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Dresdnerin sammelt Boten aus dem Paradies

Vielfalt der Tomatensorten bewahren Dresdnerin sammelt Boten aus dem Paradies

Birgit Kempe ist fasziniert von der Vielfalt der „Boten aus dem Paradies“, wie sie das Gemüse nennt. Und sie möchte dazu beitragen, dass diese Vielfalt nicht verloren geht. Seit Ende der 1990er Jahre sammelt die Dresdnerin Tomatensorten. 600 sind es jetzt. Aus dem Hobby ist nicht nur Beruf, sondern Berufung geworden.

Verschiedene Tomatensorten.

Quelle: Catrin Steinbach

Dresden. Paradiesäpfel wurden die (vermutlich um 1500 durch Kolumbus) aus Südamerika eingeführten Tomaten einst genannt. „Paradeiser“ heißen sie noch heute in Österreich. Und weil man ihnen eine aphrodisierende Wirkung nachsagte, kam auch die Bezeichnung „Liebesapfel“ in Gebrauch.

Abgesehen davon stärken Tomaten das Immunsystem, wirken krebsvorbeugend, heben die Stimmung durch Tyramin, beleben Gehirn, Nerven und Zellstoffwechsel, kräftigen Herz und Kreislauf, vertreiben Müdigkeit und Mangel an Spannkraft, gleichen den Blutzuckerspiegel und den Cholesterinspiegel aus, fördern einen gleichmäßigen, erholsamen Schlaf, festigen Bindegewebe, Adern, Skelett und Zähne, verjüngen Haut und innere Zellen, schützen die Schleimhäute, beschleunigen die Wundheilung, wirken verdauungsregulierend, entwässernd und harntreibend. So heißt es zumindest in der Veröffentlichung „Rund um die Tomate“ der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2014.

Längst hat sich die Tomate zum beliebtesten Gemüse der Deutschen entwickelt. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft wurden sowohl im Wirtschaftsjahr 2012/13 als auch 2013/14 hierzulande pro Kopf 8,5 Kilogramm frische sowie 16,4 Kilogramm verarbeitete Tomaten verspeist.

 

Die zehn beliebtesten Tomatensorten

Die Tomatensortensammlerin Birgit Kempe hat für die DNN eine Hitliste der Tomatensorten aufgestellt, die nach Verkostungen bei ihr am meisten bestellt werden:

1. Israelische Streifentomate; Früchte 2 cm lang, olivenförmig, rot-grün gestreift, knackig sehr aromatisch und süß

2. Italienische Wildtomate; bildet viele kleine rote Früchte, die in Trauben an der Pflanze hängen. Diese Wildtomatensorte wird nicht ausgegeizt, wächst drei Meter breit und hoch, kann deshalb nicht im Gewächshaus kultiviert werden.

3 Black Cherry: dunkelrote, fast schwarze Früchte mit einem Durchmesser von 2,5 bis 3 cm, sind von der Schale her nicht so fest, sehr saftig, herzhaft im Geschmack, guter Ertrag

4 Crinch Cherry: schmeckt nicht nach Tomate, sondern wie eine Stachelbeere, ist auch im reifen Zustand grün, dass die Früchte reif sind merkt man daran, dass sie weich werden

5 Mikrobirnchen: gehört zu den Johannisbeertomaten; bildet etwa zwei Zentimeter lange Birnchen, nicht zu süß, aber lecker; Pflanze wird nicht ausgegeizt und ist für den Spalieranbau geeignet

6 Perlenschnur: Johannisbeertomate mit Früchten so groß wie Johannisbeeren, Geschmack nach Tomaete

7 Westerntomate: braunfrüchtige Stabtomate mit 2,5 cm Durchmesser, Geschmack süß bis herzhaft

8 Golden Love: Stabtomate, die Fruchttrauben bildet; Früchte 2 cm lang, eiförmig, leuchtendes Orange, nicht zu süß, normaler Tomatengeschmack

9 Blue Berry: im unreifen Zustand violett, reift ins Rot-Blaue fast Schwarze, Stabtomate; Früchte 5 bis 6 cm Durchmesser

10 Grünes Zebra: grün-gelb gestreifte sehr saftige Früchte mit Durchmesser von bis zu 8 cm, Stabtomate, schöne Schnitttomate

Weltweit gibt es mehrere Tausend Sorten. Sie schmecken süß, eher herzhaft oder sauer, sind weiß, gelb, orange, rot, rosa, violett, grün, braun oder schwarz, einfarbig, gestreift oder marmoriert, saftig oder eher nicht, fest oder weich, manchmal auch mehlig. Birgit Kempe ist fasziniert von der Vielfalt der „Boten aus dem Paradies“, wie sie das Gemüse nennt. Und sie möchte dazu beitragen, dass diese Vielfalt nicht verloren geht. Seit Ende der 1990er Jahre sammelt die Dresdnerin Tomatensorten. 600 sind es jetzt. Aus dem Hobby ist nicht nur Beruf, sondern Berufung geworden.

Um die vielen Sorten zu kultivieren ist der Kleingarten in Pesterwitz längst zu klein geworden. Bei der Gärtnerei Lohse in Pirna-Jessen fand Birgit Kempe Unterstützung. In zwei 28 Meter langen und 6 Meter breiten Gewächshäusern baut die gelernte Uhrmacherin und Gärtnerin ihre Tomaten an. Sie zieht Jungpflanzen für den Verkauf, kultiviert Tomaten, um genug Früchte für Tomatenverkostungen zur Verfügung zu haben und Samen zu produzieren.

Tomatenpflanzenverkauf

Tomatenpflanzenverkauf von Birgit Kempe: 20./21. Mai, jeweils 10-18 Uhr in der Gartengalerie No 23, Altnossener Str. 23 in Dresden-Pennrich, 28. Mai, 10-18 Uhr im Salvia – Der Laden im Kräuterhof, Dorfplatz 10 in Freital-Pesterwitz, 29. Mai, 10-18 Uhr auf dem Pillnitzer Gartenmarkt, Maillebahn in Pillnitz.

Die Tomatensortensammlerin öffnet ihren privaten Garten für Neugierige: 11. Juni, 12-18 Uhr in der Gartensparte am Mittelweg, Elbtalblick/Ecke Am Steinbruch in Freital-Pesterwitz

Tomatenverkostungen finden ab Ende Juli bei freiem Eintritt und ohne Anmeldung statt. Termine und Informationen über Tomatenseminare unter www.birgit-kempe-tomaten.de

Von April bis Oktober ist sie jeden Tag auf Achse, pflegt ihre Pflanzen, gibt ihr Wissen über Tomaten in Seminaren weiter, verkauft Pflanzen bzw. Samen und führt von Ende Juli bis Anfang Oktober in und um Dresden Tomatenverkostungen durch. Mittlerweile hat die „Tomatenfrau“ regional einen großen Bekanntheitsgrad. So fasziniert sie nicht nur in Dresden, Freital, Pirna und Radebeul die Garteninteressierten von der Vielfalt der Tomaten. Veranstaltungen führen sie jetzt schon bis Chemnitz, Großräschen und Bischofswerda.

Anbau- und Pflegetipps

Die Tomatensortensammlerin Birgit Kempe hat mittlerweile umfangreiche Erfahrungen im Tomatenanbau gesammelt. Hier einige Tipps von ihr zu Anbau und Pflege:

-Wildtomaten werden nicht ausgegeizt. Sie sollen wachsen, wie es von der Natur gegeben ist. In der Regel brauchen sie viel Platz und sind für den Anbau im Gewächshaus nicht geeignet.

-Fleisch- und Pfirsichtomaten dagegen sind für den Freilandanbau ungeeignet. Durch die vielen kleinen Haare auf den Früchten der Pfirsichtomaten würde sich im Freiland Tau- und Regenwasser sammeln und den Boden für die Braunfäule bereiten.

-Tomatensamen Ende März, Anfang April aussäen in eine Erde ohne Nährstoffe. Birgit Kempe füllt die Aussaaterde zwei Zentimeter hoch in Schalen, gibt darauf die Samen und übersiebt diese mit Erde, bis die Samen bedeckt sind. Diese bei 20 bis 22 Grad Celsius zum Keimen bringen. „Nach ein bis zwei Wochen, wenn die jungen Triebe etwa fünf Zentimeter hoch sind, vereinzele ich die Tomaten in Töpfe mit normaler Gartenerde. Eine zusätzliche Düngung wäre jetzt zuviel. Die Töpfe stelle ich hell und kühl. Sechs Grad reichen aus. Dann wachsen die Tomaten kräftig und werden widerstandsfähig. Viele verhätscheln ihre jungen Tomatenpflanzen in der Wohnung.“ nach dem 15. Mai können die Tomaten im Garten oder im Gewächshaus ausgepflanzt werden.

-Um dem Befall von Braunfäule vorzubeugen empfiehlt Birgit Kempe, die Tomaten nur vorsichtig von unten zu gießen. „Der Braunfäuleerreger ist im Boden und gelangt mit Spritzwasser an die Pflanzen. Um das zu vermeiden, könnte man den Boden mit Mulch abdecken oder bewachsen lassen mit Kräutern, Kresse, Ringelblume, Tagetes und anderem mehr.

Ab Mitte Juli spritzt Birgit Kempe ihre Tomatenpflanzen mit einer Milch-Wasser-Lösung von allen Seiten ein. „ich verwende dazu Milch mit einem Fettanteil von 1,5 Prozent und verdünne diese 1:10 mit Wasser. Durch das Übersprühen der Pflanzen entsteht ein Fettfilm, der es dem Braunfäuleerreger – einem Pilz – unmöglich macht zu wachsen. Allerdings muss man das Spritzen mit der Lösung nach jedem Regen wiederholen. Das erscheint aufwändig, aber das Ergebnis lohnt die Mühe. Zudem braucht man keine Chemie und die Tomaten kann man jederzeit essen.“

„Die Leute lieben die kleinen Tomaten“, so die Erfahrung von Birgit Kempe aus den unzähligen Verkostungen, die sie bereits durchgeführt hat. Am meisten gefragt sei die Israelische Streifentomate. „Sie ist auch mein Favorit. Die Früchte sind olivenförmig, etwa zwei Zentimeter lang, rot-grün gestreift, knackig, aromatisch und süß wie keine andere Sorte.“ Die sauerste Sorte aus der Sammlung der Dresdnerin ist die Gelbe Saure. „Dabei handelt es sich um eine Wildtomate. Die Früchte sind winzig, etwa einen Zentimeter im Durchmesser und wirklich extrem sauer.“ Doch auch diese Sorte hat einen Liebhaber gefunden.

Von Catrin Steinbach

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