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Ehemaliges Hostel "Boofe" in Dresden-Neustadt bietet Wohnungslosen Hilfe

Ehemaliges Hostel "Boofe" in Dresden-Neustadt bietet Wohnungslosen Hilfe

Es ist noch nicht lange her, da lief alles bestens für Tobias*: Als Diplomingenieur hatte er einen guten Ruf, baute ein eigenes Bau-Unternehmen in Dresden auf, in dem er zuletzt 80 Leute in Lohn und Brot hatte.

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Martin Seidel

Doch dann geriet alles aus den Fugen: Die Auftragslage brach dramatisch ein, Schulden häuften sich, seine Frau verließ ihn - und mit einem Male konnte der eben noch angesehene Unternehmer nicht mal mehr die Miete für die eigene Wohnung bezahlen.

"Er stand dann eines Tages in Jeans und T-Shirt vor unserer Tür und bat um einen Schlafplatz - der Mann hatte alles verloren", erinnert sich Thomas Wolter, der seit über zehn Jahren Obdachlose betreut und allzu viele solcher traurigen Biografien kennt. Gestrauchelten wie Tobias* ein Dach überm Kopf und ein Bett zu geben, wenigstens auf Zeit, bis sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen haben, das hat sich Wolter zu einer persönlichen Lebensaufgabe gemacht.

Er betreibt das Obdachlosenheim für Männer an der Kipsdorfer Straße, früher noch ein weiteres Asyl an der Hubertusstraße. Zunehmend treffe man da auf Klienten, die durch Krankheit oder Drogensucht in die Obdachlosigkeit gerieten. Gerade der Konsum der Synthetikdroge "Crystal" habe in jüngster Vergangenheit drastisch zugenommen, sagt Wolter.

Weil aber auch viele Frauen, ja selbst drei Familien an seine Heimtüren klopften und viele Obdachlose nach einer Chance suchen, wieder ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu suchen, haben sich Stadt und Wolter zusammengetan. Sie ließen vom Investor "Integra" ein ehemaliges Hostel in der Neustadt für 1,4 Millionen Euro so umbauen, dass dort Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist: "Die Boofe" an der Hechtstraße wird ab Montag 35 Obdachlose aufnehmen, die dort "auf die Rückkehr in eigenen Wohnraum" vorbereitet werden. Für weitere 15 Menschen ist auch noch Platz.

Und wie ein "Pennerabsteige" sieht die "Boofe" - der ehemalige Jugendhotelname wird beibehalten - nun wirklich nicht aus: Die Zimmer sind zwar nicht üppig, aber hell und mit allem ausgestattet, was man für einen Neustart braucht - inklusive Kühlschrank in jedem Raum, Geschirr, Gemeinschaftsküche, Beratungsräumen für sozialpädagogische Helfer und dergleichen mehr.

Abzuwarten bleibt, ob die neue "Boofe" im Hechtviertel Akzeptanz findet, wenn erst mal die ersten Obdachlosen eingezogen sind: Als die Stadtverwaltung vor eineinhalb Jahren die Umbaupläne für das frühere Hostel bekannt gaben, hagelte es Kritik von Anwohnern, die vor allem Verwahrlosung in ihrer Mitte fürchteten.

Obdachlosigkeit hat in Dresden zwar bisher keine dramatischen Züge angenommen (DNN berichteten), legt aber leicht zu. Der Umbau der "Boofe" ist auch diesem Trend geschuldet. Im Gegenzug wird zwar zum Jahresende das Heim an der Buchenstraße geschlossen, doch unterm Strich vergrößern sich die Platzkapazitäten für Obdachlose in Dresden von 248 auf 265 Betten.

Hinzu kommen laut Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) "schätzungsweise noch mal zwei Handvoll Dresdner", die wirklich auf der Straße leben und daher in den offiziellen Statistiken nicht auftauchen. Um diese Menschen kümmere sich aber der städtische Fahrdienst und im Winter das Netz kirchlicher Nachtcafés, betonte Seidel. "Auf jeden Fall sollten wir uns vor Augen führen: Das sind Dresdner wie wir, Bürger, die unsere Hilfe brauchen. Wohnungslosigkeit kann jeden treffen" - sei es durch psychische Probleme, Krankheit, Mietschulden oder Jobverlust.

* Name geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.10.2012

hw

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