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Dresdnerin päppelt die possierlichen Tierchen wieder auf

Hilfe für Eichhörnchen in Not Dresdnerin päppelt die possierlichen Tierchen wieder auf

Dass sie mal Ersatzmama für kleine Eichhörnchen wird, hätte sich Jaqueline Gräfe aus Dresden vor einem Jahr noch nicht träumen lassen. Denn zu diesem ehrenamtlichen Job kam sie, wie man so schön sagt, wie die Jungfrau zum Kind. Inzwischen hat sie in einem Zimmer der Familienwohnung in Leuben schon 39 (!) Eichhörnchen aufgepäppelt.

Diese beiden Eichhörnchen sind schon voller Entdeckerlust. Doch in der Natur könnten sie noch nicht alleine überleben.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Dass sie mal Ersatzmama für kleine Eichhörnchen wird, hätte sich Jaqueline Gräfe aus Dresden vor einem Jahr noch nicht träumen lassen. Denn zu diesem ehrenamtlichen Job kam sie, wie man so schön sagt, wie die Jungfrau zum Kind. „Ich sah auf dem Gartenzaun ein wirklich kleines Eichhörnchen sitzen, dass sich partout nicht von der Stelle rührte. Ich habe mich gewundert, mir aber gesagt, dass es sich um ein Wildtier handelt, dass man auf jeden Fall in Ruhe lässt, damit die Mutter eine Chance hat, ihr Junges zu holen. Es kam aber keine Mutter.“

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Jaqueline Gräfe in Dresden zieht Eichhörnchen-Findelkinder auf und pflegt kranke Tiere gesund. Ehrenamtlich.

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Jaqueline Gräfe ging das kleine Tierchen nicht mehr aus dem Sinn. Sie recherchierte, wo man Hilfe für Eichhörnchen bekommen könnte und stieß auf die Telefonnummer der Natur- und Artenschutzstation Weinböhla. Dort riet man ihr, das Jungtier erst einmal in Obhut zu nehmen. Doch es war schon zu spät. Krähen hatten dem kleinen Eichhörnchen ins Genick gehackt.

„Am nächsten Tag kam schon Fridolin“, erzählt die Leubenerin. “ In der Woche darauf Pepe und innerhalb von 14 Tagen hatte ich vier kranke, verunglückte bzw. verstoßene Eichhörnchen in Pflege.“ In der Natur- und Artenschutzstation hatte man sich ihre Bereitschaft zu helfen gemerkt und ihre Telefonnummer an den Eichhörnchennotruf weitergegeben.

Bei diesem handelt es sich um einen bundesweit agierenden Verein, der sich um die possierlichen Nagetiere kümmert, wenn sie in Not sind. „in Sachsen hatte der Verein damals noch keine Helfer“, weiß Jaqueline Gräfe. So war man dankbar für den Kontakt nach Dresden. „Heute zählt der Verein 100 Mitglieder“, weiß die Leubenerin. Neben ihr gibt es in Sachsen jetzt auch noch Helfer in Zwickau und in Weesenstein, die sich hilfloser Eichhörnchen annehmen.

Für die 48-jährige Dresdnerin war die Aktion wie ein Sprung ins kalte Wasser. „Ich bin zwar sehr tierlieb, hatte immer Hunde als Haustiere, aber mit Eichhörnchen vorher nichts zu tun“, erzählt sie. Doch Mitglieder des Eichhörnchennotrufes statteten die Dresdnerin umgehend mit Informationen aus. „Ich bekam einen Mentor in Nordrhein-Westfalen, den ich jederzeit anrufen konnte.“ Und auch Helmar Anders von der Natur- und Artenschutzstation Weinböhla gab seine Erfahrungen an Jaqueline Gräfe weiter.

Inzwischen hat sie in einem Zimmer der Familienwohnung schon 39 (!) Eichhörnchen aufgepäppelt und dafür viel Nachtschlaf, Zeit und vor allem Geld investiert. Der Verein lebt von Spenden. „Je nachdem, was in der Kasse ist, bekommt jeder, der Eichhörnchen aufzieht, eine kleine finanzielle Unterstützung. Zuletzt waren es 50 Euro im Jahr.“ Das reicht natürlich hinten und vorne nicht. Spezialnahrung, Tierarztbesuche, Medikamente... all das kostet Geld.

Eichhörnchen-Notruf

Tel.: 0700 200 200 12

Jaqueline Gräfe ist dabei, ein großes Netz von Unterstützern zu weben. Die einen nähen bzw. häkeln zum Beispiel Kobeln nachempfundene Rückzugsorte, die die Eichhörnchen-Ersatzmama in die Käfige einhängt. „Davon brauche ich viele, denn aus hygienischen Gründen werden die jeden Tag gewechselt und 60 Grad gewaschen.“ Tierärzte spendeten schon mal Medikamente und spezielle Zusätze für die Eichhörnchennahrung. Ein Tierheim stellte einen Käfig zur Verfügung und nach einem Aufruf über Facebook brachten die Dresdner insgesamt rund 250 Kilo Nüsse.

Die Mitglieder des Eichhörnchen-Notrufes wollen aus den possierlichen Tieren, die sie in Obhut nehmen, keinesfalls zahme Haustiere machen. „Wir pflegen Sie so lange, bis wir sie wieder in die Natur entlassen können“, so die Leubenerin. Wenn ihre Eichhörnchen eine gewisse Größe erreicht haben, gesund, munter und nicht mehr auf Spezialnahrung angewiesen sind, sondern Sonnenblumenkerne, Nüsse, Früchte, Esskastanien und Co. verputzen können, dann verlagert die Dresdnerin ihre Schützlinge in ihren Garten in die Auswilderungsvoliere. „Die ist 15 Quadratmeter groß, 2,50 Meter hoch und naturnah gestaltet.“

Etwa im Alter von zwölf Wochen sind die einstigen Findelkinder reif für die Wildnis. „Mindestens neun Wochen alt muss ein Eichhörnchen sein, damit es überhaupt eine Chance hat, ohne seine Mutter zu überleben“, weiß Gräfe. Das jüngste Eichhörnchen, das bisher zu ihr gebracht wurde, war gerade mal drei Wochen auf der Welt.

Doch wie erkennt man, ob ein Eichhörnchenkind Hilfe braucht? „Wenn sehr kleine Eichhörnchen nicht weglaufen, sondern die Nähe zum Menschen suchen, vielleicht sogar an der Hose hochklettern, dann suchen sie Hilfe“, ist die Erfahrung der Leubenerin. Sind Jungtiere alleine, sollte man sie erst einmal aus der Ferne eine Weile im Auge behalten und beobachten, ob vielleicht doch das Muttertier in der Nähe ist. „Heruntergefallene Kobel lässt man zunächst liegen. Denn jedes Eichhörnchen, das Junge aufzieht, hat drei bis fünf Kobel, um die Jungtiere bei Gefahr in ein anderes Nest zu schaffen. Erst wenn sich nach zwei Stunden noch nichts getan hat, ist Gefahr im Verzug.“

Erste-Hilfe-Maßnahme: die Eichhörnchenbabys wärmen. „Zudem ist es im Hochsommer wirklich ganz wichtig, das Fell auf eventuell vorhandene längliche, weiße Fliegeneier abzusuchen und diese unbedingt sofort abzulesen“, ist die Erfahrung von Jaqueline Gräfe. Denn die Maden schlüpfen in nur acht Stunden aus. Und dann ist das Eichhörnchen dem Tod geweiht.“ Vor einer Tollwutinfektion müsse man keine Angst haben, denn in Sachsen habe es schon seit 14 Jahren keine Fälle mehr bei Wildtieren gegeben.

Die Eichhörnchenretter müssen sich hin und wieder böse Worte anhören, wenn sie Tiere mit schwarzem oder grauschwarzem Fell aufziehen. Hintergrund: In Europa breiten sich die Amerikanischen Grauhörnchen aus. Sie sind viel größer als die Europäischen Eichhörnchen und rauben ihnen den Lebensraum. Doch „für Deutschland gibt es bisher keinen gesicherten Nachweis eines Vorkommens des Amerikanischen Grauhörnchens“, hat der Verein Eichhörnchennotruf recherchiert . „Nicht alle grauen Hörnchen sind Grauhörnchen“, denn „unsere Europäischen Eichhörnchen variieren in ihrer Fellfarbe in sehr vielen Schattierungen von orangerot über rotbraun, braun bis schwarz, ihr Winterfell kann dabei vor allem an den Flanken mehr oder weniger deutliche Grauanteile aufweisen.“

www.eichhoernchen-notruf.com

Von Catrin Steinbach

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