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Dresdnerin reanimiert Edeldruck - alte Handwerkstechnik war fast vergessen

Dresdnerin reanimiert Edeldruck - alte Handwerkstechnik war fast vergessen

Eine Dresdnerin will ein fast vergessenes Edeldruckverfahren wiederbeleben, das vor über 150 Jahren von einem Franzosen erfunden wurde und mit dem einst die DDR harte Devisen im Westen verdiente: den Lichtdruck.

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Colette Spayer-Polansky an einer Lichtdruck-Anlage. Noch kann die Maschine nicht wieder in Betrieb gehen, weil Kernzutaten fehlen.

Quelle: Heiko Weckbrodt

"Weltweit beherrschen diese tolle alte Handwerkstechnik nur noch eine Handvoll Leute", sagt Colette Spayer-Polansky von der Firma "Lux at Art". Sie sieht diese alte Technologie als reizvoll für junge Fotokünstler an, die ihre Werke in limitierten Edelauflagen verbreiten wollen.

Allerdings sind viele Zutaten, Reprofilme und Kameras, die für den Lichtdruck benötigt werden, weltweit nirgends mehr verfügbar. Deshalb hat die 42-jährige Firmengründerin für heute die letzten verliebenen Lichtdrucker aus Deutschland nach Dresden eingeladen. Diese Experten wollen auf einer kleinen Tagung beratschlagen, welche Alternativ-Materalien für eine Lichtdruck-Renaissance in Sachsen in Frage kommen.

"Diese Farbübergänge und rasterlosen Halbtöne bekommen Sie mit keinem anderen Druckverfahren so hin", schwärmt Spayer-Polansky, wenn sie sich mit dem Fadenzähler über eine der alten Gemälde-Lichtdrucke beugt. Denn unter der Detaillupe zerfällt die reproduzierte Frauenkirche nicht etwa in grobe Kästchen wie im Massendruck, sondern in unzählige feine Pünktchen.

Die Herstellung dieser Repros ist jedoch sehr aufwendig. Die Druckvorbereitung dauert zwei bis drei Tage. Dafür wird das Originalbild zunächst mit einem Halbtonfilm abfotografiert. Dann werden spezielle Lichtdruck-Gelatinen nach besonderen Rezepturen gemischt und mit lichtempfindlichen Salzen verrührt. Diese flüssige Masse schüttet der Lichtdrucker auf eine große Glasplatte. Diese Platten werden dann mit den vorher angefertigten Negativen und mit Ultraviolett-Strahlen strukturiert.

Diese Platte kommt dann in die Druckmaschine. Müssen auch Farben reproduziert werden, sind bis zu zwölf Platten pro Bild anzufertigen. Und nach etwa 800 bedruckten Blättern ist schon Schluss: Danach ist die gummiähnliche, klebrige Runzelkornschicht, die für die feinen Farbnuancen sorgt, abgenutzt.

All dies lässt es schon erahnen: Lichtdruck ist sehr zeit- und arbeitsintensiv. Vor der Wende war das kein Problem, da die Personalkosten in der DDR wegen der niedrigen Löhne gering blieben. Daher war es für den SED-Staat ein lukratives Geschäft, in der Druckerei an der Kipsdorfer Straße in Striesen großformatige und hochwertige Lichtdruck-Repros von Gemälden der Galerie "Alte Meister" herstellen zu lassen. Die wurden gegen harte Devisen im Westen veräußert. Nach der Wende baute ein Verein die Druckerei zum betreuten Wohnkomplex für Senioren um. Die Lichtdruck-Maschinen kamen in den Druckerei-Keller an der Bärensteiner Straße. Dort will sie Colette Spayer-Polansky nun für eine Lichtdruck-Renaissance einspannen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.11.2014

Heiko Weckbrodt

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