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Ehemalige Krankenschwester aus Oberschwaben erinnert sich an den 13. Februar 1945 in Dresden

Ehemalige Krankenschwester aus Oberschwaben erinnert sich an den 13. Februar 1945 in Dresden

Überall Feuer. Schreiende Menschen. Chaos. Das Erlebte an jenem 13. Februar 1945 wird Cita Stahl aus Baden-Württemberg nie vergessen. Die 88-Jährige, deren Vorname eigentlich Cecilia lautet, hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 200 Bilder gemalt.

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Cecilia Stahl war am 13. Februar 1945 als Krankenschwester in Dresden im Einsatz. Nur durch Glück überlebte sie.

Quelle: privat

Ein Viertel ihrer Werke zeigt den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, hungernde Flüchtlinge aus Schlesien, die die gelernte Krankenschwester behandelt hat. Und auch ihre Erlebnisse in jener Nacht 1945 in Dresden hat die im heutigen Katowice in Polen geborene Oberschlesierin auf Leinwand gemalt.

Viele der Öl-Bilder hängen im Zimmer der Rentnerin, die bei einer Enkelin und deren Mann im Ort Rot südlich von Ulm lebt. "Einige der Bilder sind schon oft ausgestellt worden", sagt die Hobby-Künstlerin. Das größte und bekannteste sei "Die Flucht". Verkaufen möchte sie es jedoch trotz einiger Angebote nicht.

Auch in diesem Bild hat sie den Krieg verarbeitet. "Mein Mann hatte immer gesagt, ich soll das lassen", erklärt die Rentnerin. Das Gemalte hätte ihn immer wieder an den Krieg erinnert. Das hätte ihr Mann aber nicht mehr gewollt. "Er war in Russland im Einsatz", sagt sie. Er floh im Mai 1945 in Tschechien aus einem Lager und konnte sich nach Bayern durchschlagen. Vor 50 Jahren ist ihr Mann aber gestorben. Sie denkt gerne an ihn zurück. An den Krieg und die Zeit in Dresden erinnert sich Cita Stahl ungern.

Der Blick zurück, zu jener Nacht im Februar, fällt ihr schwer. Langsam, aber mit fester Stimme erzählt sie von dem schrecklichen Inferno nach den ersten Bombenangriffen auf Dresden. Die damals 20 Jahre alte Frau war erst wenige Tage verheiratet, als ihr Mann zurück an die Ostfront musste. Den Hochzeitsurlaub, wie sie sagt, hat sie bei der Schwiegermutter im bayrischen Straubing verbracht. Doch schon am 10. Februar wurde die Krankenschwester nach Dresden beordert. Dort sollte sie sich im Lazarett um Kriegsverletzte aus dem Osten kümmern, und vor allem um die vielen Flüchtlinge aus Schlesien. Ihre Eltern und Großeltern waren noch dort. Cita Stahl machte sich Sorgen.

Als die ersten Bomben eingeschlagen waren, sei sie am Bahnhof Neustadt gewesen. "Das kam völlig überraschend und dann war da nur noch Chaos ", sagt Cita Stahl. "Meine Kollegin und ich wurden eingeklemmt von einer Säule." Dann stockt sie. Ihre Kollegin habe immer wieder um Hilfe geschrien. "Sie brannte und ich konnte nicht helfen", sagt Cita Stahl. Nur durch Zufall überlebte die Krankenschwester, weil Unbekannte sie von der Last der Säule befreien konnten. Für ihre Kollegin kam aber jede Hilfe zu spät.

Cita Stahl war verletzt, fiel in Ohmacht. Erst fünf Tage später, nachdem sie und andere mit dem Rotes-Kreuz-Zug aus Dresden gen Bayern gefahren worden waren, kam sie wieder richtig zu sich. Nach Dresden kehrte sie nur ein Mal zurück - vor ein paar Jahren. Da wurde auch die Erinnerung an Tod und Feuer wieder lebendig. "Die Zeit damals war sehr schlimm", betont Cita Stahl. "So etwas darf nie wieder passieren."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2013

Stephan Klingbeil

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