei einer der wenigen in Dresden, die während des Krieges nicht zerstört wurden, erzählt Elisabeth Wulff-Werthner vom Verein Zentralwerk.

Der Gebäudekomplex der ehemaligen Druckerei Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft

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Künftig soll er das Gemeinschaftshaus der Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft beherbergen - und für Konzerte und Aufführungen genutzt werden. Ein Ballsaal für alle. „Meistens überwältigt es mich einfach nur“, sagt Wulff-Werthner und macht eine ausladende Geste mit der Hand. Die 35-Jährige meint damit nicht nur den alten Ballsaal, sondern das gesamte „Mammutprojekt“, das Verein und Genossenschaft stemmen wollen: Den Umbau eines rund 7000 Quadratmeter großen Fabrikgeländes nahe der Dresdner Innenstadt.

Als die Zentralwerk-Genossenschaft das Gelände Anfang 2015 übernahm, habe es ausgesehen wie gerade verlassen, sagt Geschäftsführer Lutz Schneider. In den 1920er Jahren erbaut, wurde das Gebäude zunächst als Zünderfabrik genutzt, dann nach dem Krieg bis in die 1990er Jahre hinein als Druckerei. Der Ballsaal mit Brandschutz und Fassade sei beim Umbau nun der nächste große Brocken, sagt Schneider. Insgesamt liegen die Sanierungskosten bei rund 5,7 Millionen Euro.

Gegen Spekulationen mit Grund und Boden

Künstler, Kreative, Familien und Singles zwischen Ende 20 und Mitte 50 haben sich für das Projekt zusammengefunden, um ihren Traum zu verwirklichen: Preiswert wohnen und arbeiten unter einem Dach, dazu Freiflächen für Kunst und kulturelle Veranstaltungen. In einer Stadt, in der die Mieten in den letzten Jahren rasant gestiegen sind und in Spitzenlagen bis zu 14 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kosten, keine leichte Aufgabe. An seinem alten Sitz musste der Verein Eigentumswohnungen weichen. Ende 2012 besichtigten die Mitglieder zum ersten Mal die ehemalige Zünderfabrik mit den zwei Bunkerbauten, Ballsall und Hauptgebäude, die um einen großen Hof angeordnet sind.

„Mein erster Gedanke war, das ist einfach perfekt für uns“, erinnert sich die Künstlerin und Musikerin Wulff-Werthner. Das Problem: Die meisten Genossenschaftler sind freischaffende Künstler und haben kaum Eigenkapital. Doch sie legten der gemeinnützigen Stiftung trias ein Konzept vor, woraufhin trias beim Kauf im Januar 2015 den Großteil des Kaufpreises von rund 770.000 Euro übernahm. Die Genossenschaft bekam das Erbbaurecht für 99 Jahre und zahlt Zinsen an die Stiftung.

„Die Stiftung trias wendet sich gegen die Spekulation mit Grund und Boden“, erklärt Geschäftsführer Rolf Novy-Huy. Damit mache sie Wohnprojekte möglich, die sich sonst kaum realisieren ließen - etwa für ältere Menschen, Kranke und Behinderte. Nach 14 Jahren ist das Stiftungsvermögen den Angaben zufolge von anfangs rund 70 000 Euro auf 7,8 Millionen Euro angewachsen. Unterstützt wird die Einrichtung von mehr als 80 Stiftern.

„Ich finde es beeindruckend, dass es funktioniert hat, diesen Weg zu gehen und dieses Mammutprojekt zu realisieren, obwohl wir keine reichen Menschen sind“, sagt Wulff-Werthner. Die 50 bis 60 Ateliers sind nahezu komplett vermietet, vereinzelt sind noch Räume zu haben. Um den Ballsaal sanieren zu können, werden noch Kulturpaten gesucht. In wenigen Wochen ziehen die ersten Mieter in ihre Wohnungen ein.

Viel Arbeit liegt hinter ihnen: Die Türme rechts und links vom Hauptgebäude haben die insgesamt 40 Genossenschaftsmitglieder zum Großteil selbst entrümpelt, entkernt und saniert. Die Wohnungen werden im Rohbau übergeben und müssen noch hergerichtet werden. Viel Freizeit bleibt nicht, sagt Wulff-Werthner, die mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern eine der 22 Wohnungen beziehen wird.

Wer in das Zentralwerk einzieht, zahlt 4,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, Gewerbeflächen kosten ähnlich viel. Hinzu kommen die Genossenschaftsanteile, die jeder zeichnen muss: Für rund 100 Quadratmeter fallen rund 6000 Euro an.

Geschäftsführer Schneider sagt: „Es nützt uns nichts, wenn wir solvente Leute haben, die aber nicht verstehen, was wir hier machen.“ Wer im Zentralwerk dabei sein will, solle sich einbringen. „Man kann sich hier austoben, in der Gruppe mit den entsprechenden Mechanismen und Pflichten, aber auch Möglichkeiten und Freiräumen.“

dpa

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